In den USA: Schlammschlacht um das Cloud-Projekt JEDI, ein potentiell gutes Herz und Hotel California

Wer gerade auch die US-Medien verfolgt, dem ist die Diskussion um eine Cloud-Lösung namens “Joint Enterprise Defense Infrastructure”, abgekürzt JEDI, für das US-Verteidigungsministerium, das Pentagon, nicht neu. Dabei sollen Lösungen und Daten in die Cloud übertragen und künstliche Intelligenz genutzt werden:

JEDI aims to bring DOD’s computing systems into the 21st century by moving them into the cloud. The Pentagon says that will help it inject artificial intelligence into its data analysis and equip soldiers with real-time data during missions, among other benefits

über IBM Joins Fight Over Pentagon Cloud Contract Favoring Amazon | WIRED

Es geht dabei wohl um einen geschätzten Umsatz von $ 10 Milliarden. Jetzt hat Google angekündigt, nicht bieten zu wollen, da es vertragsbedingte Hemmnisse gebe und das Projekt potentiell die kürzlich selbst auferlegten KI-Prinzipien verletze. heise online berichtet:

“Wir bieten nicht auf den Jedi-Vertrag, weil wir nicht sicher sind, ob er unsere KI-Prinzipien verletzt”, zitiert Bloomberg einen Google-Sprecher.

über Projekt Jedi: Google verzichtet auf Milliarden-Deal mit Pentagon | heise online

Vera Bauer fragt auf MobileGeeks, ob Google sein Herz entdeckt habe. Na ja, zum guten Herzen von Google und dem Leitsatz “Don’t be evil”, der unterdessen aus den Unternehmensrichtlinien gestrichen, habe ich so meine Meinung. Im Juni haben Mitarbeiter von Google auf jeden Fall die Beteiligung an dem Militärprojekt Maven gekippt und Google hat sich dann Regeln in der KI-Entwicklung gegeben. Wenn die ethischen Grundsätze wirklich (mit(entscheidend waren, ist das auf jeden Fall bemerkenswert. Daran müssen sich dann alle anderen Anbieter messen lassen.

Doch geht es – wen wundert es – bei der Projektvergabe nicht nur um Ethik. WIRED meldet Zweifel an, denn Google habe wie auch andere Anbieter kaum Chancen, das Projekt zu gewinnen. Sowohl Google wie auch IBM, Oracle und andere Bieter unterstellen dem Pentagon mehr oder weniger deutlich, dass das Projekt “für” einen bestimmten Cloud-Anbieter geschrieben worden sei. Nach Oracle hat jetzt auch IBM protestiert. Die Ausschreibung setzt hohe Hürden an die Sicherheitszertifizierung des Lieferanten (nur Amazon hat derzeit die höchste Zertifizierung), schließt Lieferanten aus, die ihr Geschäft weitgehend in der öffentlichen Verwaltung machen, und stellt höchste technische Anforderungen. Im Rahmen des Projektes sollen – so berichtet WIRED – ungefähr 3,4 Millionen Anwender des Pentagon sowie 4 Million Geräte in die Cloud migriert werden. Man rechne mit mindestens $2 Milliarden Umsatz an Cloud Services im Jahr.

Ein Punkt scheint Google, IBM & Co. vor allem zu stören: Das Pentagon besteht darauf, die Lösung mit einem Anbieter zu realisieren. Eine Multicloud-Lösung wird bis dato rigoros abgelehnt. Nicht nur die Wettbewerber von Amazon, sondern auch Industrieexperten empfehlen dagegen unter anderem aus Sicherheitsgründen eine Multicloud-Lösung.

Tja, Projekte in der öffentlichen Verwaltung und dann auch noch im Verteidigungssektor haben ihren besonderen “Charme”. Da können wir in Deutschland und Europa mitreden. Es wird auf jeden Fall interessant sein, wie es mit dieser Ausschreibung weiter geht. Microsoft, Google und IBM scheinen endlich erkannt zu haben, wie stark die Position von Amazon nicht nur in diesem Deal ist. Sie setzen deshalb in der neu gegründeten “Bandwith-Alliance” auf freien bzw. deutlich vergünstigten Datentransfer zwischen den Anbietern. Dazu noch ein nettes Zitat für Rock-Fans vom Chef des Gründungsmitglieds Cloudflare Matthew Prince zur Anazon-Praxis, Daten ohne Kosten in die Amazon-Cloud zu verlagern, bei der Migration heraus aber Geld zu verlangen:

„Das ist eine Art ,Hotel California. Es ist frei, seine Daten einzubringen, aber die Daten wieder herauszubekommen, kostet eine substantielle Menge Geld“

über Microsoft, Google und IBM verbünden sich gegen Amazon

(Stefan Pfeiffer)

Kommentare sind sehr willkommen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.