Der Biergarten als lichter Ort der lockeren Liberalität wäre kein schlechtes Vorbild für die Zukunft der Unternehmens-IT

In der Wirtschaft ist es üblich, dass der Finanzvorstand irgendwann an die Spitze des Unternehmens wechselt. Warum ist der so genannte Chief Information Officer (CIO) nicht im Gespräch, wenn es um die Leitungsspitze eines Unternehmens geht? Die Relevanz der Informationstechnologie steigt, aber die Bedeutung der IT-Chefs geht weiter den Bach runter. Das schrieb ich vor einigen Jahren. IT-Führungskräfte dürften sich nicht hinter ihren Bits und Bytes verschanzen. Gefragt seien Kompetenzen für das Kerngeschäft, forderte der frühere Harvey Nash-Deutschlandchef Udo Nadolksi.

Der Hemmschuh seien die Abhängigkeitsverhältnisse der CIOs.

„Die IT wird vom Finanzvorstand bezahlt und zum Optimieren gezwungen wie alles andere auch, was einem Finanzvorstand untersteht. Die IT muss deshalb standardisiert werden und billiger leisten. Dazu fragt sie um Hilfe bei IT-Dienstleistern nach, die genau das liefern, was in der Ausschreibung steht, die der CFO genehmigt hat. Die Mitarbeiter oder Anwender fordern von der Geschäftsführung Innovationen, die aber in der Regel aus Geldmangel abgelehnt werden”, lautete damals die Erklärung des ehemaligen IBM-Cheftechnologen Gunter Dueck.

Anschaulich ist auch folgende Argumentation:

„Statt auf Bedürfnisse zu schauen, bügelt die IT ein Standardmodell drüber. Das führt naturgemäß zu Frustrationen. Bis nämlich das neue Smartphone durchgetestet und auf Sicherheit überprüft ist, hat es der Anbieter schon längst wieder gekündigt. Bindet man das iPhone in die Standardprozesse des Unternehmens ein, ist der Spaß auch gleich wieder vorbei. In solchem Denkraster sind Cloud & SaaS, Skype & Social Media, Tablets und ähnliche aus der Consumer IT importierten Werkzeuge die natürlichen Feinde der IT-Abteilung. Sie gelten als verwerfliche Schatten-IT. Umgekehrt schimpfen die Endanwender auf die starre unflexible IT“, so Siegfried Lautenbacher.

Der Biergarten als lichter Ort der lockeren Liberalität wäre kein schlechtes Vorbild für die Zukunft der Unternehmens-IT.

„Viel Self Service, viel Freiheit und alles an Infrastruktur, was der Nutzer braucht“, so das Credo von Lautenbacher.

Daraus ist nichts geworden. Deshalb ist die Schlagzeile des Wiwo-Redakteurs Michael Kroker nicht verwunderlich: “Digitalisierung verändert Rolle der IT-Abteilung vom Technikexperten zum Handlanger”.

Drei Dinge bemängeln Führungskräfte nach einer Umfrage an der IT-Abteilung besonders:

“Erstens vermisst die Hälfte bei ihrer IT grundlegendes Verständnis für die aktuellen Geschäftsprozesse. Zweitens kommen in weniger als jedem dritten Unternehmen proaktive Innovationen aus der IT in den Fachbereichen an. Drittens sieht jeder zweite Manager die hauseigene IT nicht als Technologieberater”, so Kroker.

Um nicht überflüssig zu werden, müsse sich die IT zum flexiblen und aktiven Treiber und Gestalter der digitalen Transformation wandeln. Inspirationen vermitteln Biergärten 🙂

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