E, I oder D – muss einer gehen?

Digital Officer

Die Rede ist hier nicht von einem Verabschieden der Buchstaben aus dem Alphabet. Sie sind eher im Kontext des CEO (Chief Execution Officer), CIO (Chief Information Officer) und CDO (Chief Digital Officer) zu verstehen. So stellte bereits die Computerwoche Überlegungen dazu an, ob die Entwicklung im digitalen Bereich eines Unternehmens nicht bereits durch die Kombination von CEO und CIO abgedeckt ist. Was sind die Aufgaben des CDOs und wo ist dieser Arbeitsbereich einzuordnen? Wer nimmt sich der digitalen Entwicklung des Unternehmens an und wie besteht eine gesunde Harmonie zwischen diesen drei leitenden Funktionen? Anknüpfend an unsere Diskussion aus dem letzten Jahr nun eine Auffrischung.

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Eine Studie ermöglicht Spekulationen

Die “Digital Value 2018”-Studie von Horváth & Partner zeigt deutlich: Die Wichtigkeit des CDOs steigt. Doch was für Aufgaben hat er denn nun genau?

“Das wissen wir noch nicht. Er ist ja noch ganz neu.” Anscheinend sehen einige Unternehmen im CDO einen Erfolgsfaktor, den man erst einmal haben muss, ohne zuvor die Aufgaben detailliert zu beschreiben.

Dass auf die Frage von Computerwoche viele nur eine eher wage Antwort haben verwundert mich. So steht für mich nicht ganz im Einklang, dass der Digital Officer von vielen gefordert wird, die Aufgabenverteilung jedoch nicht klar gegeben ist.

Drei verschiedene Rollen?

Widmen wir uns also der Frage, ob der CDO eine momentan klaffende Lücke schließt oder mehr Unklarheiten aufwirft. Sehr hilfreich dafür ist die Aufgabenverteilung der Computerwoche, die Klarheit in die Sache bringen kann.

“Der CEO. Er ist der Visionär. Der, der vorne steht und seine Vision proklamiert. Steve Jobs ist hier ein Paradebeispiel.”

Hier steht die Sache fest. Die Rolle des CEOs ist stark in der Unternehmensstruktur verankert. So hat er die Marschrichtung vor Augen, jedoch nicht immer das nötige technische Know-How.

“Der CIO. Der CIO ist der Technologe. Er bewertet neue Technologien und entwickelt Lösungsvorschläge, wie der Einsatz dieser Technologien zum geschäftlichen Nutzen beiträgt. Gleichzeitig steht er in der operativen Verantwortung für den Betrieb der Systeme, für die Stabilität der (digitalisierten) Geschäftsprozesse.”

Vor allem der letzte Satz fällt mir ins Auge. So ist der Information Officer auch in operativer Verantwortung. Bevor der CDO auf die Bildfläche getreten ist, war deswegen eine Harmonie zwischen CEO und CIO gefordert, die die Zukunftsorientierung des Unternehmens mit der technologischen Entwicklung vereinen soll. Hier sehe ich immer noch ein Erfolgsrezept. Wie wird also der Digital Officer eingeordnet?

“Der CDO. Er ist der Zukunftsforscher. Der ständige Innovator, der mit seinen Ideen das Unternehmen fordert und bewegt. Er hat tiefe Kenntnisse im Bereich von Geschäftsmodellen und -prozessen und einen hohen Fokus auf den Kundenutzen. Er leitet die Digitale Transformation.”

Der Leiter der Digitalen Transformation war bisher der CIO. Das würde ich ihm auch nach dieser Kategorisierung nicht absprechen. Jedoch zeichnet sich ab, dass die Schnittstelle CIO und CEO durch den CDO engermaschig gestrickt werden kann. Der CIO hat möglicherweise zu viel mit technischer Entwicklung zu tun, um eine langfristige Sicht auf die damit entstehenden Möglichkeiten zu haben. Hier kann der Chief Digital Officer helfen.

Immer noch ein Aufgabenverteilungsproblem

Somit ist der Chief Digital Officer möglicherweise ein lösungsbringender Verantwortlicher für den klaren Blick in der Technikwelt. Doch welche Aufgaben der Digitalisierung werden nun an welchen Officer weitergeleitet? Es besteht die Gefahr, dass der CDO mit zu vielen Bereichen überlastet wird, um die sich die Geschäftsführung bisher nicht kümmern konnte.

Julian Kawohl, Professor für Strategisches Management in Berlin, stellt ein klares Problem fest:

“Ressourcen- und Zielkonflikte”

Diese sind zwischen CIO und CDO nicht auszuschließen. Wichtig ist also, dass sich darüber klargemacht wird, wer welche Aufgaben übernimmt. Sollte dies funktionieren ist ein Dreiergespann zielführend. Auch wenn man den COO (Chief Operation Officer) nicht vergessen darf, der wohl auf lange Zeit auch das kurzfristige digitale Geschäft leiten wird. Dennoch bürgt das Hinzuziehen eines weiteren Entscheiders immer die Gefahr, dass Wege schwerer einzuschlagen sind. Immerhin müssen sich nun drei einig sein und nicht mehr nur zwei. Natürlich steckt aber auch verborgenes Potential in der neuen Stelle. Weitere Erhebungen werden in ein paar Monaten mehr Klarheit bringen.

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