Besteht die deutsche KI-Forschung nur aus Wortgeklingel? Wir diskutieren das mit Professor Wahlster vom DFKI auf der #Cebit18

Wenn man sich die diesjährige Google Entwicklerkonferenz anschaut mit der Präsentation des sprachgesteuerten Assistenten, dann nimmt so langsam der virtuelle Concierge konkrete Formen an. Rund zehn Jahre nach den Voice Days in Bonn, wie der Unternehmensberater Bernhard Steimel auf Facebook kommentiert.

2007 präsentierte bei den Voice Days das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beispielsweise den Ligabot. Der anthropomorphe Agent war schon damals in der Lage via Sprachdialogsystem aktuelle Informationen über Spielergebnisse, Spielorte, nächste Begegnungen und die Tabellensituation der laufenden Saison zu erfragen. Für die Interaktion mit den Benutzern wurde ein virtueller Fußballexperte eingesetzt, der Fragen des Besuchers mit einer künstlichen Stimme sowie entsprechender Mimik und Gestik beantwortete. Für Gerhard Sagerer, einer der Gründerväter des Cor-Labs, ist die Verständigung zwischen Mensch und Maschine eine der entscheidenden Kriterien in der Roboterforschung:

„Wir wollen Roboter bauen, die mit der häufig fehlenden Eindeutigkeit der menschlichen Kommunikation umgehen können, das heißt, dass sie auch nicht ganz klare verbale Anweisungen und Gesten sinngemäß interpretieren können”, so der Wissenschaftler.

Ziel sei es, dass sich die Maschine dem Menschen anpasse und nicht etwa umgekehrt.

Die KI-Forschung in Deutschland verfolgt im Gegensatz zu anderen Ländern einen sehr pragmatischen und anwendungsbezogenen Ansatz. Die Wissenschaftler konzentrieren sich nicht auf die Erfindung von Computern mit menschlichem Bewusstsein. Sie entwickeln in enger Kooperation mit der Wirtschaft Technologien für den Alltag, die wir als Errungenschaften der KI-Forschung gar nicht mehr wahrnehmen – etwa bei der Analyse natürlicher Sprache. Für rund 120 Unternehmen wurden Dialogsysteme für Navigationsgeräte, Fahrkartenautomaten, Logistiksysteme oder Diktiersoftware entwickelt und marktfähig gemacht.

Wenn es heute also um Sensorik, Sprachsteuerung, Erkennung von Gefahrenquellen, Staumeldungen, personalisierte Parkplatzsuche oder dergleichen geht, sollte man vielleicht etwas genauer auf den Ursprung schauen. Nicht alles entstand oder entsteht auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz im Silicon Valley.

Kommen also vom weltgrößten Forschungszentrum für KI nur untaugliche Ergebnisse? Zu den Kritikern der deutschen KI-Forschung zählt FDP-Bundestagsabgeordneter Thomas Sattelberger. Das betonte er wieder in einem Interview mit dem Handelsblatt:

“Im Forschungssektor liegen wir in kaum einer modernen Spitzentechnologie noch auf Platz eins. In die Erforschung künstlicher Intelligenz zum Beispiel haben wir viel Geld gesteckt und für wissenschaftliche Veröffentlichungen tiefschürfende Erkenntnisse gewonnen. Doch mit welchem Ergebnis auf den Märkten und bei den Kunden? Kommerzialisierung und Skalierung von Neuem stehen bei unserer Forschung häufig in einem schlechten Verhältnis zu Input, Anspruch und rhetorischem Wortgeklingel.”

Wie passt das zu den 120 Unternehmen, die schon vor zehn Jahren mit praktischer KI-Forschung unterstützt wurden?

Erinnert sei auch an folgende Meldung: PILGERN GOOGLE UND CO. ZUM DEUTSCHEN FORSCHUNGSZENTRUM FÜR KI ODER WANDERN UNSERE FORSCHER AB ZU GOOGLE UND CO.? @TH_SATTELBERGER @DFKI @CEBIT

Wir werden das mit Wolfgang Wahlster, Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes und Chef des DFKI, in unserem Cebit-Livestudio vertiefen: Am Dienstag, den 12. Juni, um 15 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich vom 11. bis 15. Juni auf der Cebit in Hannover 🙂

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