“Wahrheiten” über den Reifegrad der Digitalisierung in Unternehmen

FAZ-Redakteur Georg Giersberg hat sich mal die Mühe gemacht, sich durch die Vielzahl der quantitativen Studie zur Digitalisierung zu wühlen.

“Mit ihnen lässt sich viel belegen, meist aber auch das Gegenteil.”

So überschlugen sich zur Hannover Messe die Umfragen zu der Frage, wo Deutschland im internationalen Vergleich bei der Einführung von Industrie 4.0 steht.

“Der technisch-wissenschaftliche Verband VDE kam in seiner Umfrage zu dem für Europa und vor allem Deutschland niederschmetternden Ergebnis, dass Asien die Nase vorn habe. Demnach trauen nur 7 Prozent von 1300 befragten Unternehmen und Hochschulen Europa eine Vorreiterrolle bei der digitalen Transformation zu, 40 Prozent aber Asien. Nach dieser Umfrage konnte sich kein Befragter vorstellen, dass es in Asien Unternehmen gebe, die bisher gar nichts in Richtung Digitalisierung der Produktion unternommen hätten – die entsprechende Rubrik wies ‘null Angaben’ aus.”

Asienfreundlich fallen auch die Ergebnisse einer Studie von PWC aus. Der Digitalisierungsgrad deutscher Unternehmen sei im internationalen Vergleich ausbaufähig: Gemessen an der Implementierung neuer Technologien, der Reife digitaler Ökosysteme und der Digitalkultur erreiche nur 1 Prozent den Status “Digital Operations Champion”. Für die Region Asien-Pazifik ermittelt PWC den Wert von 19 Prozent. Bei qualitativen Studien kommt man zu anderen Ergebnissen. Erinnert sei an die Untersuchung “Digitale Dividende im Mittelstand”, die mit Tiefeninterviews arbeitet. Dort kommen die Autoren zu einer positive Lageeinschätzung für Deutschland: Bereits jedes vierte befragte Unternehmen kann als Digital Leader gelten.

Ähnlich widersprüchliche Ergebnisse entdeckt der FAZ-Redakteur Giersberg bei der Frage, ob die Digitalisierung Arbeitsplätze schafft oder vernichtet.

“Etventure (ein Beratungsunternehmen von EY) kommt zu dem Ergebnis: Deutsche Unternehmen erwarten erstmals mehr Arbeitsplätze durch Digitalisierung. Nur noch jedes sechste Unternehmen befürchtet einen Verlust an Arbeitsplätzen, dagegen gehen von den 2000 befragten Firmen 26 Prozent davon aus, am Ende der Digitalisierung mehr Menschen Beschäftigung bieten zu können. EY selbst hat 301 Managern die gleiche Frage gestellt nach den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Zahl der Arbeitsplätze. Von denen glauben 33 Prozent, dass Arbeitsplätze wegfallen, während nur noch 9 Prozent davon ausgehen, am Ende mehr Arbeitsplätze zur Verfügung stellen zu können. Bei der letzten Umfrage ist das Ergebnis maßgeblich durch die – genannte – branchenmäßige Zusammensetzung der Stichprobe determiniert. Der von der Digitalisierung hart betroffene Finanzsektor ist überproportional stark vertreten. Das erkennt man aber nicht immer”, resümiert Giersberg.

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