IBM C-Suite Studie zur Versicherungsbranche: Was Start-ups den großen Versicherern voraus haben

Während digitale Technologien die Welt verändern, gewinnen Monopole immer mehr an Bedeutung. Aber auch kollaborative Geschäftsmodelle florieren, und selbst in Branchen, in denen der Wettbewerb schrumpft, gibt es noch viel Spielraum nach oben. Kein Wunder, dass Top-Führungskräfte verwirrt sind. Auch CxOs von Versicherungen bilden da keine Ausnahme. Sie sind beispielsweise geteilt in der Meinung, ob der Fokus auf neuen oder etablierten Märkten liegt (44 Prozent gegenüber 42 Prozent).

Aber sie sind sich darüber im Klaren, dass sich die externen Kräfte, die ihre Unternehmen in den nächsten Jahren am ehesten beeinflussen werden, stark verschoben haben. Wie ihre Kollegen in anderen Branchen berichten auch die CxOs von Versicherungen, dass die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter immer wichtiger werden: 60 Prozent der Befragten sagen, dass Talent einer der vier größten Einflüsse auf ihr Unternehmen hat. Welche Rolle spielt der technologische Fortschritt bei Versicherungen und welche externen Kräfte haben Einfluss auf die Unternehmen? Hierzu hat das IBM Institute for Business Value, in Zusammenarbeit mit Oxford Economics, 828 CxOs der Versicherungsbranche befragt.

INHALT

Archetypen der Digital Reinvention

IBM unterscheidet in seiner Untersuchung zwischen sogenannten Reinventors, Practitioners und Aspirationals. Die Reinventors (31 Prozent der Befragten) konzentrieren sich auf die Entwicklung bahnbrechender Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Sie zeichnen sich zudem dadurch aus, dass sie Wert aus ihren Ökosystemen schöpfen und aktiv experimentieren. Ihre IT-Strategien sind auf ihre wirtschaftlichen Ziele ausgerichtet, und sie sind hervorragend in der Bewältigung von Veränderungen – das alles hilft ihnen, sich sowohl finanziell als auch als Innovatoren hervorzuheben.

Die Practitioners (38 Prozent der Befragten) sind zwar ehrgeizig, haben aber noch nicht die Fähigkeiten erworben, um ihre Ambitionen zu verwirklichen. Sie sind weder so konzentriert noch so agil wie die Reinventors. Aspirationals (31 Prozent der Befragten) befinden sich noch ganz am Anfang ihrer Reise. Sie müssen noch eine klare Strategie entwickeln, die richtigen Prozesse und Ressourcen einsetzen und die Agilität entwickeln, um neue Chancen zu nutzen.

Disruption: Wo lauert die Gefahr?

Vor zwei Jahren waren die meisten der von IBM befragten Führungskräfte zutiefst beunruhigt darüber, dass Digitalgiganten aus anderen Bereichen in ihr Gebiet eindringen könnten. Heute sehen sie die tatsächliche Disruption eher in innovativen etablierten Industrieunternehmen, die sich neu erfunden haben. Versicherungs-CxOs sehen die Dinge etwas anders.

 

Versicherungsbranche

 

Wie andere CxOs sind sie relativ optimistisch, was die Aussicht auf einen disruptiven Wettbewerb angeht: Nur 34 Prozent geben an, dass ihr Sektor große Umwälzungen durchmacht, und nur 25 Prozent sehen eine dringende Notwendigkeit, ihre Unternehmen zu verändern. Sie machen sich dabei aber weniger Sorgen um wiedererstarkte Insider als um technisch versierte Start-ups – die so genannten “Insurtechs” .Versicherungs-CxOs sehen den besten Weg, um der Disruption entgegen zu wirken, in einer Partnerschaft mit einem Insurtech.

IBM’s Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich insbesondere die Reinventors dieser Herausforderung stellen. Die Führungskräfte, die diese Unternehmen leiten, haben ein viel besseres Gespür für die Richtung, in die die Branche geht, als ihre Kollegen in weniger erfolgreichen Unternehmen: 87 Prozent der Reinventors haben C-Suiten mit einem starken Verständnis für die Entwicklung der Versicherungsbranche, verglichen mit nur 70 Prozent der Practitioner und 46 Prozent der Aspirationals. Darüber hinaus haben viele der Reinventors bereits Geschäftsstrategien entwickelt, um die Gefahren, die von den Insurtechs ausgehen, zu bewältigen.

Weg vom Produkt, hin zum Kunden

Ein personalisiertes Kundenerlebnis ist heutzutage unerlässlich, aber die Gestaltung überzeugender personalisierter Erlebnisse erfordert ein tiefes Verständnis dessen, was verschiedene Menschen bewegt. Auch hier sind die Reinventors dem Trend voraus: 83 Prozent sind in der Lage, personalisierte Kundenerlebnisse zu schaffen, verglichen mit nur 64 Prozent der Practitioner und 44 Prozent der Aspirationals. Darüber hinaus wollen viele Reinventors noch besser werden: 73 Prozent erwarten, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz in den nächsten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Kundenzufriedenheit führt.

Plattformen für bessere Kundenbeziehungen

Einer der spannendsten Trends der letzten Zeit ist die Entstehung des Plattform-Geschäftsmodells, das die Produzenten direkt mit den Verbrauchern verbindet und es Unternehmen ermöglicht, schneller zu wachsen und höhere Gewinne zu erzielen. Während derzeit nur 7 Prozent der Versicherungs CxOs Plattformen betreiben, experimentieren schon 26 Prozent mit dem Konzept und 21 Prozent wollen dafür Kapital umverteilen.

Dennoch planen die Versicherer in der Regel nur 13 Prozent ihres Kapitals umzuschichten, was deutlich weniger ist als bei Unternehmen aus verwandten Branchen wie Banken und Finanzmärkte. Aber was macht eine Plattform erfolgreich? IBM sieht hier drei Erfolgsfaktoren: Wertschöpfung durch Gegenseitigkeit, Nutzung von Daten und Verpflichtung zur Innovation. Die Reinventors erfüllen diese Kriterien besonders gut: Sie sind besser als die Practitioner und Aspirationals in der Zusammenarbeit mit Kunden, um neue Angebote zu entwickeln und Kundenfeedback in ihre Planungs- und Designprozesse zu integrieren. Auch bei der Gewinnung der gesammelten Daten sind sie geschickter: 42 Prozent nutzen die Daten sehr effektiv, um unerfüllte Kundenbedürfnisse zu identifizieren, verglichen mit nur 15 Prozent der Practitioner und 10 Prozent der Aspirationals.

Team-Building in Zeiten der Digitalisierung

Das Wesen der Arbeit verändert sich im Zuge der Digitalisierung dramatisch, da Unternehmen immer enger zusammenarbeiten, um Innovationen zu schaffen und Ökosysteme an die Stelle von Einzelunternehmen treten. Die intelligentesten C-Suiten bereiten sich auf die Zukunft vor, indem sie flexible Teams bilden. Bereits 81 Prozent der Reinventors bitten die Mitarbeiter um Input, um neue Ansätze zu entwickeln.

Und viele von ihnen gehen sogar noch einen Schritt weiter: 70 Prozent setzen auf funktionsübergreifende Teams zur Förderung des kontinuierlichen Lernens (gegenüber nur 45 Prozent der Practitioner und 36 Prozent der Aspirationals). Fast drei Viertel aller Reinventors geben ihren Teams dabei auch die Möglichkeit, sich für den besten Kurs zu entscheiden. Zudem sind die Reinventors auch viel erfolgreicher darin, eine Kultur der Transparenz, des ständigen Dialogs und Wissensaustauschs zu fördern. Mit anderen Worten: Die Reinventors verbinden eine dynamische Vision mit einer offenen Kultur und agilem Handeln – und genau das sind die drei Sprungbretter zur organisatorischen Geschicklichkeit.

Lessons learned

Aus der aktuellen Untersuchung von IBM lassen sich einige Handlungsempfehlungen für CxOs der Versicherungsbranche ableiten. Zum einen ist es wichtig, immer wieder neue Möglichkeiten für häufige und intensive Interaktionen mit Kunden, Partnern und Wettbewerbern zu schaffen. Zum anderen sollte man stets bedenken, dass Versicherungen nach wie vor ein Vertrauensprodukt sind:

Man sollte deshalb vor allem Investitionen priorisieren, die zugleich das Kundenvertrauen stärken und den Wert der eigenen Marke steigern. Auf digitalen Plattformen, die von Natur aus transparent sind, kann das von der Community generierte Feedback, wenn es gut beachtet wird, den Markenwert auf unvorstellbare Weise steigern. Investitionen in  Agilität, Menschen und neue Technologien können dies gewinnbringend unterstützen. Die Versicherungsbranche ist sehr risikoscheu. Aber um eine offenere und kollaborativere Kultur zu schaffen, müssen CxOs nach Möglichkeiten suchen, traditionelle Normen in Frage zu stellen und (kontrolliertes) Scheitern zu ermöglichen, um zu lernen und sich an eine verändernde Umgebung anzupassen.

Weitere Informationen zur IBM C-Suite Studie der Versicherungsbranche finden Sie hier.

Das IBM Institute for Business Value hat in seinen globalen C-Suite-Studien insgesamt mehr als 12.800 Führungskräfte in 20 Branchen und 112 Ländern befragt. Disruption, neue Technologien und neue Arten von Kundenbeziehungen oder Agilität im Unternehmen waren unter anderem die Themen. Welche Rolle Künstliche Intelligenz für die Zukunft von Unternehmen und für neue Geschäftsmodelle spielt, erfahren Sie im Beitrag „IBM C-Suite Studie: Die Zukunft des Business und die Rolle Künstlicher Intelligenz“ hier auf dem CIO Kurator.

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