Studie des EU-Think Tanks: 37 Prozent der Arbeitskräfte ohne grundlegende digitale Fähigkeiten, nur 4 Prozent der Daten werden in der EU gespeichert

Visionen braucht die Welt. So titelt Tatjana Heid im morgentlichen FAZ Sprinter, eines Newsletters, der regelmäßig morgens verschickt wird und zitiert beziehungsweise widerspricht natürlich unseren hochgeschätzten Altkanzler Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“. Und der armen Dorothee Bär wurde Unrecht getan, gerade auch hier, indem wir uns über Flugtaxis als Vision angeblich lustig gemacht haben. Na ja, ich lasse das mal unkommentiert, denn ich habe – glaube ich – die Tage in #9vor9 nach dem Vorbild von Emmanuel Macron auch Visionen eingefordert, zwar nicht luftige, aber doch Visionen.

Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Sicherlich wichtiger als dieser Naja-Kommentar ist der Hinweis auf das Strategie der Europäischen Kommission zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Vor einigen Wochen hat der „Think Tank“ der Europäischen Kommission, das „European Political Strategy Centre“ (EPSC), ein kaum beachtetes Papier zum Thema Künstlicher Intelligenz mit ernüchternden Ergebnissen veröffentlicht:

Nur 4 Prozent aller Daten, die auf der Welt verarbeitet werden, werden in der EU gespeichert. Nur 25 Prozent der großen Unternehmen in der EU und sogar nur 10 Prozent der für die Wirtschaft noch viel wichtigeren kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in der EU nutzten im vergangenen Jahr Big-Data-Analysen, heißt es in dem Papier. Und trotz der offensichtlichen Nachfrage nach technologischen Fähigkeiten hat ein erheblicher Teil der EU-Bevölkerung, nämlich 37 Prozent der europäischen Arbeitskräfte, noch nicht einmal grundlegende digitale Fähigkeiten.

via Künstliche Intelligenz: Weckruf für die Zukunft Europas

Zwar gäbe es ausreichend Forschungszentren für Künstliche Intelligenz, jedoch mangele es an der Vernetzung untereinander, der Unterstützung durch die öffentliche Hand und an Beziehungen zu Unternehmen. Große Unternehmen seien in der Lage, KI-Technologien (Sprache, Gesichtserkennung, persönliche Assistenten, Bot-zu-Bot-Kommunikation) zu nutzen, kleinere Unternehmen würden aber abgehängt so Carsten Knop in der FAZ. Und gerade das Rückgrat der europäischen Wirtschaft, die hochproduktive Fertigungs- und Industriebasis (rund 23 Prozent des BIP) agiere meist noch analog und nicht digital – und das trotz des Internet der Dinge (IoT) und Künstlicher Intelligenz.

Sicherlich ein Weckruf, der aber bisher verhallt ist. Ob durch die gerade stattfindende Hannover Messe mehr Aufmerksamkeit und vor allem mehr Handeln initiiert wird? Wir werden das Thema in seinen vielen Facetten von der notwendigen Ethik bis zur praktischen Nutzung in Branchen auf CIOKurator weiter beobachten und auf der CEBIT im IBM LIVESTUDIO@CEBIT in diversen Diskussionsrunden mit Experten aus Forschug, Unternehmen und der IBM ausgiebig behandeln.

(Stefan Pfeiffer)

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