Meine Cloud, meine Maschinen, meine Marke – Schaffen wir in der Industrie den Einstieg in die Plattform-Ökonomie? #HM18 @Robert_Weber

Wer entwickelt das Amazon der Industrie, fragen Uwe Marx und Georg Giersberg in einem interessanten Beitrag für die heutige FAZ.

Die Wirtschaft befinde sich auf dem Weg von der Pipeline-Ökonomie zur Plattformökonomie. Diese Feststellung von Stefan Hentschel, Manager und Industrieexperte bei Google Deutschland, dieser Tage in Hamburg habe gravierende Folgen. Bei der Pipeline-Ökonomie sei es darum gegangen, große Mengen zu niedrigen Kosten zu erzeugen. Künftig würden Netzwerkeffekte über den Erfolg entscheiden. Das ist allerdings schon heute der Fall.

“Wie groß müssen Plattformen eigentlich sein, und welche von ihnen werden am Ende überleben? Besteht auch in der Industrie die Gefahr einer Marktbeherrschung durch wenige Große, so wie es Google und Co. in ihren Domänen vorgemacht haben? Oder – bezogen auf eine deutsche Schlüsselindustrie und formuliert auf einer Veranstaltung des Branchenverbandes VDMA: Verschwindet der deutsche Maschinenbau in einer Art Maschinenbau-Ebay? Und wer wird hinter einer solchen Plattform stehen”, fragen die beiden FAZ-Redakteure.

Welche Rolle werden Konzerne wie SAP mit der Plattform Leonardo, Siemens (Mindsphere), General Electric (Predix) oder Trumpf (Axoom) spielen? Oder Adamos, eine Plattform, hinter der Unternehmen wie Dürr, DMG Mori, die Software AG oder Zeiss stehen. Wer künftig etwa vorausschauende Wartungen rund um den Globus anbieten wolle, der braucht eine große Plattform.

“Für Unternehmen stellt sich vor allem die Frage, welcher Plattform sie sich anschließen sollen – denn dass die wenigsten dieser Plattformen die absehbare Konsolidierung überstehen werden, ist sicher”, führen Marx und Giersberg aus.

Zwar gebe es derzeit noch einen gewissen Wettbewerbsgedanken in der Branche, hieß es bei der Vorstellung der VDMA-Studie über die Plattformökonomie im Maschinenbau. Viele Unternehmen versuchten, eigene Lösungen auf die Beine zu stellen. Allerdings sei es längerfristig sinnvoller, sich einem der größeren Plattformanbieter anzuschließen und über eigene Apps auf einer bestehenden Plattform zu arbeiten.

Abgesehen von Vorreitern reagierten viele Unternehmen noch zu unentschlossen auf die Anforderungen der neuen Plattformökonomie, bemängeln die Autoren der VDMA-Studie. Das Thema werde, speziell im Mittelstand, noch zu sehr am Rande behandelt. Dabei gehöre es ins Zentrum der Unternehmensstrategie, um überhaupt eine Zukunft zu haben.

Meine Cloud, meine Maschinen, meine Marke – mit dieser Mentalität wird es nichts werden mit einer industriellen Plattform-Strategie. Wir könnten jetzt die führenden Köpfe der Hidden Champions durchnudeln, ob sie in ihrem persönlichen Verhalten auch nur ansatzweise eine digitale DNA mitbringen, um die Erkenntnis eines Google-Insiders zu leben:

„Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist.“

Ist eine firmenunabhängige Plattform wie Alibaba für das industrielle Umfeld in Europa oder Deutschland in Sicht? Noch nicht einmal in Ansätzen. Die Mein-Label-Meine Marke-Mein digitaler Vorsprung-Fraktion der Industrie ist noch nicht einmal bereit, via Alibaba ins OEM-Geschäft einzusteigen. „Original Equipment Manufacturer“ sind Unternehmen, die die Produkte des Herstellers in ihre eigenen Produkte einbauen; für den Endkunden ist nicht ohne weiteres erkennbar; welche Komponenten ein OEM in seinen Produkten verwendet. Mit deutschen Unternehmen sind solche Deals im Plattformgeschäft fast unmöglich, betont Nils Öldörp von der Agentur Minted Sourcing.

Fragen, die ich am Dienstag, um 9:30 Uhr mit Robert Weber erörtere mit einer Liveschalte auf die Hannover Messe:

Man hört, sieht und streamt sich mit Eindrücken von der Hannover Messe direkt nach der #9vor9 Sendung.

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