Facebook, @KaiDiekmann, schrumpfende Tageszeitungen und unterschätzte Computerveteranen

Die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen ist in den vergangenen zehn Jahren von über 28 Millionen auf unter 15 Millionen geschrumpft. Darauf macht der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in einem hörenswerten Podcast von OMR aufmerksam. 31 Millionen Nutzer sind mittlerweile auf Facebook registriert, davon sind 21 Millionen jeden Tag aktiv.

“Die Zahl deutscher Facebook-Nutzer ist höher als die Gesamtauflage aller deutschen Tageszeitungen”, so Diekmann.

Daran wird wohl auch der jüngste Skandal über das Zuckerberg-Imperium nichts ändern.

Ein Tatbestand, den die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, wohl noch nicht so ganz verinnerlicht hat. Facebook würde sich zu einem Seniorennetzwerk entwickeln und auf Twitter seien ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs.

„Eigentlich müsste ich jetzt meinen Twitter-Account löschen. Das würde mein Leben leichter machen“, so Bär.

Dann soll sie es tun. So kann sie unbeschwerter an ihren Flugtaxi-Visionen arbeiten. Nur ohne die Computerveteranen im Seniorennetzwerk gibt es kein Snapchat, kein Instagram und auch kein Flugtaxi.

Hinter jedem hippen Smartphone-Dienst stecken Programmierungen von alten Säcken. Etwa über Großrechner.

“Der Mainframe ist eng mit unserem Alltag verwoben, aber wird kaum wahrgenommen. Geld abheben, Kreditkarten-Zahlungen, Flugbuchungen. Fast täglich kommen wir mit einem Mainframe in Berührung – privat und beruflich. Wir sehen es aber nicht, weil wir immer nur das Frontgerät wahrnehmen – etwa das Smartphone. Was dahinter in der Transaktion verarbeitet wird, bleibt verborgen“, so Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager von IBM.

Aber das kann Frau Bär ja nicht wissen.

Facebook ist nach Ansicht von Diekmann jedenfalls nicht irgendeine Bühne, das ist eine ganz zentrale Bühne und die muss man bespielen können. Damit meint er nicht nur die klassischen Medien, sondern auch die Unternehmenskommunikation, die er mit seiner neuen Firma Story Machine adressiert.

“Häufig gibt es noch das Missverständnis in großen Unternehmen und im Mittelstand, dass Facebook und Twitter technische Verlängerungen der Pressestelle sind oder der Marketingabteilung”, erläutert Diekmann.

Folge: Soziale Netzwerke werden mit Marketing-Botschaften bespielt. Es werde gesendet, gesendet, gesendet und es wird nicht begriffen, dass auch ein Fernsehsender, der 24 Stunden am Tag nur Werbe-Clips zeigen würde, nicht erfolgreich sein könnte. Ausführlich nachzulesen im prmagazin – April-Ausgabe.

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