Fake News als Geschäftsmodell von Facebook? Netzpolitische Überlegungen von @mmeckel ‏@Brinkbaeumer @FuturICT und Markus Beckedahl @netzpolitik

Man kann die aktuellen Auseinandersetzungen über Facebook diskutieren, herunterspielen oder skandalisieren. Eines ist klar. Das Ausmaß der Affäre sei riesig, so Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer im ARD-Presseclub. Das Muster der Empörung verläuft anders als bei früheren Facebook-Skandalen, so Markus Beckedahl von netzpolitik.org. Bislang reagierte der Mark Zuckerberg-Konzern aus Skandale in gleicher Weise und kam damit durch.

Man stellte sich hin für eine Entschuldigung und versprach Besserung. Ein Jahr später gab es dann einen neuen Skandal und das Schauspiel wiederholte sich. Die Größe des aktuellen Falls sei in Folge der US-Präsidentschaftswahl, von Brexit und der Manipulationsmaschinerie hinter Cambridge Analytica. Besonders zweifelhaft seien die Methoden des Micro Targeting im politischen Kontext, krisiierte Wiwo-Herausgeberin Miriam Meckel. Es gehe nicht um eine grundsätzliche Disputation um grundsätzliche Ideen und Haltungen von Parteien und Kandidaten:

“Es geht darum, wie in den banalen Zusammenhängen von Werbung, immer das als Botschaft anzubieten, was derjenige oder diejenige hören möchte.”

Das führe zu einer Veränderung des demokratischen Systems. In den privatisierten Öffentlichkeiten ist es wesentlich einfacher, zu manipulieren. Sorge bereitet vor allem die Marktdominanz des Facebook-Ökosystems in der politischen Debatte, gesteuert von der Logik der Technologie und der AGBs eines Konzerns. Dabei wirken Facebook und Twitter wie ein Katalysator von Fake News. Facebook sei von Rechtspopulisten wie Breitbart News förmlich gekapert worden, moniert Brinkbäumer. Etwa mit Lügen über den Papst, der sich angeblich im US-Wahlkampf für die Präsidentschaft von Donald Trump ausgesprochen habe. Oder Pizza Gate von Hillary Clinton – eine erfundene Geschichte, die extrem häufig auf Facebook geteilt wurde. Deshalb wird die Plattform zunehmend eine Gefahr für die Demokratie. Fake News verbreiten sich besser als wahre Geschichten und werden dadurch zum Geschäftsmodell von Facebook und Co.

Zweifelhaft ist der numerische Populismus – man könnte auch vom postfaktischen Emotionalismus sprechen -, der vom Facebook-Algorithmus belohnt wird: Was auf der Strecke bleibt, schreibt Roberto Simanowski in seinem Opus “Das alternative ABC der neuen Medien”, ist nicht nur die politische Meinung der anderen Seite, sondern auch die Anstrengung, die man braucht, wenn etwas so kompliziert wird, wie Politik sein kann.

“Auf der Strecke bleibt das komplexe Argument zugunsten der simplen Parole…”, so Simanowski.

Auf der Strecke bleiben mühsame Versuche des Weltverstehens zugunsten von Banalitäten und Verschwörungstheorien. Das Buch von Simanowski ist aufgezogen wie ein Ermittlungsverfahren gegen Zuckerberg. Der Professor für Digital Media Studies konnte ja nicht ahnen, wie dicht er der Realität kommt. Denn das Heftchen, erschienen bei Matthes & Seitz, ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt.

Jetzt müssen Grundsatzfragen diskutiert werden: Wie gehen wir mit Facebook in einer Demokratie um? Diese Plattform ist weder neutral noch ein klassisches Medium. Es müssen andere netzpolitische Hebel angesetzt werden, um den Silicon Valley-Giganten zu regulieren. Einen interessanten Ansatz hat Professor Dirk Helbing ins Spiel gebracht:

Wir dürfen uns nicht zu Objekten von Algorithmen degradieren lassen. Der Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Computational Social Science will die Menschen ermuntern, den Raum und die Möglichkeiten der Digitalisierung selber zu nutzen. Seine Vision ist eine Gesellschaft, die dem Individuum den größtmöglichen Freiraum bietet. Etwa bei Nutzung des kollektiven Datenschatzes im Netz. Wir bräuchten eine Software zum Management unserer persönlichen Daten.

„Wir bekämen die über uns gesammelten Daten automatisch in unsere Datenmailbox gesendet und könnten dort festlegen, wer welche Daten unter welchen Bedingungen wofür und wie lange verwenden darf“, so Helbing.

Ein digitaler Assistent könnte uns helfen, sie nach unseren Präferenzen zu verwalten:

„Zugriffe wären für uns transparent, Verstöße gegen unsere Vorgaben würden geahndet.“

Das ist ein Vorschlag von vielen, die derzeitig diskutiert werden. Was sollte denn jetzt mit Facebook passieren? Meinung gefragt, gerne auch in Live-Interviews via Facebook 😉

Siehe auch:

Zuckerbergs doppeltes Spiel

Was wir Herrn Zuckerberg gerne mal ganz naiv fragen würden

Der nächste Datenskandal wird viel tiefgreifender

Ob sich das durchsetzt? Deutsche Konzerne starten eigenen Dienst für Log-ins im Netz

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