Hej Siri, sollte Apple mit Microsoft koalieren und was ist mit der Apple-IBM-Allianz?

Dieser Tage habe ich über die Dominanz von Microsoft mit Microsoft 365 und Windows sowie Office 365 geschrieben. Meine Aussage: Es gibt keine ernsthaften Bemühungen von Wettbewerbern, diese Dominanz anzugreifen. Dazu passt der Beitrag If Apple’s Mac has any future, it’s in the cloud von Jason Perlow auf ZDNet zum Thema Mac und MacOS in vielerlei Beziehung. Er sieht die Zukunft von Mac, MacOS und iOS in der stärkeren Entwicklung Cloud-basierter Lösungen. Und diese Lösungen sollen in einer Allianz mit Microsoft in deren Cloud entwickelt werden.

Mac als Alternative zu Windows-Rechnern in Unternehmen?

Zwar sei IBM Apples wichtigster Partner im Bereich Unternehmenslösungen, setze zudem immer mehr Macs als Standardrechner in Unternehmen ein – IBM hat demnach mehr als 90.000 Macs im Einsatz -, jedoch stellt Perlow – warum auch immer – in Frage, ob das in anderen Unternehmen erfolgreich möglich sei:

IBM is proof that the Mac can be used as an enterprise desktop computing platform — if you’re IBM. Good luck if you’re the rest of Corporate America.

So, other than the vast Big Blue cube farms of Armonk, is the Mac a dying platform? Yes. And no.

via If Apple’s Mac has any future, it’s in the cloud | ZDNet

Hier geht doch einiges durcheinander. Es ist mehr als fraglich, ob Apple in der Allianz mit IBM wirklich je den Fokus darauf hat und hatte, Macs als Standardrechner in Unternehmen platzieren. Zwar wurde in einigen Medien aufgrund von IBM Äußerungen über deren Kosteneinsparungen durch den Einsatz von Macs berichtet – die Rede ist von Einsparungen zwischen $273 und $543 über 4 Jahre im Vergleich zu einem PC -, jedoch gab es keine wirkliche, massive Kampagne, um Macs als Unternehmensrechner zu platzieren und wirklich signifikant Kunden zu gewinnen. Um das Windows-Monopol an der ein oder anderen Stelle aufzubrechen, wäre eine gemeinsame Anstrengung von Apple und IBM mit entsprechenden Investitionen notwendig.

Apple – IBM: Fokus auf mobilen Lösungen für Unternehmen

Der Fokus der Partnerschaft zwischen Apple und IBM schien und scheint vielmehr auf der gemeinsamen Entwicklung mobiler Apps zu liegen. Hier wurden gemeinsam zahlreiche Kunden gewonnen und Lösungen entwickelt, von Apps für Flugbegleiter bis zu Außendienstlösungen zur mobilen Wartung in verschiedensten. Durch und über diese Apps konnten und können iPads und iPhones an Unternehmen verkauft werden und dies scheint weiterhin das wirkliche und ureigenste Kerninteresse von Apple zu sein.

Apples Fokus wird wohl auch weiter auf seinen mobilen Endgeräten und den Fähigkeiten von iOS liegen. Sehr kritisch wird dabei derzeit über die Fähigkeiten von Siri im Vergleich zu anderen Assistenzsystemen orakelt. Wiederum Perlow stößt hier in das Horn und fordert wieder eine Allianz mit Microsoft, diesmal bezüglich Cortana. Apple sei kein Cloud-Unternehmen (soll aber – siehe oben – seine Entwicklung in die Microsoft Cloud verlagern) und genau deshalb habe man Probleme, mit Siri gegenüber Alexa oder Googlr Schritt zu halten. Durch eine Partnerschaft mit Microsoft im Bereich Cortana können man verlorenen Boden aufholen:

Cortana can become a better Siri than Siri, and HomePod can become a better Amazon Echo than Amazon Echo is in no time.

via Why Apple should fire Siri and hire Cortana | ZDNet

Sinnigerweise kommt hier erneut die Partnerschaft zwischen Apple und IBM ins Spiel, die auch im Bereich Assistenzsysteme, künstliche Intelligenz und Machine Learning den Fokus auf mobile Lösungen für Unternehmen hat. Gerade haben Apple und IBM die Integration ihrer Technologien in diesem Bereich angekündigt: IBM’s Watson AI System wird mit Apple’s Core ML in einem neuen Produkt namens IBM Watson Services for Core ML gekoppelt. Ziel sind intelligentere Lösungen unter iOS für Unternehmen. Dazu wird in der IBM Cloud auch eine neue Entwicklerkonsole bereitgestellt, die Swift-Developern die einfachere Codierung von Lösungen ermöglichen soll.

Der Fokus der Partnerschaft zwischen Apple und IBM ist und bleibt – so allen Anzeichen – die Entwicklung intelligenter Apps für Unternehmen. Apple möchte seine mobilen Geräte in Unternehmen platzieren, IBM Geld mit der Entwicklung von Lösungen verdienen. Da kommen Machine Learning und IBM Watson genau richtig. Die Aussage, dass Watson nun Siri in Geschäftsanwendungen ersetzt, scheint mir etwas überspitzt, beinhaltet aber vielleicht ein Fünkchen Wahrheit in Bezug auf die Intelligenz, die durch die Watson Services im Geschäftsumfeld für iOS bereitgestellt werden sollen.

Was passiert (endlich) mit Siri?

Dies hat keinen oder nur wenig Einfluss auf den generellen Wettbewerb zwischen Siri, Alexa und Google. Hier wird es sicherlich interessant bleiben, ob und wie Apple (endlich) agiert oder reagiert. Wird oder kann Apple wirklich über seinen Schatten springen und Siri beispielsweise durch Cortana substituieren? Bewegung scheint auf jeden Fall ins Apple-Universum zu kommen. Nicht umsonst hat man John Giannandrea, Google’s Top Executive für künstliche Intelligenz, angeworben, der nun direkt an Tim Cook, den Apple CEO, berichten soll. Sofort sind auch Spekulationen ins Kraut geschossen, ob Apple seine im Vergleich zu Google bewusst restriktive Haltung in der Nutzung von Nutzerdaten aufgeben könne. Tim Cook hat dies – so wird eine interne E-Mail zitiert – verneint. Man bleibe Data Privacy weiterhin streng verpflichtet. Es wird also spannend, in welche Richtung Apple mit Siri in den kommenden Monaten gehen wird. Viel Zeit hat man nicht mehr, wenn man mit Alexa und Google oder gar Microsoft Schritt halten will.

(Stefan Pfeiffer)

 

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