Digital Transformation: Von guter interner Zusammenarbeit und App Overload

Mit CIOKuratoriums-Mitglied Axel Oppermann habe ich mich ja im vergangenen Jahr gekloppt, ob Collaboration und Zusammmenarbeit nicht weiter ganz oben auf der Agenda des CIO stehen müssen. Axel vertrat (und vertritt wahrscheinlich) weiter die Ansicht, dass der CIO primär auf Automatisierung setzen solle. Steven Zobell, Chief Product and Technology Officer for Workfront, macht meiner Ansicht nach zu Recht darauf aufmerksam, dass unternehmensinterne Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen und Silos hinweg sein muss, um in der digitalen Transformation erfolgreich zu sein:

Transformation success is completely dependent on employees working together to achieve the program’s goals. The whole company, not just a few people on the same team, must unite to drive success. Unfortunately, most organizations are siloed, with functional areas and business units struggling to communicate, coordinate and collaborate in relation to transformation initiatives.

via Why Digital Transformations Fail: Closing The $900 Billion Hole In Enterprise Strategy

Es werde immer schlimmer durch immer mehr nicht miteinander sprechende Werkzeuge, Informations- und Abteilungssilos. Zobell prangert das an, was er Schattenarbeit nennt, das Verplempern von Zeit im E-Mail-Posteingang, in bürokratischen Aufgaben und der unsäglichen Meeting-Flut. Für Zusammenarbeit und Kommunikation gäbe es kein führendes System, kein “System of Record” wie es SAP für die Finanzen sei oder wie man es meist in der Personalabteilung habe:

This siloed, inefficient, late-20th-century approach of tracking work across thousands of spreadsheets, emails and point solutions is common across organizations of all sizes and industries.

via Why Digital Transformations Fail: Closing The $900 Billion Hole In Enterprise Strategy

Ich bin mir nicht so sicher, ob es nicht doch ein “System of Record” gibt:  (immer noch) die E-Mail. Aber diese Diskussion wollen wir diesmal nicht führen. Natürlich vertreten Autoren wie Steven Zobell – deren Unternehmen entsprechende eigene Software-Lösungen anbieten – oder die von Davie Roe zitierte Studie von Ring Central die Ansicht, dass es ein zentrales System, in dem alles zusammenlaufe, geben könne. Da gibt es einen 365-Grad-Anbieter, der dies wohl auch gerne sähe.

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Ich glaube jedoch, dass wir uns heute in der App- und Smartphone-Ökonomie, einer anderen Realität gegenwärtig sein müssen. Ein Augenöffner für mich war die Erzählung eines Kollegen, der mit einem deutschen Kunden vor Ort bei einem großen Smartphone-Anbieter in Cupertino war. Klassisch wollten Kunde (vielleicht auch meine Kollegen) die App, die entwickelt werden sollte, mit diversen Funktionen breit aufblasen. Die Kollegen aus Cupertino überzeugten jedoch von einem anderen Ansatz: Dies soll eine App genau für diesen (und nur für diesen) Zweck sein. Sie muss extrem einfach und intuitiv zu bedienen sein, aber andererseits mit umfassenden Ökosystem nahtlos integriert sein.

Vielleicht müssen wir heutzutage nicht mehr die zentrale Anwendung à la SAP und stattdessen ein offenes Ökosystem denken, in dem es für die verschiedenen Einsatzgebiete verschiedene, fokussierte Apps gibt, die aber miteunander können. (Ok, beim Thema offen mag man mit Cupertino ein Problem haben.)

Kleiner Werbeblock und wie ich es mir vorstelle: Das neue IBM Konversationswerkzeug Watson Workspace ist mit Microsoft Outlook so integriert, dass eine E-Mail in einen Space und eine Konversation überführt werden kann, wo die Beteiligten gemeinsam transparent an einer Frage, einer Aufgabe und einem Projekt arbeiten. Kein E-Mail-Ping-Pong mehr, stattdessen wird das dafür geeignetere Werkzeug für die Aufgabe verwendet. Hoffe nur, dass diese Funktion bald auch für andere E-Mail-Systeme verfügbar sein wird.

In einem Zeitalter, wo nicht nur die jüngeren Anwender die schwergewichtigen, altmodischen Systeme satt haben – Stichwort Schatten-IT-, scheint die Integration der zeitgemässere und auch produktivere Ansatz für die digitale Transformation zu sein. Der Airbus-CIO begründet so den Wechsel weg von Microsoft auf die Google (obwohl man natürlich die Frage stellen kann, ob die G-Suite nicht auch ein Schwergewicht ist). Lasst uns einfach Apps denken und nutzen (und das nicht nur auf dem Smartphone), die miteinander können müssen? Oder ist die Gefahr des App-Overloads zu groß und wir überfordern die Anwender? Auf dem Smartphone nutzen die Anwender ja auch nur eine überschaubare Anzahl von Apps, aber vielleicht ist ja auch normal und zu akzeptieren? Die Antwort ist sicher nicht einfach. Oder? Den Status Quo einfach zu zementieren scheint dagegen nur einfach. Doch der Wandel wird nicht aufzuhalten sein …

The workplace has evolved to embrace new technologies like cloud computing, the Internet of Things (IoT), artificial intelligence (AI), robotic process automation (RPA), and forthcoming innovations such as blockchain, all of which promise to deliver great rewards if exploited wisely. But integrating these new technologies with people and processes – thus meeting the definition of the “digital workplace” – is the real challenge for businesses.

via The Digital Workplace: Making Technology Productive Again | CIO

(Stefan Pfeiffer)

One comment

  • Lieber Stefan, NEIN – Collaboration muss nicht ganz oben auf der CIO-Liste stehen, Denn mit IT hat Collaboration erst ganz am Ende was zu tun. Mir ist (leidvoll) bewusst, dass das heute immer wieder anders gesehen wird, aber genau deswegen scheitern diese Projekte auch so gerne. Ein Unternehmen muss erst einmal schauen, ob es überhaupt bereit für Collaboration ist (das ist ein kulturell-psychologisches Thema) – solche Themen gehören zu HR oder COM.
    Am Ende bei Toolentscheidung, Integration etc. gehört der CIO entscheidend dazu. Aber vorher….?

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