Sicherheitsbedenken in Baden-Württemberg: Microsoft soll sich an die Datenschutzgrundverordnung halten

[Persönliche Meinung und Kommentar:] Eigentlich man nur den Kopf schütteln und irre grinsen, wenn der baden-württembergische Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink Microsoft auffordert oder explizit auffordern muss, sich an die Datenschutzgrundverordnung zu halten (EU-DSGVO bzw. englisch GDPR).

Der baden-württembergische Landesdatenschutzbeauftragte fordert Microsoft auf, Windows 10 hinsichtlich ungeklärter Datentransfers „schleunigst nachzubessern“. Längst bekannte Sicherheitsbedenken sind noch immer nicht ausgeräumt.

Microsoft liefert deutschen Behörden die Bürostandardsoftware. In einzelnen Behörden ist bereits Windows 10 trotz Sicherheitsbedenken im Einsatz. Obwohl die Online-Services vollständig deaktiviert sind, werden weiterhin einige verschlüsselte Datensätze an Microsoft übermittelt. Wie heise online erfuhr, hat die BITBW als IT-Dienstleisterin für die Landesverwaltung in Baden-Württemberg aber ungeachtet der offenen Sicherheitsfragen unter anderem die Landesdatenschutzbehörde bereits mit Windows 10 ausgestattet.

Der baden-württembergische Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink fordert nun Microsoft mit Blick auf die bekannt gewordenen Sicherheitslücken auf, “schleunigst nachzubessern und sich spätestens ab Ende Mai an die Datenschutz-Grundverordnung zu halten”. Die Systemadministratoren der betroffenen Systeme sollen bis dahin “durch entsprechende Grundeinstellungen dafür sorgen, dass möglichst wenig übertragen wird.”

via Landes-Datenschutzaufsicht: Microsoft muss Datenübertragung in Windows 10 abschalten | heise online

Wieder einmal werden Sicherheitsbedenken geäußert. Ich weiß nicht, wie oft ich solche Meldungen in den vergangenen 20 oder 25 Jahren gelesen habe. Geändert an Datenschutzbedenken und der Monopolstellung hat sich nichts. Und man braucht kein Prophet sein, um auch diesmal vorauszusagen, dass vielleicht etwas nachgebessert wird, aber grundsätzlich weitergewurstelt wird wie bisher.

Gerade in deutschen Behörden und bei den in Deutschland politisch und in der Verwaltung Verantwortlichen fehlt der Wille und die Einigkeit, gemeinsam eine unabhängige Plattform zu schaffen, mit der man sich emanzipiert. Nicht umsonst gibt es alleine auf Bundesebene – so Patrick Beuth – 244 Team in 14 Ministerien, die mit digitalen Themen beschäftigt sind. Und Lufttaxis sind ja auch visionärer und publikumswirksamer wie eine unabhängigere und sicherere Plattform für unsere Daten. Letztere ist eher was für alte Leute, die auch noch so dumm sind, sich auf Facebook rumzutreiben. Bequemlichkeit, “gute” Lobbyarbeit, persönliche Eitelkeiten und eben Parteiengezänke tragen ihren Teil ebenso dazu bei wie eine saft-, macht- und eher kraftlose Open Source-Bewegung, hinter der sich auch große IT-Anbieter nicht wirklich aufstellen.

Und die “freie” IT-Presse – bis auf heise – und viele “freie” Journalisten äußern sich meist eher zurückhaltend. Von der Open Source-Bewegung bekommt man keine Anzeigen oder Aufträge. Von Microsoft schon.

(Stefan Pfeiffer)

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