Open Source: Ohne wirkliche Lobby und Macht wird es nix [Ein Kommentar]

In den vergangenen Tagen und Wochen haben hier auf CIOKurator das Thema Open Source behandelt und diskutiert.

Die Abhängigkeit von Microsoft – in der EU, aber auch in Unternehmen – wird offensichtlich oder anscheinend von IT und CIOs nicht als Risiko angesehen. Mit Microsoft wähnt man sich auf der sichern Seite und wird wohl auch deswegen nicht gefeuert. Es gibt ja den alten Spruch oder die alte Weisheit …

Auch das Thema Datenschutz und Datenhoheit sieht man – vorsichtig formuliert – nicht überall als kritisch an, auch wenn unklar ist, wie einige Konzerne, die auch im Enterprise-Segment tätig sind, unsere Daten kommerzialisieren und monetarsieren. Da verhallen Zwischenrufe wie die von Peter Ganten, Mitbegründer der Open Source Business Alliance und deren Vorsitzender seit dem 2011, nahezu ungehört.

Alvar Freude, seit Dezember Referent beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg, schlägt nach dem Hackerangriff einen Weg weg von der Windows-Monokultur eine stärkere Hinwendung hin zu Linux-basierten Systemen vor, einen “Bundesclienten”, der auf offenen Systemen basieren sollte.

Auchn Michael Seemann fordert, dass die öffentliche Verwaltung Open Source als Plattform betreiben solle. Nur so komme der notwendige Druck durch Anzahl der Arbeitsplätze und Einkaufsmacht dahinter. Auch in Schulen und Universitäten, wo die Käufer von morgen sitzen, ist Open Source – um es vorsichtig zu formulieren – kein Standard.

Sicherheitsexperte Adrian Janotta wurde hier in einem Videointerview zu Security und den Hackerangriffen auf das Hochsicherheitnetz des Bundes direkt gefragt, ob sich denn mit der neuen Bundesregierung eine neue Chance für Open Source in der Verwaltung ergäbe. Wie aus der Pistole geschossen kam sinngemäß: Die CDU sei eine Partei der Konzerne. Microsoft werde weiter in der Verwaltung gesetzt bleiben. Wenn man sich so die Interviews und Regierungserklärungen der neuen Minister/innen durchliest, hat man dort in der Tat auch andere, hochfliegendere Schwerpunkte und Träume. Open Source ist wahrscheinlich wie Facebook nur etwas für ältere Menschen.

Mein Kommentar in einem internen Austausch im CIO Kuratorium zum Thema Open Source:

Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie man Open Source und Linux aus der Freak-Ecke raus kriegen. Wer außer Hackern, IT-Freaks und Programmiern nutzt denn beispielsweise freiwillig Linux am Desktop? Wirklich breite Unterstützung gibt es dafür meiner Wahrnehmung nach nicht.

Linux Open Source

Durch die Gazetten ging dieser Tage, dass sich Airbus gegen Microsoft und für Google entschieden habe. Mit Google erwarte man mehr Druck und Erfolg im Thema digitale Transformation.

Ja, Linux im Backend auf den Servern (weitgehend, ja breit akzeptiert) und Linux auf dem Desktop, Notebook und Smartphone müssen unterschiedlich betrachtet werden. Trotzdem.

Was ist mein persönlicher Eindruck nach allen diesen Berichten: Open Source hat keine wirkliche machtvolle Lobby, um sich breit und wahrnehmbar durchzusetzen. Leuchtturmprojekte wie die Stadt München gehen verloren. Dem Begriff und Thema geht das Image der Innovation in der digitalen Transformation ab, wie es Google wohl bei Airbus gelungen ist. Open Source ist kein Microsoft oder Google mit entsprechender Lobbyarbeit, finanzieller Macht und Hunger nach Umsatz und Quartalsgewinnen. Viele Unternehmen und Verwaltungen werden mit Excel, Makros, Pivottabellen und Powerpoint-Präsentationen “geführt”, so dass ein Libre Office gar keine Chance hat oder bekommt. Die Open Source-Community erscheint zersplittert und uneins, was nicht gerade das Vertrauen fördert. Aus all diesen Gründen sehe ich schwarz, dass sich in absehbarer Zeit etwas signifikant ändern wird. Aber vielleicht bin ich ja auch nur Pessimist.

Zeit für eine Diskussion, auch im Open Source Talk im #CEBIT #LIVESTUDIO der #IBM. Und davor. Vorschläge für Themen und Diskutanten?

(Stefan Pfeiffer)

 

 

 

2 comments

  • Stefan Pfeiffer

    Diskussion heute auf Facebook (!!!), nachdem Ulrich Kampffmeyer postete: “Trump ratifiziert Cloud Act
    Nebenher, während der Diskussion um das Budget, hat der US Präsident den sogenannten Cloud Act ratifiziert, der es US Behörden erlaubt auch im Ausland auf Daten zuzugreifen. US-Behörden sollen leichteren Zugriff auf im Ausland gespeicherte E-Mails bekommen. …
    Datenschützer in der EU und in Deutschland sind aufgeschreckt.
    Kann man zukünftig noch Google-Mail oder Outlook-Mail einsetzen?
    Darf man seine Daten der Google-, Amazon- oder Microsoft-Cloud anvertrauen.
    Ist Office365 bei Microsoft noch eine Option (oder muss man wirklich die rückständige Version der Telekom nehmen?)?” >>> Kommentar nicht von Uli, nachdem ich Open Source ins Spiele brachte >>> Open Source – sprich Libre Office – sei keine Alternative, weil es nicht kompatibel zu Powerpoint sei … [Kein weiterer Kommentar]

  • Open Source in der öffentlichen Verwaltung ist definitiv ein spannendes Thema. Wobei wir ja mit LiMux (Linux in der Münchner Verwaltung) erleben durften wie sich die öffentliche Hand von Microsoft wieder umgedreht wurde. Du schneidest in deinem Kommentar noch ein valides Thema an. In welcher Cloud kann/will ich meine Daten speichern und bin sicher das sich nicht US-Behörden einen zugang verschaffen?? Nach meinen Verständnis ist IBM hier der einzige Anbieter der a) die Datenhoheit zu 100% beim Kunden lässt und b) sicherstellt das die Daten in der EU gehosted werden.

Kommentare sind sehr willkommen