Facebook, lebendig gewordene Pressemitteilungen und Big Data-Heizdeckenverkäufer – API-Schnittstelle ist ein alter Hut @mspro

Die Empörungswelle über den Abfluss von Facebook-Daten über die API-Schnittstelle hält der Berliner Blogger Michael Seemann für überzogen. Ähnliches äußerte ja Axel Oppermann in unserer Morgensendung #9vor9:

Was im Falle von Cambridge Analytica abgelaufen sei, war und ist normal. Es gibt tausende Beispiele, das war nie geheim, auch die Obama Kampagne habe das massivst genutzt und wurde dafür öffentlich sogar gefeiert. Ob die so genannte psychologische Profilbildung in der Trump-Kampagne irgendeine Wirkung hatte, sei fraglich. Da machen sich wohl einige größer als sie sind. Big Data-Heizdeckenverkäufer halt.

“Dann wird gerne die Schuld für diesen Fuckup beim Geschäftsmodell von Facebook gesucht. Was kompletter Unsinn ist. Eine offene API zu den Userdaten macht überhaupt gar keinen Sinn, wenn man Werbung verkaufen will. Im Gegenteil. Die Userdaten sind der USP, den man auf keinen fall aus der Hand gibt”, so Michael Seemann.

Die offene API sei Ausdruck der Bemühungen von Facebook gewesen, vom Werbegeschäftsmodell weg zu kommen. Sie wollten eine App-Plattform werden, ähnlich iOS und Android. Das habe nicht geklappt.

Fragwürdig ist nach wie vor die rigide Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zuckerberg-Konzerns. Der Umgang mit der öffentlichen Kritik am Social Network, die seit der US-Wahl von Tag zu Tag größer geworden und inzwischen zu einem Orkan angewachsen ist, trägt längst die Zuge eines klassischen Kommunikationsversagens. Und der Gegenwind, den Facebook selbst in der Tech-Szene erntet, wird heftiger. Zu bewundern etwa beim Digitalfestival South by Southwest (SXSW) in Austin. Da wertete man den Auftritt von offiziellen Vertretern des Zuckerberg-Konzerns als lebendig gewordene Pressemitteilungen – also so eine Art Chatbot-PR. Etwa die Reaktionen auf ein Videodreh von Richard Gutjahr:

Öffentliche Auftritte im Teleprompter-Modus – fernab von offener und direkter Dialogfähigkeit. Facebook ist ausschließlich als Sender unterwegs und pflegt nicht die Interaktion mit den Nutzern. Das, was Zuckerberg anderen empfiehlt, nämlich maximale Transparenz, praktiziert der Silicon Valley-Gigant intern überhaupt nicht. Die essen nicht ihr eigenes Hundefutter. Wer ausschließlich im weltweit führenden und absolutistisch gesteuerten Blabla-Habitus unterwegs ist, versagt in der Krisenkommunikation.

Eure Meinung?

Siehe auch:

Abschottung von Facebook birgt Gefahren

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