THINK: IBM kündigt Watson Assistant an – Fokus auf Datenschutz – Partnerschaft mit IFTTT öffnet Internet of Things

Auf der THINK Konferenz hat IBM in Las Vegas Watson Assistant angekündigt. Mit Watson Assistant können Unternehmen für ihre Zwecke Assistenzsysteme, die derzeit oft unter dem Begriff Chatbots “laufen”, entwickeln, die künstliche Intelligenz nutzen und entsprechende Daten zwischen verschiedensten Systemen, „Dingen“ und Orten sicher synchronisieren. Globale Unternehmen wie Harman, der Münchener Flughafen, das Motel One, die Royal Bank of Scotland, Autodesk und anderen Unternehmen arbeiten bereits im IBM zusammen.

Kontrolle über Daten bleibt bei betreibenden Unternehmen und Kunden

IBM legt dabei besonderen Wert, dass Watson Assistant den Konsumenten und dem betreibenden Unternehmen die Kontrolle darüber erlaubt, wie und wo ihre Daten geteilt werden. Datenschutz und Datenhoheit über die eigenen Daten wird von IBM als kritischer Faktor für die Zukunft der künstlichen Intelligenz angesehen. IBM betont erneut, dass das Unternehmen keine Daten, die über Watson Assistant in Konversationen, Text oder Video erfasst und verwaltet werden, nutzt oder nutzen und monetarisieren will. Deren Kontrolle verbleibe auf jeden Fall bei den Besitzern und Unternehmen, die die Lösung betreiben.

Hier sieht IBM einen wichtigen, vielleicht den wichtigsten Unterschied zu bekannten Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Assistant. Ein weiterer wichtiger Unterschied sei, dass Watson Assistant-basierte Lösungen nicht auf generell verfügbaren Informationen basiere. Um wirklich den Anwendungsfall effektiv unterstützende Lösungen zu bieten, müsse man die fach- und fallspezifischen Daten – die eben nicht allgemein verfügbar sein dürfen – im Assistenzsystem ebenso nutzen wie Informationen und Wissen rund um die jeweilige geschäftliche Anwendung. Generische Daten würden hier nur bedingt helfen. Watson Assistant personalisiere eben im Geschäftskontext basierend auf dem Anwender, dem Zusammenhang und den relevanten Daten seine Aktionen und Hilfe. Natürlich bedeute dies auch, dass die Lösung angepasst und trainiert werden müsse. Aber nur so erziele man den gewünschten persönlichen Nutzen für die Nutzer.

Unterschied zu Alexa & Co.: Lösungen im Geschäftsumfeld müssen spezifisch und personalisiert sein

Weitere Fähigkeiten von Watson Assistant seien kontinuierliches Lernen und “instinktive” Reagieren – oft auch in Echtzeit -auf Benutzerinteraktionen. Das Ganze funktioniere über verschiedenen Geräte und Systeme hinweg. Man könne Konversationen dann einfach auf dem anderen Gerät im richtigen Kontext fortführen. Zudem arbeite man an industriespezifischen Vorlagen, beispielweise Watson Assistant for Automotive oder Watson Assistant for Hospitality, um Unternehmen aus der jeweiligen Branche einen leichteren Einstieg zu ermöglichen. Dieser Ansatz des fach-, anwendungs- oder branchenspezfischen Chatbots unterscheide sich deutlichst von Alexa oder Google Assistant.

Ein sicher cleverer Schritt scheint die Partnerschaft mit IFTTT. Dies ermöglicht die wie oben beschrieben die Entwicklung passgenauer Lösungen mit möglicher Integration verschiedenster Systeme erlaubt, beispielsweise von BMW, Bosch, Fitbit, Philips oder Verizon. So können in der Kombination IBM Watson Assistant mit IFTTT einfache Aufgaben ebenso automatisiert oder auch das eigene Smart Home gesteuert werden. In einer immer vernetzteren Welt schlagen IFTTT und IBM hier bewusst eine Brücke zwischen dem konsumentenorientierten Internet of Things mit seinen Geräten und oben beschriebenen personalisierten Unternehmensanwendungen unter Berücksichtigung des Datenschutzes.

Watson Assistant im Auto und im Smart Home

Watson Assistant erschließt sich so ein Ökosystem mit über 13 Millionen Anwendern und über 600 Unternehmen, die entsprechende Schnittstellen bereitstellen. Umgekehrt können besagte Anbieter die Fähigkeiten von Watson Assistant nutzen, um sichere und hoch personalisierte Kundenlösungen und Applets zu entwickeln, beispielsweise für das Smart Home, Social Media oder Connected Cars.

Meine 2 Cents: Liest man die Gazetten der vergangenen Monate, so kommt man um die Themen künstliche Intelligenz, Sprachassistenten, Chatbots und Automatisierung nicht herum. Unternehmen wie Amazon streben mit Alexa und Echo nicht nur in den Endkunden- und Konsumentenmarkt, sondern wollen vermehrt auch in Unternehmen. Gerade in den USA, in der Presse, aber auch durchaus bei den Unternehmenskunden, wird dabei der Aspekt des Datenschutzes meist vernachlässigt, gar ignoriert. Europäische Unternehmen, besonders deutsche Anbieter, denken da anders und wissen, wie sensibel und wichtig der Umgang und die Nutzung der Daten ihrer Kunden ist. Deshalb streben sie vermehrt nach Lösungen, die ihnen und ihren Kunden die Datenhoheit gewährleisten. Dem kommt IBM mit Watson Assistant entgegen.

Parallel dazu scheinen Chatbots nun technologisch so reif zu sein, dass erfolgreiche Lösungen möglich und nachweisbar sind. Der Chatbot EVA der Inter-Versicherung ist ein Beispiel, wo Ergebnisse schon nachweisbar sind. Ask Mercedes ein weiteres. Mit Watson Assistant strebt IBM nun verstärkt in den Lösungsmarkt und adressiert Unternehmenskunden, denen auf der einen Seite Datenhoheit und Datensicherheit, auf der anderen Seite hochpersonalisierte Servicelösungen wichtig sind. Die Kooperation mit IFTTT könnte dabei auf komfortable Weise die Schnittstellen zu den intelligenten Geräten des Internet of Things öffnen, die vermehrt im Heim, im Auto oder an Mann und Frau im Einsatz sind. So sind Anwendungen denkbar und machbar, bei denen ein Lösungsanbieter (und seine Kunden) die Kontrolle über die Daten behalten, andererseits aber besagten Endkunden neue Serviceangebote offeriert werden können. Genau darin liegt der Mehrwert und der Unterschied zu Alexa und Co.

(Stefan Pfeiffer)

Foto: Auf der IBM THINK 2018 Konferenz hat IBM Watson Assistant vorgestellt, einen Assistenten der künstlichen Intelligenz für Unternehmen, mit denen diese den Service und die Erfahrung ihrer Kunden komfortabler machen können, dabei aber deren Daten schützen. Das Titelbild zeigt, wie ein Fahrer im digitalen Cockpit von HARMAN mit Watson Assistant interagiert. Dabei lernt Watson Assistant den Fahrer und dessen persönliche Vorlieben kennen, um so einen personalisierten und besseren Service in punkto Sicherheit und Komfort im Wagen zu bieten.

IBM Think 2018 – Watson Assistant – Harman Maserati (Alan Rosenberg/Feature Photo Service for IBM)

3 comments

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  • Lieber Stefan, mir fehlt die Vorstellung, wie ein System wie Watson gloabl lernen soll, wenn IBM die Benutzerdaten dazu nicht verwendet. Es kann ja kaum sein, dass wir irgendwann Millionen von lokalen Watsons haben, die pro Instanz (also z.B. pro Fahrer eines KFZ) lernen. Ich bin kein Datenschutzhysteriker, aber mich würde die Technologie dahinter schon interessieren.

    • Stefan Pfeiffer

      Hallo Reiner, mein Erklärungsversuch: Die Daten gehen nicht in einen generischen Knowledcge Graphen eines Plattformanbieters, um diesen schlauer und kommerzialisierbarer zu machen. Die Daten gehen in das System des Unternehmens ein, das die Watson-basierte Lösung implementiert hat. Beispiel: Eine Hotel-Kette nutzt einen Watson-basierenden Concierge. Die Hotel-Kette “besitzt” die Daten – nicht IBM. Die Endkunden müssen natürlich darauf achten, dass – in diesem Beispiel – besagte Hotel-Kette die Datennutzung transparent macht und die Daten schützt, wo nötig anonymisiert. Ich werde auch nochmals einen Experten bitten, zu Deiner Frage Stellung zu nehmen. Hoffe, das klärt und sorry, wenn der Artikel wo unklar war. Gruß Stefan

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