Mit Blockchain könne jeder Teil der Energiewende werden

Professor Jens Strüker, Dekan des Masterstudiengangs Digitales Energiemanagement an der Hochschule Fresenius in Frankfurt am Main und Geschäftsführer des Instituts für Energiewirtschaft (INEWI), hat eine Studie zu „Blockchain in der Energiewirtschaft – Potenziale für Energieversorger“ vorgelegt.

Sie beschäftigt sich mit den Herausforderungen eines dezentralen Energiesystem: Tausende von Blockheizkraftwerken, Millionen von Photovoltaikanlagen, zehntausende Windkraftanlagen und immer mehr Batterien werden zu aktiven Teilnehmern. Und da gibt es enorme Redundanzen und unnötige Stromtransporte. Die Situation werde sich noch zuspitzen, da wir derzeit eine Elektrifizierung des Wärmesektors in großen Schritten erleben und sich diese Entwicklung auch in den Sektoren Verkehr und Transport abzeichnet – Stichwort Elektroauto, Elektro-LKW und Elektrobus. Wichtiges Ziel dabei: Ressourcen bedarfsgerecht lokal nutzen zu können, selbst zu entscheiden, was ich mit der vorhandenen Energie mache.

“Wann ich diese selbst verbrauche und wann ich diese ins Netz einspeise, zu welchen Zeitpunkten meine Nachbarn von meiner Energieerzeugung profitieren. Natürlich werde ich mittels ‘Apps’ meine Präferenzen nur grob vorgeben und die Prozessausführungen darunter erfolgen automatisiert. Eine zentrale Herausforderung liegt darin, die Spielregeln für einen marktlichen Rahmen zu schaffen, in denen stromverbrauchende und stromerzeugende Geräte aller Größen aktiv am Energiehandel und den so genannte Systemdienstleistungen teilnehmen”, so Strüker.

Blockchains haben nach Ansicht des Energieexperten das Potenzial, energiewirtschaftliche Prozesse in nahezu allen Wertschöpfungsstufen zu optimieren und gleichzeitig die steigende Komplexität im dezentralen Energiesystem zu bewältigen.

“Im Hinblick auf das Internet of Things kann die Blockchain die Technologie sein, die die Vernetzung und Interaktion zwischen den Millionen von intelligenten, autonomen Geräten ermöglicht. Sie ist es, die kleinste Energieflüsse und Steuerungssignale zu sehr geringen Transaktionskosten sicher organisiert und nachhält. Das bedeutet, sie ist die Basis für verteilte Netze, in der alle miteinander kommunizieren, verteilen, abrechnen. Wir brauchen hierfür dann auch keine Vermittlung durch zentrale Instanzen mehr, in Sekundenschnelle und automatisiert erfolgen Transaktionen direkt zwischen den Nutzern und es wird direkt in diesem Innenverhältnis abgerechnet. Und jeder, der neu dazukommt, wird Teil des Netzes und ermöglicht dessen Wachstum. Auf diese Weise werden wir alle Teil der Energiewende. Es gibt nicht mehr die klassische Unterteilung zwischen Produzent und Consumer und immer mehr werden zu Prosumern”, erläutert der Dekan der Hochschule Fresenius.

Energieversorger könnten sich in diesem Kontext zu Schnittstellenmanagern entwickeln und die Wertschöpfung durch Komplexitätsreduktion erzielen.

“Die Blockchain-Technologie bietet die Möglichkeit, dies nicht über die Entwicklung hin zu einer ‘Datenkrake’ zu erreichen”, glaubt Strüker.

Anders als in der digitalen Plattformökonomie mit ihren bekannten Protagonisten Google, Amazon, Facebook und Apple erlauben Blockchains Datensouveranität, das heißt es kann die Kontrolle über herausgegebene Daten behalten werden: Datenaggregation stehe hier also Nutzungskontrolle gegenüber.

“Es geht dann in einer dezentralen Energiewelt beispielsweise darum, kurzfristig genügend Maschinen zur Herausgabe etwa von Nutzungsdaten zu finden und Anreize zu schaffen, um eine Lastgang-Analyse durchzuführen und Energie-Bezugskosten – zum Beispiel Reststrom – für einen Kunden zu minimieren”, sagt Strüker.

Dabei spielen die Kriterien Geschwindigkeit, Energieverbrauch, die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen, IT-Sicherheit und Zuverlässigkeit eine große Rolle. Noch seien öffentliche – frei zugängliche – Blockchains sehr langsam.

Siehe dazu auch: Lücke zwischen intelligenter Stromerzeugung und Stromverbrauch: Wie die Blockchain-Technologie das ändern kann. #CIOKuratorLive Gespräch mit Thorsten Zoerner vom blog.stromhaltig

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