Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Chancen, Risiken und Verantwortlichkeiten

Künstliche Intelligenz (KI) und ihre Vorteile sind gemeinhin bekannt: Dank der konstanten Entwicklungen dieser Technologie, haben Unternehmen die Möglichkeit, riesige Mengen an komplexen, unstrukturierten Informationen in umsetzbare Erkenntnisse zu verwandeln. Kognitive Systeme, die permanent dazu lernen werden dabei sowohl im kommerziellen als auch im privaten Bereich eingesetzt: Künstliche Intelligenz wird für unterschiedliche Anwendungen wie beispielsweise in der Krebsdiagnose oder auch bei der Wettervorhersage genutzt. Für Verbraucher erleichtern mobile Geräte, Sprachassistenten und Chatbots bereits den Alltag und werden so langsam zu ihrem täglichen Begleiter. Aktuelle Prognosen erwarten, dass der KI-Markt von 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 47 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 anwachsen wird.

Dabei wurde der rapide Anstieg von Technologien mit Künstlicher Intelligenz aber nicht von allen nur mit Begeisterung und Erstaunen aufgenommen. Einige einflussreiche Stimmen haben sich über das Potenzial der KI Sorgen gemacht, beabsichtigte oder unbeabsichtigte Voreingenommenheit in die Entscheidungsfindung einzubringen, die Privatsphäre zu verletzen oder Arbeitsplätze zu beseitigen. Manche fürchten sogar die so genannte “Singularität” – die Vorstellung, dass Künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertrifft und sich vielleicht jenseits der menschlichen Kontrolle entwickelt. Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen beim Einsatz von KI, welche Risiken birgt sie und wie steht es um die ethische Verantwortung?

INHALT

Big Data, Künstliche Intelligenz und die Vorteile für das Gesundheitswesen

Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz steht in direktem Zusammenhang mit der wachsenden Bedeutung von Daten – der großen neuen natürlichen Ressource der Welt. Die beispiellose Menge, Geschwindigkeit und Vielfalt der Daten stellt sowohl eine historische Chance als auch eine gewaltige Herausforderung dar. In diesem wachsenden Bestand an digitalen Daten liegt das Potenzial, Krebs zu bekämpfen, den Klimawandel umzukehren, die Komplexität der Weltwirtschaft zu bewältigen und den Zugang zu wichtigen Diensten für unterversorgte Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Die kognitive Technologie – die neue Kategorie von Informationssystemen, die in der Lage ist, diese Daten in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen und zu begründen und aus ihren eigenen Erfolgen und Misserfolgen zu lernen – verspricht, sich diesen Herausforderungen zu stellen und ein neues Zeitalter des Wissens einzuläuten. Das enorme Potenzial der Künstlichen Intelligenz, die Welt zu verändern, betonte diese Woche auch die Süddeutsche Zeitung:

„Wegen all der Rhetorik um die Robokalypse ist die Gefahr einer Überregulierung noch größer als die Gefahr der KI selbst. Denn diese birgt auch gigantische Fortschrittschancen, etwa wenn es um Heilung von Krankheiten geht, weil sie große Datenmengen viel besser sortieren kann als das menschliche Gehirn. Solche Anwendungen sind bereits Wirklichkeit oder nahe an der Verwirklichung. Künstliche Intelligenz, die die Weltherrschaft übernimmt, bleibt dagegen bislang Science-Fiction.“

Künstliche Intelligenz und Big Data-Technologien bergen das Potenzial für eine bessere (Gesundheits)-Versorgung der Zukunft. Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum stand das Thema Gesundheitsversorgung und Künstliche Intelligenz deshalb ganz weit oben auf der Agenda. Viele Wissenschaftler, Manager, aber auch Politiker betonen die großen Chancen und Vorteile der KI. So auch Tiger Tyagarajan, Präsident und CEO von Genpact:

“Letztendlich wird Künstliche Intelligenz die Menschen einfacher, gesünder, sicherer und produktiver machen.“

Patrice Matchaba, Global Head of Corporate Responsibility, Novartis wagt einen Blick in die Zukunft:

“Die vierte industrielle Revolution könnte das Gesundheitswesen komplett transformieren. Von Big Data bis zur Genomik, die Verschmelzung der technologischen Durchbrüche im physikalischen, digitalen und biologischen Bereich verändert die fundamentalsten Werkzeuge und Techniken in der Medizin und öffentlichen Gesundheit.“

Braucht KI eine gesetzliche Regulierung?

Aber nicht alle begegnen KI mit der gleichen Euphorie und Zuversicht. Diese Woche sorgte Elon Musk auf dem SXSW Festival mit seiner Aussage über Künstliche Intelligenz für helle Aufregung:

„Ich bin wirklich kein Befürworter von Regulierung und Aufsicht, aber das ist ein Fall, bei dem es eine sehr ernste Gefahr für die Öffentlichkeit gibt. Es muss eine öffentliche Einrichtung geben, die Einsicht und Aufsicht hat und bestätigen kann, dass jeder KI auf sichere Weise entwickelt. Die Gefahr von KI ist größer als die durch nukleare Sprengköpfe. Merkt euch das: Künstliche Intelligenz ist gefährlicher als Nuklearwaffen. Warum gibt es keine regulierende Aufsicht? Das ist wahnsinnig.”

Natürlich, der Aufbau von Vertrauen in eine so revolutionäre Technologie erfordert Transparenz, Klarheit und die Verankerung in Politik und Wissenschaft. Sie muss sich an die gesellschaftlichen Normen, die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften, der Sicherheit und dem Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten orientieren. Die Festlegung dieses Rahmens ist eine komplizierte Aufgabe, die gründliche Forschung, eine bedeutende branchenübergreifende Zusammenarbeit und eine multidisziplinäre Diskussion durch den Austausch von Ideen zwischen Branchenführern, politischen Entscheidungsträgern, NGOs, Akademikern, Ethikern und anderen relevanten Parteien erfordert.

Bereits im Januar vergangenen Jahres stellte Ginni Rometty, CEO IBM, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die ersten Prinzipien für die kognitive Ära vor, die Unternehmen in ihrem Umgang mit KI-Systemen leiten sollen:

 

  • Vorsatz: Technologie, Produkte, Dienstleistungen und Policen sollten so konzipiert sein, dass sie die Fähigkeiten, das Fachwissen und das Potenzial der Menschen verbessern und erweitern. Sie sollen die menschliche Intelligenz erweitern, nicht ersetzen.
  • Transparenz: Die Entwickler müssen transparent machen, wann und zu welchem Zweck KI eingesetzt wird. Die wichtigsten Datenquellen und Algorithmen, die die Daten zu Erkenntnissen machen und für die Schulung und Information ihrer Systeme verwendet werden, müssen offen gelegt werden.
  • Fähigkeiten: Entwickler von KI-Anwendungen sollten die Verantwortung dafür übernehmen, dass Studenten, Arbeitnehmer und Bürger in die Lage versetzt werden, jede Gelegenheit in der neuen Wirtschaft, die von kognitiven Systemen angetrieben wird, zu nutzen.

Zusätzlich zu diesen Leitlinien hat IBM ein Netzwerk von führenden Wissenschaftlern, Akademikern, Ethikern und Politikern der Branche aufgebaut, die regelmäßig in öffentlichen und privaten Foren zusammenkommen, um die Zukunft ethischer KI zu diskutieren und zu definieren. IBM ist auch Gründungsmitglied der Partnership on AI, einer Zusammenarbeit zwischen Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft und vielen wissenschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen, die die Entwicklung der künstlichen Intelligenz zum Nutzen der Gesellschaft lenken sollen. IBM geht hier in einem guten Beispiel voran.

Utopie, Dystopie oder einfach nur Manie?

Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf das Thema „Singularität“ zu sprechen kommen. Horrorvisionen der Übermacht einer Superintelligenz werden mittlerweile nicht nur von Hollywood transportiert, sondern sorgen auch in der breiten Öffentlichkeit für Diskussions-Stoff. Schlagzeilen wie „Todesfalle KI – Warum künstliche Intelligenz uns bald auslöscht!“ oder „Künstliche Intelligenz: Apocalypse soon“ von pseudowissenschaftlicher Herkunft vermitteln ein düsteres Bild für unsere Zukunft. All diesen Fortschritts-Gegnern zum Trotz, schließe ich dieses Thema mit den Worten der Journalistin Julia Angwin:

“Early computers were mostly just big calculators, helping us process large numbers. Now, however, computers are so powerful that they are learning how to make decisions on their own in the rapidly growing field of artificial intelligence. But AI-enabled machines are only as smart as the knowledge they have been fed.”

 

Besteht eine Sharing-Pflicht für Daten aus Systemen der Künstlichen Intelligenz? Zu diesem spannenden Thema führte Gunnar Sohn ein Interview mit dem Buchautor Thomas Ramge. Das vollständige Interview finden Sie hier.

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