Brave new work: Gedanken zur Zukunft der Arbeit

Von der Fremdbestimmung zur Selbstverwirklichung – wir alle suchen in unseren Jobs heute mehr als einfach nur „Arbeit“. Keinen Beruf, sondern eine Berufung. Der Job soll uns erfüllen, wir möchten uns permanent weiterbilden- und entwickeln, gefordert und gefördert werden – und das alles bei maximaler Flexibilität. Nine to Five war gestern. Die aktuellen Trends in Wirtschaft und Technologie deuten darauf hin, dass sich die Arbeitsweise der Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern wird und wenig Ähnlichkeit mit der heutigen Arbeitswelt haben wird. Wie verändert die zunehmende Digitalisierung unsere Arbeitsweise? Werden gar Jobs durch Künstliche Intelligenz (KI) wegfallen? Und auf welche Herausforderungen müssen wir uns in Zukunft einstellen?

Künstliche Intelligenz und Arbeitsmarkt

Zunächst einmal möchte ich ein großes Vorurteil zum Thema Zukunft der Arbeit aus dem Weg räumen. Denn die Schlagzeilen zum Thema KI und Arbeitsmarkt vermitteln oft den Eindruck, dass nur katastrophale Szenarien möglich sind – je mehr Unternehmen KI übernehmen, desto mehr Arbeitsplätze werden angeblich hinfällig. Schlagzeilen wie „Die Jobfresser kommen“, „Künstliche Intelligenz: Mehr Jobfresser als Jobmotor“ oder „Jobkiller Roboter: Verhungern wir im Paradies?“ lassen uns keine rosige Zukunft erwarten. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass KI eben nicht binär ist: Es gibt keine Eins-zu-Eins-Korrelation zwischen dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz und dem massiven Abbau oder dem Ersatz von Arbeitsplätzen. Nein, im Gegenteil: KI steigert die menschlichen Fähigkeiten – sie erhöht unsere Genauigkeit, beschleunigt unsere Entscheidungsfindung und steigert unsere Produktivität. Und ebenso wie bei der industriellen Revolution wird auch dieser technologische Fortschritt die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern. Laut Gartner werden im Jahr 2020 voraussichtlich 2,3 Millionen Arbeitsplätze durch KI geschaffen, während 1,8 Millionen wegfallen – dies entspricht insgesamt einem Nettozuwachs von einer halben Million neuer Arbeitsplätze. Und damit nicht genug: Durch die Erweiterungen um KI werden im Jahr 2021 2,9 Billionen Dollar an Geschäftswert generiert und 6,2 Milliarden Stunden Arbeitsproduktivität eingespart.

Gartner prognostiziert außerdem, dass im Jahre 2027 der Mensch immer noch im Mittelpunkt der Arbeit stehen wird. Aber dabei wird er eben gewinnbringend von Maschinen und Software unterstützt.

Die Digitalisierung der Arbeit und das Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Die digitale Wirtschaft verlangt nach neuen Ideen, neuen Informationen und neuen Geschäftsmodellen, die sich ständig erweitern, kombinieren und in neue Unternehmen und neue Geschäftszweige verwandeln. Von den Mitarbeitern, die im Mittelpunkt dieses Wandels stehen, wird Kreativität, kritisches Denken und ständige Weiterbildung eingefordert, um die immer komplexer werdenden Probleme zu lösen. Eine aktuelle Gartner-Umfrage kommt zu einem interessanten Ergebnis: Acht von zehn CIOs und Führungskräfte sind der Meinung, dass sich ihre momentane Arbeit und ihre Fähigkeiten gravierend von der in zehn Jahren unterscheiden werden. Bis 2027 werden Unternehmen damit beginnen, mehr und mehr Aufgaben auf intelligente Maschinen, Software, Apps und Avatare zu verteilen. Aber um all dies tun zu können, werden von den Mitarbeitern digitale Fertigkeiten eingefordert. Wenn die Produktivität steigt und die KI einige Arbeitsplätze übernimmt, werden sich die Menschen auch gegenüber neuen Skills öffnen müssen. Denn Künstliche Intelligenz erfordert natürliche Intelligenz – und zwar die des Menschen. Diese persönliche digitale Kompetenz wird es den Mitarbeitern ermöglichen, die technischen Fähigkeiten für Unternehmensanwendungen zu überwinden und sich rasch der Geschicklichkeit zu nähern, die erforderlich ist, um neue Medien, Informationen, Geräte und Ressourcen für die Lösung komplexer Probleme einzusetzen.

Digitale Skills und die Digitalisierung des Arbeiters

Gartner prognostiziert, dass bis zum Jahr 2022 jeder fünfte Arbeiter, der sich mit zumeist nicht routinemäßigen Aufgaben beschäftigt, auf eine KI bei der Erledigung seiner Arbeit zurückgreifen wird. Robobosse werden zunehmend zur Realität, physische Arbeitsplätze werden durch Sensornetzwerke intelligent, und virtuelle persönliche Assistenten (VPAs) werden unsere täglichen Team-Kollegen sein. Gartner Analystin Elen Poitevin betont:

“These trends are converging to change where, when, why and with whom we will work.” All of these trends will hit the mainstream between 2022 and 2026. HR and IT must become allies to plan for this transformation in the workforce.”

Digitale Skills werden immer wichtiger und von immer mehr Berufszweigen gefordert. Denn die Notwendigkeit, aktuelle und neu entstehende Technologien in den meisten Berufen einzusetzen, nimmt rapide zu. Allerdings werden von Unternehmensseite meist noch zu wenig Anstrengungen unternommen, um Führungskräften und Mitarbeitern zu helfen, ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Aber persönliche Weiterbildung- und entwicklung wird von immer mehr Arbeitnehmern eingefordert. Gartner unterstreicht, dass bis zum Jahr 2027 die Menschen aktiv nach Arbeit suchen werden, die ihnen auch einen Sinn gibt. Kluge Unternehmen werden sich nicht nur durch gutes Gehalt beim Arbeitnehmer attraktiv machen, sondern auch dadurch, dass sie ihren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, durch Arbeit einen sozial sinnvollen Beitrag zu leisten. Die Personalabteilung sollte ihr Engagement für Corporate Social Responsibility (CSR) unter Beweis stellen, indem sie die Mitarbeiter dazu ermutigt, persönliche Geschichten, Erfahrungen und Erfolge in verschiedenen sozialen Bereichen einzubringen.

Auch die Work-Life-Balance wird immer wichtiger für Arbeitgeber und -nehmer. Und auch hier kann die Künstliche Intelligenz uns unterstützen: Die Technologie wird beurteilen, wann ein Mitarbeiter zu viel gearbeitet hat und wann er seine Akkus wieder aufladen muss, indem sie seinen Biorhythmus, Ernährungsbedarf und Bewegungsbedürfnisse überwacht. Daneben bleibt es aber natürlich in der Verantwortung der HR-Abteilung in Zusammenarbeit mit anderen Führungskräften, sicherzustellen, dass die Work-Life-Balance für jeden einzelnen Mitarbeiter in Abhängigkeit von der Arbeitsverteilung, der Zeit und den Lebensphasen des Mitarbeiters passt. Generell wird das Thema Collaboration immer wichtiger. Denn bis 2027 wird die Komplexität und das Ausmaß der Unternehmensziele die Einbeziehung der gesammelten Brain Power und gemeinsamer Expertise über Grenzen hinweg erfordern.

 

Wenn Sie wissen möchten, welchen Herausforderungen sich CIOs in Zukunft stellen müssen und wie sie die Zukunft der Arbeit erfolgreich meistern können, empfehle ich Ihnen den Beitrag „Wie sich CIOs auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten können“ von Stefan Pfeiffer hier auf dem Blog.

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