Ideen für Schwarm-Mobilität gefragt – #Flugtaxi Vision reicht nicht @HS_Fresenius

In einer explorativen Studie der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien in Köln, wurden die ökonomischen, ökologischen und sozialen Potentiale und Hemmnisse des Konzepts der Schwarm-Mobilität untersucht. Hierfür hat Christian Barbuia in seiner Masterarbeit im Studiengang „Sustainable Marketing & Leadership“ (M.A.) qualitative Experteninterviews durchgeführt. Das Ergebnis: Es müssen vor allem in der Energiepolitik Hürden abgebaut werden.

Verstopfte Straßen, Staus und hohe Feinstaubbelastungen: Das derzeitige Mobilitätsmodell stößt an seine Grenzen. Eine Verkehrswende ist daher dringend erforderlich. Dabei dominieren viele verschiedene Schlagwörter wie Dieselfahrverbot, Carsharing, autonomes Fahren oder Elektromobilität die Debatte. Doch wie soll sie aussehen, die Mobilität der Zukunft? Die Schwarm-Mobilität als elektrisch angetriebene, umweltschonende, intelligent gesteuerte und gerecht geteilte Form der Mobilität zeichnet sich zunehmend als
mögliches Mobilitätssystem der Zukunft ab. Konkret könnte es so ablaufen: Wer beispielsweise zur Arbeit fahren möchte, bestellt einfach über sein Smartphone ein autonom fahrendes Elektroauto, das ihn zu Hause abholt und am gewünschten Zielort absetzt. Das Auto würde anschließend selbständig zum nächsten Kunden weiterfahren. Dadurch gäbe es weniger Verkehr, weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Raum und Mobilität für alle – so zumindest die Vision.

Christian Barbuia hat neun Interviews mit Experten durchgeführt. Dabei wurde die Schwarm-Mobilität in theoretischer und empirischer Hinsicht mit Blick auf ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen beleuchtet. Das Ergebnis: Die Potentiale einer Schwarmmobilität zeigen sich gegenwärtig überwiegend auf ökonomischer und sozialer Ebene. Aus den Aussagen lässt sich ableiten, dass Schwarm-Mobilität voraussichtlich zu einer besseren Kosten-Nutzen-Effizienz führen wird. Das bedeutet: Die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto würden entfallen, das Buchen von autonomen Fahrzeugen wäre deutlich günstiger. Diese Kostensenkung würde wiederum dazu führen, dass sich mehr Menschen Mobilität leisten könnten.

Hemmnisse hingegen gibt es auf der ökologischen Ebene: Solange der Strom, mit dem Elektroautos betrieben werden, nicht aus regenerativen Quellen stammt, ist eine niedrigere Umweltbelastung nicht garantiert.

„Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass es für die Umsetzung der Schwarm-Mobilität sowohl politisch als auch wirtschaftlich dringenden Handlungsbedarf gibt. Das Forschungsgebiet ist noch sehr jung. Daher ist es uns wichtig, dass unsere Studierenden über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema einen gesellschaftlichen Beitrag für die Mobilitätskonzepte der Zukunft leisten können,“ so Professor Lutz Becker, Studiendekan des Masterstudiengangs „Sustainable Marketing & Leadership“.

Teures Blech steht ständig am Straßenrand

Am Beispiel der Stadt Wuppertal skizziert der Öko-Unternehmer Jörg Heynkes eindrucksvoll, warum wir die Zukunft nicht mehr durch einen Blick in den Rückspiegel gestalten sollten. Wuppertal hat 350.000 Einwohner und 200.000 PKW.

„Die Autos fahren aber nicht ständig durch die Gegend, sondern stehen im Schnitt 23,6 Stunden am Straßenrand, blockieren permanent Flächen und kosten aber 24 Stunden am Tag Geld. Das ist das absolute Gegenteil von Effizienz. Jetzt kommt ein neuer Anbieter und sagt: ‚Liebe Wuppertaler, die Mobilität, die ihr zur Zeit mit 200.000 PKW bewerkstelligt, können wir euch problemlos mit 25.000 Schwarm-Mobilen besser erledigen.’“

Solche ‚Fahrzeuge’ haben kein Gaspedal, keine Bremse, kein Lenkrad. Sie sorgen einfach nur für den Transport von A nach B. Man nimmt nur noch solche Dienste via App über eine Flatrate in Anspruch, ohne überhaupt noch eigene Autos zu besitzen. Keine KFZ-Steuer, keine Versicherung, keine Inspektion, kein Kauf von Sommer- und Winterreifen, keine nervige Parkplatzsuche, keine horrenden Gebühren im Parkhaus und keine teure Benzinbetankung in Abhängigkeit vom Ölkartell. Die Schwarm-Mobile sind lautlos, sauber, umweltfreundlich, dezentral verfügbar und sicher.

Schwarm-Mobile werden alles verändern

Der Zuwachs an Komfort und Lebensqualität durch Schwarm-Mobilität wird alles verändern. 90 Prozent weniger Unfälle, 90 Prozent weniger Werkstätten für Reparaturen, 90 Prozent weniger Taxifahrer, 90 Prozent weniger ADAC-Mitglieder.

„Durch eine vernetzte Technologie zur Verbesserung unserer Mobilität ändern sich unfassbar viele Parameter – mit negativen und positiven Folgen, die die Politik jetzt durchdenken muss“, fordert Heynkes.

Was bedeutet das für die Stadtentwicklung und für die Verkehrsplanung? Stadt muss und darf komplett neu gedacht werden. In Wuppertal gibt es rund 630.000 PKW-Stellplätze, die jeweils rund 12,5 Quadratmeter beanspruchen. Fallen die weg, gewinnt man Flächen, um beispielsweise in Kombination von digitaler Technologie, Hightech-Landwirtschaft und Manufaktur Stadtfarmen mit kleinen Kraftwerken aufzubauen. Die Menschen in den Wohnquartieren bekommen gesunde Nahrungsmittel direkt aus der Nachbarschaft – gestern gewachsen, heute geerntet und morgen gegessen. Und das ohne Transportwege und Belastungen mit Emissionen. Obst und Gemüse können zu hochwertigen Produkten veredelt werden in dezentralen und gemeinwohlorientierten Organisationsformen. All das steckt in der Mobilitätswende, aber nicht in den Köpfen der Industriepolitiker und Lobbyisten. Hier sind mehr Utopien in der Politik notwendig. Wer das #Flugtaxi thematisiert, sollte doch gleich das große Rad der Mobilitätswende drehen.

3 comments

  • Autonome Taxis werden nicht die Lösung sein, denn wirklich etwas am Verkehr ändern tun diese Fahrzeuge auch nicht. Vor allem im Berufsverkehr wird es schlicht nicht anders gehen als wahre “Schwarmmobilität” zu nutzen, sprich Busse, Stadtbahnen und Züge. Nur diese Verkehrsmittel können einen große Anzahl von Menschen effizient von A nach B bringen. Eine sehr kurzsichtige Vision, die die Hochschule da entwickelt hat und wirklich neu ist sie auch nicht.

    • Schwarm-Mobilität ist nicht identisch mit autonomen Taxis – dahinter steckt schon mehr.

    • Ich sehe in der hier skizzierten Mobilität lediglich einen Teilaspekt eines Gesamtpakets. Da werden wir in Wabend denken müssen, die unterschiedliche Entfernungen repräsentieren. Je nachdem, wieviele Waben ich überwinden will, werde ich unterschiedliche Fortbewegungsmittel brauchen. Der öffentliche Mengenverkehr (Busse et al) wird dabei immer eine Rolle spielen.
      Aber ich kann jetzt schon wieder das Heulen der Job-Vernichtungsriege hören….

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