Houston, äh ich meine Watson, wir haben kein Problem – IBM schickt Künstliche Intelligenz ins All

Copyright: AirBus

1947 wurden das erste Mal Tiere ins All geschickt, genauer gesagt: Fruchtfliegen. Es folgten die Hündinnen Leika, Ptscholka und Muschka sowie die Affen Gordo, Able, Baker, Ham und Enos. Und dann der erste Meilenstein in der Menschheitsgeschichte: Juri Gagarin flog im April 1961 als erster Mensch ins All. Kurz darauf die nächste Sensation: Neil Armstrong betritt 1969 als erster Mensch den Mond. Seit 1961 hat sich viel getan: 343 bemannte Raumflüge sind bis heute verzeichnet. Es ist schon ein bisschen zur Selbstverständlichkeit geworden und erregt kaum noch Aufsehen.

Aber dieses Jahr stellt wieder einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt da: Zum ersten Mal wird eine Künstliche Intelligenz die Astronauten auf ihrem Weg ins Weltall begleiten. Im Juni wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst seine zweite sechsmonatige Mission „Horizon“ zur Internationalen Raumstation (ISS) antreten. Bei dieser Mission werden Gerst und sein Team ungewöhnliche Unterstützung erhalten: CIMON, was für Crew Interactive Mobile Companion steht, wird mit an Bord sein – ein Roboter in der Größe eines Medizinballes mit einem Gewicht von etwa 5 Kilogramm, wobei seine Masse in der Schwerelosigkeit des Alls ja nicht ins Gewicht fällt. CIMON basiert auf IBM Watson Technologie und wird derzeit von Airbus im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) als intelligentes, mobiles und interaktives Astronautenassistenzsystem entwickelt.

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Als Watson 2011 bei der Quizshow Jeopardy auftrat und seine menschlichen Mitstreiter besiegte, war er noch ein unsichtbares Computersystem. Jetzt erhält er Körper, ein Gesicht und eine eigene Stimme – und einen neuen Namen: “Hallo, ich bin CIMON”, dies und weitere rund 1000 Sätze sind in seiner Datenbank abgespeichert.  Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem Fragen zu beantworten, Hintergrundinfos zu liefern, Videos und Tondateien abzuspielen, vor Gefahren zu warnen – und auch für Unterhaltung zu sorgen. Hierfür hat CIMON beispielsweise auch die Lieblingsmusik von Gerst in seiner Datenbank gespeichert. Aber CIMION kann noch mehr, wie das Handelsblatt berichtet:

„Und falls die Astronauten – wie es viele Menschen auf der Erde mit sprachgesteuerten Assistenten wie „Alexa“, „Cortana“ oder „Siri“ schon längst getan haben – testen wollen, ob Cimon Humor kennt: Er hat auch ein paar Witze parat.“

Das digitale Gesicht und die Stimme von CIMON wurden im Vorfeld von Alexander Gerst ausgewählt, damit dieser gut mit der KI „auskommt“ – CIMON soll von den Crewmitgliedern als “Kollege” wahrgenommen werden. Diese kollegiale “Arbeitsbeziehung” soll es den Astronauten erleichtern, ihre vorgeschriebenen Experimentier-Checklisten zu durchlaufen und mit ihrem interaktiven Assistenten in einen echten Dialog zu treten. Die für CIMON verantwortlichen Entwickler sagen voraus, dass dies dazu beitragen wird, den Stress der Astronauten zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz zu verbessern. Darüber hinaus soll CIMON zur Erhöhung der Sicherheit beitragen, da er auch als Frühwarnsystem bei zukünftigen technischen Problemen dienen kann. Alexander Gerst beschriebt CIMONs Aufgaben wie folgt:

„Ja, ich bin mal gespannt wie er sich verhält. Das ist ein Testbetrieb, also man darf sich das jetzt noch nicht so vorstellen, als ob er mir Kaffee bringt und Werkzeuge. So weit ist er leider nicht. Aber das ist das Schöne daran, wenn man Technologien entwickelt, wir wollen herausfinden, wie man so ein Ding bauen muss, dass es einem wirklich was hilft. Letztendlich wird es vielleicht meinen Kollegen zu Gute kommen, die irgendwann mal zum Mars fliegen. Es gibt viele wichtige Anwendungen, wenn man zum Beispiel eine Reparatur hat an Bord. Auf dem Weg zum Mars kann solch ein Roboter Gold wert sein. Eine Raumstation wie die ISS oder ein Raumschiff ist immer ein human-robotisches System. Wir sind zu neunzig Prozent robotisch und zu zehn Prozent human. Das ist eine Synergie, mit der wir das beste Resultat erreichen können.“

CIMON basiert auf der Technologie der Neuronalen Netzwerke und ist lernfähig. Mithilfe der Technologien von Watson ist Cimon auch in der Lage Gerst an seiner Stimme sowie am Gesicht zu erkennen. Darüber hinaus nutzte die KI den Watson Visual Recognition Service, damit konnte sie die Baupläne des Columbus-Moduls auf der Internationalen Raumstation erlernen, um sich leichter bewegen zu können. CIMON lernte auch alle Verfahren zur Durchführung der Bordexperimente kennen. Die Experimente bestehen manchmal aus mehr als 100 verschiedenen Schritten, CIMON kennt sie alle.

CIMON soll Gerst zudem bei der Lösung von drei Experimenten unterstützen: Gemeinsam werden sie mit Kristallen experimentieren, den magischen Rubik-Zauberwürfel lösen und ein komplexes medizinisches Experiment durchführen. Langfristig sollen Künstliche Intelligenzen wie CIMON die Astronauten bei allen Routinearbeiten unterstützen, Lösungen für Probleme vorschlagen und erforderliche Prozeduren anzeigen.

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Das Entwickler-Team um Till Eisenberg nennt den frei schwebenden Roboter derzeit CIMON 1.0 – in weiteren Versionen soll der digitale Assistent dann auch über mehr Fähigkeiten verfügen und für einen längeren Zeitraum eingesetzt werden.

Wenn Sie jetzt denken, ein Besuch der ISS liegt in zu weiter Ferne, dann statten Sie doch mal dem Münchner Flughafen einen Besuch ab. Dort empfängt Sie die Roboter-Dame Josie Pepper. Seit Mitte Februar 2018 testet der Münchner Flughafen diesen humanoiden Roboter, der auch mit auf Watson basierender Künstlicher Intelligenz ausgestattet ist. In Terminal 2 begrüßt Josie die Passagiere und beantwortet deren Fragen rund um Shops, Gastronomie und den Flugbetrieb.

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