TV-Tipp: “Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie”

Meine 2 Cents: Ein Thema, eigentlich bekannt, gerade aber von der Politik und von Lobbyisten tot geschwiegen: Unsere Abhängigkeit von Microsoft, insbesondere dem Betriebssystem und den Office-Anwendungen in öffentlicher Verwaltung und Unternehmensanwendungen mit kritischen Datenbeständen. Keiner – ok, nur sehr wenige – der sogenannten Digitalpolitiker geht wirklich an dieses Thema heran. Und auch die IT-Abteilungen nehmen vieles hin, teilweise aus Mangel an Alternativen, teilweise aus Bequemlichkeit. Warum soll man noch eine weitere Baustelle aufmachen, wo man mit Schatten-IT und Digitalisierung. Stattdessen wird die Abhängigkeit zementiert und der Weg von Microsoft in der Cloud bejubelt – was die Risiken noch größerer Abhängigkeit erhöht.

Am 19. Februar 2018 war Sendetermin einer interessanten Dokumentation im Ersten  Danach ist der Film in der ARD-Mediathek für 90 Tage abrufbar. Es gibt mehrere Wiederholungen. Im rbb Fernsehen läuft die Dokumentation dann am 8. April 2018 um 22.55 Uhr.

Das Recherche-Team Investigate Europe hat in monatelanger Arbeit ver­sucht, der Cyber-Attacke mit dem Erpressungstrojaner WannaCry auf den Grund zu gehen. Dabei ging es gar nicht in erster Linie um die Cyber-Attacke selbst, sondern vielmehr um die Umstände, die sie ermöglichten.

Entstanden ist dabei eine interessante Doku­men­tation mit dem Titel “Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie”, in der der Journalist Harald Schumann mit seinem Recherche-Team Investigate Europe mit Insidern und Verantwortlichen in ganz Europa gesprochen hat. Microsoft stand im Fokus der Ermittlungen – weil im Grunde kein Weg an dem Software-Riesen vorbeiführt und es an Transparenz mangelt. Experten bemängeln das seit langem. Unternehmen und Behörden setzen in Deutschland ebenso wie in den meisten Ländern weltweit auf das Betriebssystem von Microsoft und auf deren Office-Lösungen.

Bis auf wenige Ausnahmen, wo zum Beispiel auf Open Source gesetzt wird, entwickelt sich so ganz automatisch eine unweigerliche Abhängigkeit zu dem Redmonder Software-Konzern.

Es kommt Europa teuer zu stehen
Wie kann ein Schadprogramm gleichzeitig Unternehmen, Krankenhäuser und sogar Geheimdienste in der ganzen Welt lahmlegen, fragt das Recherche-Team Investigate Europe und kam auf eine einfache Antwort: Alle Spuren führen zu Microsoft und zu eben jener Abhängigkeit: “Sie macht angreifbar für Hacker und Spione, verstößt gegen das europäische Vergaberecht, blockiert den technischen Fortschritt und kommt Europa teuer zu stehen.” …

Heise hat zudem als Teil des Recherche-Teams Journalisten der c’t dabei gehabt, die das Thema in der aktuellen Printausgabe beleuchten. Den Artikel gibt es auch hinter der c’t Paywall.

via TV-Tipp: “Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie” – WinFuture.de

Und noch einige Ergänzungen:

Martin Schallbruch, der frühere IT-Chef der Bundesregierung, berichtet, wie die Staaten immer tiefer in die Abhängigkeit von Microsoft geraten. Ein Top-Jurist aus den Niederlanden beschreibt, wie die EU-Kommission und die Regierungen dafür das europäische Ausschreibungsrecht brechen. In Frankreich hat das Verteidigungsministerium beim Abschluss von geheimen Verträgen mit Microsoft das Parlament umgangen, darum will die Senatorin Joelie Garriaud-Maylam nun einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar warnt, die Microsoft-Systeme setzen die privaten Daten der Bürger der Ausforschung durch die US-Geheimdienste aus. Interne Dokumente belegen, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dieses Misstrauen teilt.

via Das Microsoft-Dilemma – Reportage & Dokumentation – ARD | Das Erste

Zum Thema weitere Beiträge:

(Stefan Pfeiffer)

 

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