#Ischover – Haufe-Chef Reithwiesner: Fachcontent allein sei kein Geschäftsmodell mehr

Linkedin und Ted Talks könnten Fachzeitschriften schon bald als Informations- und Wissensquelle ablösen, meint Markus Reithwiesner, CEO der Haufe Group, die bislang auch die Fachzeitschrift acquisa verlegt hat – gerade ist die letzte Ausgabe des Printmagazins erschienen. Titel: Isch over.

Content gewinne enorm an Bedeutung, aber zunehmend als Mittel zum Zweck, um andere Geschäfte anzustoßen. Fachcontent allein sei absehbar kein Geschäftsmodell mehr.

“Die Frage, aus welcher Quelle eine Information kommt, ist mir nicht wichtig. Man muss nur immer wissen, in welchem Kontext ein Artikel steht. Natürlich ist ein Unternehmensblog eine Plattform, mit der das Unternehmen bestimmte Ziele verfolgt. Aber gerade die großen Unternehmen bereiten in ihren Blogs heute Themen auf einem Top-Niveau auf und bieten Veranstaltungen für Führungs­kräfte an, die völlig werbefrei gehalten werden. Dort stehen die Themen eindeutig im Mittelpunkt. Diese Unternehmen agieren im Netzwerk wie die anderen Mitglieder auch. Sie bringen auf ihren Plattformen Menschen zusammen, die Neues denken, an der Zukunft arbeiten und wichtigen Input liefern”, sagt Reithwiesner.

Klingt wie das Konzept von ciokurator.com 😉

Klassische Medien geraten dabei zunehmend unter Druck. Das ist teilweise hausgemacht:

“Es gibt Journalisten, die häufig Dinge, die sie auf Konferenzen oder im Gespräch mit Experten erfahren, nur wiedergeben, ohne sie eigenständig vor- und weiterzudenken. Natürlich liefern Zeitungen und Magazine gute Geschichten und geben Impulse. Doch das tun Insider-Blogs aus dem Silicon Valley auch. Und oft sind es eben Unternehmen, zum Beispiel große Investmenthäuser, die hochklassigen Content liefern. Wir Leser dürfen dabei nur nicht aus den Augen verlieren, wer da zu welchem Zweck publiziert. Und wir müssen die Informationen und Quellen für uns selbst einordnen”, so der Haufe-Chef.

Ted Talks und South by Southwest als Inspirationsquellen

Relevanter Content komme oft nicht mehr von den klassischen Verlagen.

“Heute bieten Veranstaltungen wie TED Talks oder die Konferenz SXSW in den USA das Wissen und die Inspiration, nach denen wir suchen. Und die klassischen Informationsanbieter sind Teilnehmer an diesen Konferenzen, nicht die Veranstalter. Zum anderen ist hochwertiger Content heute der entscheidende Faktor, mit dem Unternehmen im Internet sichtbar werden. Das neue Geschäftsmodell lautet: Relevante Inhalte schaffen die Visibilität, über die Unternehmen dann ihr Geld mit anderen Produkten verdienen. Der Content ist nicht mehr das Produkt, das den Umsatz sichert, sondern Mittel zum Zweck. Wir veröffentlichen immer mehr hochwertigen Content, um andere Geschäfte zu ermöglichen. Das hat Folgen für das ursprüngliche Business, Content zu verkaufen.”

In gewisser Weise sei das ein Geschäftsmodell über die ­Bande. Deshalb werden Marken zu Medien.

“Und damit schaffen sie automatisch eine neue Wettbewerbs­situation für traditionelle Medienunternehmen”, meint Reithwiesner.

Was definitiv zu Ende gehe, ist das überkommene Einbahnstraßenmodell: “Wir senden, ihr konsumiert. Was wirklich funktioniert und uns weiterbringt, sind diese lebendigen Communities. Das sieht man am Erfolg von Veranstaltungen wie TED Talks und SXSW, die mittlerweile Kultstatus haben und ganz nebenbei auch enorme Umsätze generieren”, resümiert der Haufe-CEO.

Sympathisch seine Aussage: Das Kuratieren von Inhalten werde weiter an Bedeutung gewinnen. Sieht das CIO-Kuratorium ähnlich 🙂

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