And the Oscar goes to… Watson – Fortschritte im Bereich kreativer Künstlicher Intelligenz

Dass Künstliche Intelligenz den Menschen bei einer Quiz-Show schlagen kann, hat IBM das kognitive Computersystem Watson bereits 2011 eindrucksvoll bei Jeopardy bewiesen. Aber ist Künstliche Intelligenz auch in der Lage etwas Kreatives wie ein Musikstück oder ein Buch zu kreieren? Werden die Bestsellerlisten und Charts etwa in Zukunft von Watson, Alexa und Siri gestürmt? Der kreative Bereich gilt gemeinhin als Domäne des Menschen. Kunst erfordert Inspiration, Kreativität und Hingabe – ist KI dazu fähig?

In neuester Zeit gibt es vermehrt Versuche, Kunst mittels KI zu kreieren. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die neuesten Technologien. Eines kann schon mal verraten werden: Es wird auf jeden Fall unterhaltsam – und genau das ist ja eigentlich der Zweck von Kunst.

KI und Literatur: „Harry Potter und das Porträt von etwas, das aussah wie ein großer Haufen Asche“

Botnik Studios, ein Anbieter von Augmented Content Creation hat das Projekt „The Predictive Keyboard“ entwickelt. Dabei handelt es sich zwar nicht um eine autonome KI, das Programm ist aber in der Lage eigene Prosa zu verfassen. Das Programm wird mit verschiedenen Werken bestückt und The Predictive Keyboard produziert dann eine Story im Stil des Werks. The Predictive Keyboard hat alle sieben Harry-Potter-Romane in das Programm eingepflegt und heraus gekommen ist ein brandneues Harry Potter Kapitel. In der Theorie hört sich das eigentlich ganz logisch an, die Praxis ist allerdings eher – sagen wir mal – verwirrend. J.K. Rowling wäre mit Sicherheit not amused:

„Ledrige Regenflächen prasselten auf Harrys Geist nieder, als er über das Gelände Richtung Schloss schritt. Ron stand dort und legte fieberhaft eine Art Stepptanz hin.“

Ok gut, es hört sich zwar etwas seltsam an, aber noch einigermaßen vertretbar. Warum sollte Ron Wesely nicht mal einen Stepptanz vollführen?

„Er sah Harry und begann sofort damit, Hermines Familie aufzuessen.“

Nun gut, das hätten wir Ron nun wirklich nicht zugetraut.

Fürs erste sieht es also so aus, als ob man künftig keine KI auf den Bestseller-Listen finden wird. Aber wie stehts mit der Musik?

KI und Musik: Automatische Erzeugung von Melodien

Der Deep Artificial Composer, eine neue Erfindung aus der Schweiz , die an der ETH Lausanne (EPFL) entwickelt wurde, soll in der Lage sein, neue und originelle Melodien zu komponieren. Die KI greift dabei auf eine große Datenbank von bestehender Musik zurück. Ausgehend von diesen Datensätzen komponiert die KI dann eigene Stücke.

Wie diese Technologie im Detail funktioniert, erfahren Sie in diesem Video. Ab der 16. Minute werden übrigens die von der KI kreierten Melodien abgespielt. Ja, es hört sich nach Musik an, die Charts wird es aber mit Sicherheit nicht stürmen.

KI und Film: Können die Spielbergs dieser Welt bald einpacken?

Die Künstliche Intelligenz Benjamin, entwickelt von dem Künstler und Informatiker Ross Goodwin und dem Regisseur Oscar Sharp, hat bereits einen Science-Fiction Kurzfilm produziert. Bei dem Algorithmus handelt es sich um ein neuronales Netz, welches die Funktionsweisen des Gehirns imitiert. Wie bei der Musik-KI, wurde diese KI mit zahlreichen Science-Fiction-Filmen und Drehbüchern gefüttert. Zunächst ermittelte Benjamin die Abfolge von Buchstaben und lernte dadurch, wie man Wörter formt. Danach kamen Sätze, Dialoge und schlussendlich das fertige Drehbuch. Der Plot ist wirklich sehr verwirrend – aber bevor ich hier zu viel vorweg nehme, sehen Sie lieber selbst:

Watson als Literaturkritiker

IBM Watson hat alle Songtexte des Literaturnobelpreisträgers Bob Dylan auf die darin verwendete Sprache analysiert. Laut der Analyse von Watson drehen sich die Songs von Bob Dylan häufig um die folgenden zwei Dinge: Nämlich darum, dass sowohl die Zeit als auch die Liebe vergehen. Da kann man nur sagen: Wo er recht hat, hat er recht!

Sehen Sie hier das amüsante Gespräch zwischen Watson und Bob Dylan:

 

 

 

 

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