IBM IBV Studie: Automatisierung ist eine Reise – und man muss sie beginnen

Eine neue Studie des IBM Institute for Business Value ist unter der Überschrift (übersetzt) Die Evolution der Prozessautomatisierung erschienen, das sich mit dem Weg von grundlegender Automatisierung per Roboter hin zu immer intelligenteren Interaktionen beschäftigt. Das IBM Institute for Business Value hat dazu in Zusammenarbeit mit Oxford Economics weltweit 3.069 C-Suite Executives aus 91 Ländern und 20 Industrien befragt. Automation ist sicher nicht neu, ja hat eine Jahrtausende lange Geschichte. Sie fängt schon lange vor der viel zitierten Fließbandproduktion von Henry Ford an.

War das Informationszeitalter noch dadurch geprägt, dass Mitarbeiter Daten in Tabellen oder ERP-Systeme eingaben, um Transaktionen auszulösen, so treten wir nun in ein neues Zeitalter. Die heutigen Fortschritte in der künstlichen Intelligenz (und auch der zur Verfügung stehenden Rechenleistung) läuten derzeit eine neue Phase, vielleicht Ära der intelligenten Automatisierung ein, die dadurch gekennzeichnet ist, dass eben durch die neue Technologie Prozesse grundlegend optimiert, an der Schnittstelle zum Kunden (ob intern, extern oder Geschäftspartner) personalisiert und Entscheidungen aufgrund einer fundierteren Datenbasis verbessert werden können.

Und man ist in den befragten Unternehmen auf dem Weg: Mehr als 90 Prozent der Befragten sagten, dass ein Form intelligenter Automatisierung in ihrer Organisation existiere. Über 50 Prozent derjenigen, die intelligente Automatisierung benutzen, haben demnach Kernprozesse identifiziert, die mit Hilfe von Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz ergänzt oder automatisiert werden können. Und mehr als 90 Prozent sagen, dass sie durch intelligente Automatisierung überdurchschnittlich auf Veränderungen und neue Geschäfstrends reagieren könnten.

In der Studie werden verschiedene Stufen der Automatisierung abgefragt: 9 Prozent der Befragten nutzen keine Automatisierung. 52 Prozent bauen grundlegende Prozessautomatisierung, in der festgeschriebenen Prozessabläufen gefolgt wird. 27 Prozent gehen weiter und bauen auf fortschrittliche Automatisierung. Zwar wird vordefinierten Abläufen durch die Systeme gefolgt, jedoch erfolgen komplexe Kalkulationen und Prozesswege werden auf Basis von Fähigkeiten der künstlicher Intelligenz beschritten. 12 Prozent setzen derzeit auf intelligente Automatisierung, bei der durch das KI-System autonom Entscheidungen auf Basis fortgeschrittener Algorithmen und KI-Fähigkeiten getroffen werden, teilweise in Abstimmung mit Mitarbeitern.

Was zeichnet nun intelligente Automatisierung technologisch aus? Die in der Grafik abgebildeten Funktionen zum Machine Learning, zum Prozessieren von Informationen, die in natürlicher Sprache gegeben werden, Empfehlungssystem und vorhersagende Analysen sind klassische Bestandteile wie auch Deep Learning und vermehrt die Analyse von Bildern und Grafiken.

Source: IBM Institute for Business Value 2017 2Q C-suite research.

 

Schon einfache Automatisierung könne Fehler ausmerzen und transaktionale, sich wiederholende Arbeit wesentlich besser ausführen. Bereits hier sei es zu Kosteneinsparungen von bis zu 75 Prozent gekommen. Durchschnittlich seien Verbesserungen zwischen 25 und 50 Prozent erreicht worden, so die Autoren.

In der Studie wird von Hunderten von Aufgaben gesprochen, die in einem digitalen Unternehmen automatisiert werden könnten. Das American Productivity and Quality Center (APQC) habe eine Liste von beinahe 1.100 Aktivitäten quer über alle Industrien veröffentlicht, die Teil von rund 300 grundlegenden Unternehmensprozessen seien.Die APQC hat sie noch in 70 Prozessgruppen und 13 High-Level-Prozesskategorien organisiert. In der Studie wird eine Bewertung vorgenommen, welch am höchsten automatisierbar sind. Es wundert nicht wirklich, dass die Aufgabe die die meiste transaktionale Arbeit beinhalten dabei ganz oben laden. Am wenigsten automatisierbar sind Prozesskategorien, die Strategie und Entscheidungen erfordern.

Die Autoren sprechen (korrekterweise) von einer Reise, auf die man sich bei dem Thema Automatisierung begibt. Wie die Studie ergeben hat, befasst sich nahezu jedes Unternehmen mit der Evolution der intelligenten Automatisierung. Viele befindet sich in den grundlegenden Schritten von “Basic Robotics”. Die Vorreiter befassen sich aktiv damit, besagte intelligente Interaktionen im Unternehmen umzusetzen. Durch die Befragung wurden drei wesentliche Schritte identifiziert, um ein intelligentes Unternehmen der Zukunft zu gestalten:

Think big: Denke groß!

Die Autoren sprechen von einem strategischen Ansatz, der eine vernünftige Planung und Optimierung ermöglicht und raten auch zur offenen und transparenten Kommunikation und zum Dialog mit den Mitarbeitern über die bevorstehenden Automatisierungsprojekte und deren Einfluss auf Arbeitsplätze, notwendige Fähigkeiten sowie Aus- und Weiterbildung. Ein Team bestehend aus Mitgliedern unterschiedlichster Fachbereiche solle mögliche Effizienzgewinne identifizieren, Projekte priorisieren und deren Erfolg messen.

Start small: Fange klein an (aber fange an)!

Das aber fange an habe ich hinzugefügt, anschließend an einen anderen hier publizierten Beitrag, der auch dazu rät. Man solle – so die Autoren – ein Automation Command Center einrichten, um ein Struktur, Steuerung und Führung der Automatisierungsbemühungen und der eingesetzten Mittel und Technologien im Blick zu behalten. Yes, Sir, Captain, Sir. Dies sei ein kritischer Faktor für den Erfolg, denn viele Organisationen hätten potentiell Tausende von automatisierbaren Prozessen, die in Betracht gezogen werden könnten. Wichtig sei es auch, einen Katalog, einen Überblick von Automatisierungsprojekten und -assets zu haben, um so eine Wiederverwendung von Komponenten zu ermöglichen.

Work differently: Arbeite anders!

Ein ganz wichtiger Punkt, den hier auf CIOKurator schon öfters behandelt haben: Es bringt nichts, ja ist kontraproduktiv, bestehende, ineffiziente Prozesse einfach zu elektrifizieren. Prozesse müssten unter Berücksichtigung der neuen technologischen Möglichkeiten und der Umstellung auf digitale Geschäftsmodelle neu gedacht werden. Dafür brauche es auch eine leistungsfähige Plattform, die adaptierbar, flexibel und skalierbar sein müsse.

Diese drei Paradigmen seien wichtig gerade für die Organisationen, die sich heute mit Hilfe von Automatisierung neu positionierten, um im Markt von morgen zu bestehen.

Die Studie kann hier in englischer Sprache heruntergeladen werden.

(Stefan Pfeiffer)

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