Ein neues C-Level: Chief Data Officer muss Verantwortung übernehmen, meint Gartner

Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass mit mehr oder minder Gewalt jede 5 Minuten ein neues C-Level erfunden wird. In den vergangenen Monaten, ja 1-2 Jahren haben wir über den Chief Digital Officer diskutiert und die Auseinandersetzung ist noch nicht beendet, obwohl der Trend dahin geht, dass doch der CIO die Funktion übernehmen kann und soll. Der CISO (Chief Information Security Officer) oder CSO (Chief Security Officer), der sich primär um Datenschutz und Datensicherheit kümmern soll, schwirrt ebenfalls latent durch die Gazetten.

Jetzt vermehrt sich gerade auch angesichts von Compliance-Richtlinien wie der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO / GDPR) die Forderung nach einem Chief Data Officer. Und auch die Analysten von Gartner schlagen in diese Kerbe. Doch sie definieren die Rolle breiter: Dieser neue CDO ist ein Change Agent, der die datengetriebe Transformation in der Organisation führt. Valerie Logon, Research Director von Gartner, wird wie folgt zitiert:

  • “Early CDOs were focused on data governance, data quality and regulatory drivers, but today’s data and analytics leaders are becoming impactful change agents who are spearheading data-driven transformation,”
  • “It’s not difficult to see how, by 2021, the office of the CDO will be a mission-critical function comparable to IT, business operations, HR and finance in 75% of large enterprises.”
  • “As data and analytics become pervasive across all aspects of businesses, communities and even our personal lives, the ability to communicate in this language — that is, being data-literate — is the new organizational readiness factor.”

via 3 Top Take-Aways From the Gartner Chief Data Officer Survey – Smarter With Gartner

Auch Budget fließt immer mehr – durchschnittlich $ 8 Mio in 2017, eine Steigerung von 23 % gegenüber dem Vorjahr – , so die Analysten laut ihrer Chief Data Umfrage. Die Rolle gehe unterdessen deutlich über die defensiven Komponenten von “Data” im Sinn von Datenschutz und Datensicherheit hinaus und umfasse “offensive” Komponenten wie Data Management, Analytics, Data Science, Ethik und digitale Transformation. Gartner nennt auch explizit die Verantwortung des CDOs, mehr Umsätze für das Unternehmen zu generieren.

“This signals a marked shift for CDOs and their organizations, with the increasing recognition that the value of the CDO function lies principally in the support of revenue-generating activities. Of course, CDO support for cost savings and risk mitigation will continue to be of critical importance, balanced with top-line growth drivers.”

via 3 Top Take-Aways From the Gartner Chief Data Officer Survey – Smarter With Gartner

Die größten Hürden seien derzeit der kulturelle Wandel, Änderungen zu akzeptieren, sowie die Fähigkeit, Daten zu verstehen und zu interpretieren.

Meine 2 Cents: Dass Daten und Datenanalyse immer wichtiger werden, ist unbestritten. Die entsprechenden Fähigkeiten der Unternehmen müssen in jeder Dimension ausgebaut werden, von Datenschutz und Datensicherheit bis hin zur Analyse von Daten und Nutzung moderner Technologien der künstlichen Intelligenz und Machine Learning. Braucht es dafür einen Chief Data Officer, um den Themen entsprechendes Gewicht zu verleihen? Wie positionieren sich Chief Marketing Officer (CMO), der ja auch immer mehr data-driven Marketing mit dem Ziel höherer Umsätze machen soll, und der genannte Chief Security Officer (CSO), der sich um Datenschutz und Datensicherheit kümmert. Und es springt ja auch noch die IT mit dem CIO herum. Für mich eine offene Frage, zu der ich noch keine finale Meinung habe. Wahrscheinlich hängt es einfach von den Personen und deren Kompetenzen im jeweiligen Unternehmen ab, ob man einen Chief Data Officer einsetzen sollte.

(Stefan Pfeiffer)

 

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