Digitaler Twin und digitale Delfine im Hafen Rotterdam

Über 461 Millionen Tonnen Frachtgut und über 140.000 Schiffe – diese Mengen werden pro Jahr in Europas größtem Hafen, dem Rotterdamer Hafen umgeschlagen. Diese beeindruckenden Zahlen lassen erahnen, welches Ausmaß an punktgenauer Logistik hinter dem modernen Container-Frachtverkehr steckt. Mit dem reibungslosen Ablauf von Hafen-Logistik weltweit steht und fällt die tägliche Versorgung mit Produkten – seien es die Lebensmittel beim alltäglichen Supermarkteinkauf oder aber wichtige Komponenten, die die Industrie zur Fertigung benötigt. Mehr als 85 Prozent aller weltweit gehandelten Güter werden während ihrer Nutzungsdauer mindestens einmal mit dem Schiff transportiert.

Man könnte die Container-Häfen dieser Welt also durchaus als Herz unseres Waren-Kreislaufs sehen. Und zunehmend auch als Gehirn: Durch den Einsatz smarter IoT-Technologien können die komplexen Prozesse im Hafen noch effizienter gestaltet werden und gleichzeitig die auf Schiffen bereits vorhandenen Kommunikations-Technologien und Sensoren besser genutzt werden.

Diese zunehmend vernetzten Schiffe kommunizieren – ähnlich wie selbstfahrende Autos – miteinander, um Kollisionen zu vermeiden. In einigen Jahren möchte der Hafen Rotterdam solche Zukunfts-Schiffe abfertigen. Um diesen Meilenstein zu erreichen, arbeiten der Hafen Rotterdam und IBM zusammen:

Vincent Campfens, Business Consultant at Port of Rotterdam und Charles Dekker, Managing Consultant Defense and Security schreiben dazu auf dem IBM THINK Blog:

„Um uns auf diesen Meilenstein vorzubereiten, statten wir unser 42 km langes Hafengelände, das sich von der Stadt Rotterdam bis zur Nordsee erstreckt, mit der IoT-Technologien von IBM und IBM Cloud aus. Unsere Digitalisierungsinitiative umfasst zahlreiche Elemente, die alle darauf abzielen, den Hafen Rotterdam zum intelligentesten vernetzten Hafen der Welt umzugestalten.

Digitaler Zwilling des Hafens

Mithilfe von IBM IoT erstellen wir einen digitalen Zwilling des Hafens – eine exakte digitale Nachbildung unseres Betriebs, die alle Ressourcen im Hafen Rotterdam widerspiegelt und Daten zu Schiffsbewegungen, Infrastruktur, Wetter, Geografie und Wassertiefe mit hundertprozentiger Genauigkeit verfolgt.“

Passend zur maritimen Umgebung gibt es nicht nur einen digitalen Zwilling, sondern auch digitale Delfine: Dazu nochmal Campfens und Dekker:

„Mit IoT eröffnen sich uns unzählige bahnbrechende Möglichkeiten. In einem weiteren Teil der IBM IoT Connecting Services-fähigen Digitalisierungsprojekte setzen wir „digitale Delfine“ ein. Dabei handelt es sich um intelligente Kaimauern und mit Sensoren ausgestattete Bojen, die das Laden und Löschen von Schiff zu Schiff unterstützen und mit einem Zeitstempel versehene Daten über ihren Status und ihre unmittelbare Umgebung generieren. Diese digitalen Delfine bieten Einblicke in den Zustand und die Nutzung eines Liegeplatzes sowie in die Wasser- und Wetterverhältnisse in der Umgebung.“

Auch die Wetter- (und in diesem Fall auch sehr relevant: Wasser-Vorhersage) werden auf ein neues Level gehoben: Kombiniert mit IoT-Sensoren und Augmented Intelligence (AI) können genaueste Daten zu Temperatur, Wind und Wassergegebenheiten getroffen werden, um somit etwa den optimalen Zeitpunkt festzulegen, zu dem ein Schiff einlaufen sollte.

Im Hafen Rotterdam finden IoT und Augmented Intelligence Anwendung. Copyright: Hafen Rotterdam

Und last but not least: 3-D-Druck: Im Hafen Rotterdam gibt es außerdem ein neues Forschungs- und Entwicklungslabor in den Werften. Dadurch können hochwertige technische Ersatzteile bei Bedarf sofort hergestellt werden.

Diese Beispiele zeigen, wie sich Häfen und die damit verbundene Logistik zum Vorreiter der digitalen Transformation und des Internet of Things machen. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Blockchain den internationelen Handel unterstützen kann – hier noch eine Lesetipp, zum Joint Venture von Maersk und IBM.

alle Fotos Copyright: Hafen Rotterdam

 

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