Warum Amazon das neue Microsoft wird – und warum Sprachassistenten nur natürlich sind (Die CIO Perspektive)

Alexa wird zum neuen Windows, zum Betriebssystem unseres Heims und Autos und hält auch – so Firmen mit amerikanischer Blauäugigkeit unter Negierung von Datenschutz Alexa einfach einführen – Einzug in Unternehmen. Die Erfolgsformel erinnert in vielerlei Beziehung an den Siegeszug von Microsoft Windows. Mike Elgan  von CIO New Zealand dröselt es hier schön auf:

Here’s the Alexa formula for dominating the virtual assistants category:

  1. Forget written text; focus entirely on spoken-word interaction
  2. Sell a wide range of hardware devices usable by everyday consumers
  3. Strongly encourage and incentivize third-party integrations via the Alexa Skills Kit
  4. Strongly encourage third-party hardware integration through its Development Kits for the Alexa Voice Service
  5. Strongly encourage enterprise adoption by way of the Alexa for Business program

The Alexa formula implies that it’s not necessary that a virtual assistant or chatbot does everything, or that it beats competitors on a technical level. What’s important is that it is available instantly everywhere.

via Why Amazon is the new Microsoft – CIO New Zealand

Für mich entscheidend: Amazon ist es wie damals Microsoft jetzt gelungen, viele Partner zu gewinnen, die über die dokumentierte APIs Lösungen (Alexa Skills) für und rund um Alexa bauen. Und Amazon unterstützt auch die Integration von Hardware von Drittanbietern. So ist schon ein beeindruckendes Ökosystem entstanden, ein Marktvorsprung, der von Apple und Co. kaum noch aufzuholen sein wird. Apple ist im Gegensatz zu Amazon immer noch primär auf den Verkauf der eigenen Hardware fokussiert, benötigt für seinen Home Kit immer ein steuerndes Apple-Gerät und öffnet Siri nicht in gleicher Weise wie Alexa für Partner.

Doch was kümmert das einen CIO, ob die Echo-Geräte überall in den privaten Haushalten stehen?  Ist doch egal, oder? Ich muss etwas ausholen: Sascha Lobo führt es in seinem Podcast aus meiner Sicht absolut korrekt aus: Sprache ist die natürlichste Art, wie wir kommunizieren. Wenn wir nun unsere “Systemen” vom Fernseher über Kühlschrank bis hin zum Auto und eben auch Computerprogramme per Sprache sagen können, was zu tun ist, hat dies einfach einfach – wie es Sascha nennt – den entscheidenden Convenience-Faktor. Sprache wird sich – weil es so einfach und natürlich ist – als “Eingabemedium” in vielen Einsatzgebieten durchsetzen.

Und die Anwender gewöhnen sich daran, denn daheim sagen sie ihren Geräten per Alexa, was die tun sollen. Dieser Gewöhnungsfaktor darf keinesfalls unterschätzt werden. Erinnern wir uns: Die private “Gewöhnung” an das iPhone hat die Apple-Geräte erfolgreich in die Unternehmen getrieben. Heute ist das iPhone als Telefon in Firmen nicht mehr wegzudenken. Ähnliches könnte, ja wird wohl auch mit Alexa geschehen.

Und Amazon versucht natürlich zudem, über sein Alexa for Business-Programm Geräte und Lösungen in Unternehmen zu platzieren. Und die US-Presse jubiliert! In keinem der Beiträge durchaus seriöser US-amerikanischer IT-Publikationen zum Thema Alexa for Business, die ich gelesen habe, wird auch nur ansatzweise auf das Thema Datenschutz eingegangen. Nirgendwo wird die Frage gestellt, wo die Daten gespeichert werden, die Alexa einsammelt, wenn beispielsweise Videokonferenzen in Unternehmen darüber geführt werden.

Angesichts dieser typisch amerikanischen Blauäugigkeit – man mag fast von Ignoranz sprechen – muss man davon ausgehen, dass Alexa for Business in den USA nicht aufzuhalten sein wird. Ob es dann noch in Europa oder Deutschland stoppen kann, mag ernsthaft bezweifelt werden. Aber vielleicht wird ja auch noch die leidige Frage des Datenschutzes geklärt. Schauen wir mal. Einen potentiell wichtigen Aspekt möchte ich hier auch nicht verheimlichen: Amazons Alexa und Microsofts Cortana sollen miteinander verzahnt werden. Welchen Einfluss das haben könnte, wird durchaus unterschiedlich interpretiert, sollte aber auch im Blick behalten werden.

Ich möchte es auch hier nochmals klar schreiben: Es geht nicht darum, die Sinnhaftigkeit von Sprachassistenten und Sprache als “Eingabemedium” in Frage zu stellen. Sprache ist die natürlichste Form zu kommunizieren und wird sich zu Recht durchsetzen. Es geht darum, dass die notwendigen, unverzichtbaren Rahmenbedingungen stimmen und transparent sind. Was geschieht mit meinen Daten? Wo werden sie gespeichert? Von wem können sie eingesehen oder genutzt werden? Wie kann ich meine Daten schützen? Das sind beispielsweise  die Fragen, die dringend geklärt gehören – privat und für Unternehmen. Ich möchte hier – und das nicht nur, weil ich IBM’er bin – darauf verweisen, dass man wie eben IBM seine Prinzipien im Umgang mit Daten durchaus transparent publizieren kann – und sollte. Genau das sollten auch besagte Unternehmen tun.

(Stefan Pfeiffer)

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