Agil Arbeiten Teil 1 – Das Manifest, das Agil möglich macht

Nach langem hin und her habe ich einen guten Aufhänger gefunden. Er kann zumindest einen Eindruck liefern, dass Agil ein notwendiger Schritt für digitale Unternehmen und Organisationen ist. Die Herausforderungen, die die digitale Welt und ebenso die digitale Transformation mit sich bringt, sind mit klassischen Herangehensweisen nicht mehr lösbar, da sie auf behindernden Prinzipien fußen:

  • Kontrolle
  • Ungleichheit der Beteiligten
  • Kommando und Unmündigkeit
  • Reaktives Handeln
  • Fremdbestimmtes Handeln

Sicherlich sind bis zum Zeitpunkt der Digitalisierung die klassischen Methoden, funktionelle gewesen, ich will hier nicht von erfolgreich sprechen, denn sie haben nur Erfolg für wenige gebracht. Die alten Methoden und Prinzipien haben vor allem eine entmündigte Welt geschaffen. Kann man auch in diesem Zusammenhang hier nachlesen: Agilität ist kein Geisterwerk.

Menschen auf Augenhöhe

Um die Errungenschaften der alten Welt den Menschen wieder abzuringen, müssen wir also wieder die Richtung Mensch und Selbstständigkeit als Struktur von Organisationen und Unternehmen ermöglichen.

Wir müssen nicht befähigen, sondern ermutigen.

Wir müssen nicht anleiten, wir müssen erlauben.

Wir dürfen nicht unterdrücken, sondern müssen laufen lassen.

Wir dürfen uns nicht über die stellen, die mit uns arbeiten.

Wir müssen jeden in unserem Team Mündigkeit zugestehen.

Das sind keine unmöglichen Schritte, sondern einfach Hürden, die wir in den letzten Jahrzehnten in unseren Köpfen und im Miteinander aufgebaut haben. Wir haben uns über unsere Kolleginnen gestellt und bestimmt, dass sie dies und das lernen sollen, dass sie nur so viel verstehen, wie wir ihnen zugestehen. Wir sind die Behinderung für sie gewesen. Die Hierarchisierung nach Wissen, Fachkönnen und Einfluss hat diesen Graben gezogen und mit jeder Generation vertieft. Doch wir haben die Chance, genau diesen Graben wieder zuzuschütten.

Chance durch das Agile Manifest

Dieses Manifest ist der Beginn des Neudenkens und der Begegnung und Auflösung von Komplexität, die wir uns selbst geschaffen haben. Die Entscheidung der Verfasser des Manifest war eine einfache: Wir machen es einfach und helfen den anderen damit.

Sich das Manifest einfach einmal vor Augen zu halten schafft schon eine erhellende Einsicht zum Thema Agile. Es geht nicht um die selbstlose Aufgabe der eigenen Person oder dem altruistischen Weitergeben von Werten und Wissen, es geht vor allem darum, schneller, besser und gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. aus heutiger Sicht also die schnellere, bessere und sich verbessernde Arbeitsweise.

Ursprung Softwareentwicklung und Zukunft der Arbeit im Allgemeinen

Sicherlich kann man sagen, dass der Ursprung in der Software Entwicklung liegt und das diese ganz anderen Ansprüche als unsere tägliche Arbeit hat. Aber man kann es auch aus dem Blickwinkel der zeitlichen Entwicklung betrachten: Softwareentwicklung hat sich schneller als übliche Arbeit komplexen Systemen und Herausforderungen stellen müssen und musste an diesen wachsen und sich weiterentwickeln. Unsere tägliche Arbeit kommt an diesen zeitlichen Punkt erst mit der digitalen Weiterentwicklung von Organisationen. Wir haben also mit unserer Arbeit den Zeitpunkt erreicht, den die Softwareentwicklung vor gut 10 Jahren erreicht hatte. Also können wir doch in guter Good Practice Manier, die erfolgreichen Muster übernehmen und für uns anwenden.

“Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln,
indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen.
Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden,
schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.” (http://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html)

Einfach und klar – 12 Prinzipien

So klar und einfach, wie die vier Punkte hier stehen, so einfach und klar ist es, welche Möglichkeiten sie bieten. Die vier Punkte sind die Eckpfeiler nach denen sich Agile als Arbeiten aufstellt. Aus diesen vier Eckpfeilern lassen sich 12 Prinzipien formulieren, die die Nutzer und Praktiker von Agile in ihrer Arbeit bestärkt, diese ermöglicht und voranbringt.

Vor allem schaffen die 12 Prinzipien es, dass wir komplexe Herausforderungen in komplizierte wandeln können und das Komplizierte durch stätige Iteration/Anpassung meistern können.

  1. Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufrieden zu stellen.
  2. Heisse Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
  3. Liefere funktionierende Software regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne.
  4. Fachexperten und Entwickler müssen während des Projektes täglich zusammenarbeiten.
  5. Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.
  6. Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
  7. Funktionierende Software ist das wichtigste Fortschrittsmaß.
  8. Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.
  9. Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.
  10. Einfachheit — die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren — ist essenziell.
  11. Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.
  12. In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.*

* (http://agilemanifesto.org/iso/de/principles.html)

Diese Prinzipien, ohne sie kommentieren zu wollen, machen Agile aus. Bis hierher haben wir weder von Methoden noch von Ansätzen und Vorgehen von Agile gesprochen. Bis zu diesem Punkt haben wir uns mit der notwendigen Grundvoraussetzung von Agile beschäftigt. Diese Grundsätze sind immanent. Ohne sie geht es nicht und wer es so nicht machen will, der wird weiterhin weit weg von Agile und Agilen Methoden arbeiten. Diese Grundlage schafft, denn Eingangs angeführten notwendigen Perspektiv- und Handlungswechsel für alle Menschen.

Das Agile Manifest ist der erste Schritt in eine größere Welt der Zusammenarbeit, Arbeit und Weiterentwicklung. Es ist der Schlüssel für die Tür. Ob wir die Räume hinter dieser Tür nun Kanban, SCRUM oder Working out Loud nennen, ist erst einmal nicht von Bedeutung. Wir müssen zu allererst den Schlüssel benutzen, ansonsten sind die Räume hinter der Tür nicht zugänglich.

In den weiteren Blogposts möchte ich gerne auf die 12 Prinzipien eingehen und deren Verbindung für Denken, Handeln und Machen aufzeigen sowie die unterschiedlichen Ausprägungen von Agile näher betrachten. Es soll keine Wertung entstehen. Vielmehr möchte ich eine Handreiche anbieten, die alle mitnimmt und Missverständnisse beseitigt. Also dranbleiben und lesen.

3 comments

  • Wenn man es schon benutzt, dann sollte man es auch zitieren: die ganz oben genutzte Grafik ist ein Ausschnitt aus Dave Snowden’s grandiosem Cynefin Framework. Der Artikel erinnert mich auch ansonsten an Dinge, die ich schon mal woanders gesehen habe. Zum Glück ist es keine Doktor-Arbeit. Sonst wäre der Titel zumindest gefährdet.

    • Sebastian Thielke

      Danke Peter für den Input. Sicherlich hätte ich meine Mitschrift aus dem SCRUM Master Kurs richtig zitieren können. Und ja, es ist das entsprechende Diagramm von Snowden. Für mich war einfach wichtig, dass bei aller Innovationen und nach vorne treiben auch immer wieder mal die Basics angeschaut werden müssen. Und so ist es auch im Bereich Agil. Sicherlich ist es keine neue Erkenntnis aber vielleicht für viele eine Auffrischung oder der erste Kontakt mit der Materie jenseits von Buzzwords und Bullshitbingo in Workshops. Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir in den meisten Fällen von agilen Umsetzung eher die gefährlichen Hybriden vor uns, die Agil vorgeben aber in Wahrheit klassische Wasserfälle sind – SCRUM-Waterfall. Also vielleicht nicht die Innovation suchen aber die Erinnerung und Rückblende wiederfinden.

  • Pingback: Agil Arbeiten 2 - Teamverträge und Grundlagen für agiles Arbeiten -  CIO Kurator 

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