Prognose zum Jahresbeginn: Weg von der einen großen Cloud zur hybriden Multi-Cloud

Am Ende eines Jahreswerden immer Prognosen gestellt. Hier nun einige Zitate aus Beiträgen, die sich mit dem Thema Cloud auseinandersetzen. Steve Ranger nimmt auf ZDNet den Trend auseinander, dass aufgrund lokaler Gesetze immer mehr Cloud-Datencenter in den jeweiligen Ländern und Regionen eingerichtet werden, die oft auch nur von Staatsangehörigen aus diesen Ländern verwaltet werden dürfen. Die kürzlich veröffentlichten Ankündigungen der IBM gehen ja eindeutig in diese Richtung.

The idea of one big cloud is being replaced with smaller clouds, shaped by local laws and needs, while consultants warn of ‘digital fragmentation’.

via Cloud computing: Getting bigger but more complicated too | ZDNet

Die ursprüngliche Vision von der einen großen Cloud, in der es egal ist, wo die Services laufen und Daten gespeichert werden, zerbrösele zusehends. Diese führe weg von der großen zentralen Cloud hin zu viele kleinen Clouds. Natürlich warnt da der ein oder andere Analyst vor digitaler Defragmentierung.

William Fellows, VP bei 451 Research sieht es dagegen durchaus positiv: “It’s proliferation not fragmentation”, Befruchtung statt Fragmentierung und die Analysten erwarten dadurch weiteres Wachstum, bei dem 60 Prozent der Workloads 2019 in einem gehosteten Cloud Service laufen würden. Heute sind wir bei 45 Prozent. Es wird keine “one cloud to rule them all” geben. Die hybride Cloud mit Multi-Cloud-Umgebungen sind und werden Realität.

Auf Forbes warnt Craig McLuckie vor der Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen Anbietern in der Public Cloud. Die Vorteile einer cloud-basierten, virtualisierten Infrastruktur können enorm sein. Auf den ersten Blick sehe die Infrastruktur sehr ähnlich aus mit der virtuellen Maschine als rechnerischer Basiseinheit. Unter der Oberfläche gäbe es jedoch wichtige Unterschiede zwischen einer Amazon-, einer Microsoft- oder einer Google-Infrastruktur. Zwar sei es vergleichsweise einfach, eine Anwendung von einem virtuellen Format in ein anderes zu überführen, jedoch nutze jeder Anbieter verschiedene, manchmal proprietäre Services, um die Anwendungen zu kontrollieren und Applikationen in ihren respektiven Umgebungen zu verbinden. Das sei die Stelle, wo ein Vendor Lock-In, die erwähnte Abhängigkeit entstehe.

McLuckie rät dazu, flexibel zu bleiben und auf verschiedene Cloud-Anbieter, also eine Multi-Cloud zu setzen. Ein solcher Ansatz habe schon in der Vor-Cloud-Ära bewährt, auch um eine gute eigene Verhandlungsposition zu behalten. Angesichts der Ausfälle bei verschiedenen Cloud-Anbietern in diesem Jahr sei auch unter diesem Aspekt eine Multi-Cloud-Strategie empfehlenswert. Zudem solle man wo immer möglich, auf Open Source-Technologien setzen, die zentral für das Wachstum und die Einführung virtueller Applikationen und Infrastrukturen seien und die Entwicklung und Migration in die Public Cloud beschleunigt hätten.

Frameworks wie Kubernetes, die die technischen Details und Spezifika der Cloud-Infrastruktur von den Anwendungen trenne, seien empfehlenswert, um eine eine universelle, Infrastruktur nutzen zu können. Dies sichere deutlich höhere Unabhängigkeit. Erhöhte Vorsicht sei bei allen Services geboten, die das beschriebene Risiko der Abhängigkeit von einzelnen Anbietern beinhalteten. All dies mache auch deutlich, dass es husch-husch in die Cloud gehe, sondern man auch jenseits technologischer Überlegungen organisatorische Vorschriften, Prozesse und Trainings planen und bedenken müsse.

(Stefan Pfeiffer)

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