CIO Kurator 

Die Oppermann-Pfeiffer-Sohn-Kontoverse zur Zukunft der Arbeit: Es gibt keine Naturgesetze in der Ökonomie

Mit Blick auf die von mir angeführte Schumpetersche Kritik möchte PAC-Analyst Andreas Stiehler in der Pfeiffer-Oppermann-Sohn-Kontroverse über neue Arbeitswelten noch einen Schritt weitergehen:

“Denn für ‘aus der Zeit gefallen’ mit Blick auf den zu gestaltenden digitalen Kapitalismus halte ich weniger die Diskussionen über New Work als vielmehr das bei vielen Protagonisten noch vorherrschende, im Industriekapitalismus geprägte Silo- oder Abteilungsdenken. Stefan Pfeiffer wünscht sich den CIO als Coach und Enabler von Kollaborationswerkzeugen. Axel Oppermann fordert, dass sich die IT, weil sie das mit dem Coaching und Enablement nicht wirklich hinbekommt, besser (wieder) der Automatisierung zuwendet. Die New-Work-Evangelisten, darunter immer mehr HRler, propagieren wiederum neue Arbeitswelten und Formen der Zusammenarbeit – nehmen dabei die IT aber maximal als Randerscheinung wahr. Die Modernisierung von Arbeitsumgebungen gelingt aber weder als reines IT- noch als HR-Projekt, sondern nur als unternehmensweites Transformationsprogramm. Dazu aber müssen die Protagonisten die angestammten Echoräume verlassen. Anstatt Kleinkriege à la ‘Automatisierung vs. Kollaboration’ zu führen, sollten wir besser über die Herangehensweise debattieren.”

Wer im Zuge des digitalen Wandels tatsächlich neue Arbeitsweisen und Abläufe realisieren möchte, der sollte zunächst eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit in Gang setzen und hierbei auch die Mitarbeiter als wichtigste Adressaten einbinden. Und um in dem dynamischen und zunehmend agilen Umfeld komplexe Vorhaben wie die Workplace-Modernisierung erfolgreich zu stemmen, müsse man sich ein Stück weit von klassischen Projekt- und Change-Management-Ansätzen lösen, so Stiehler.

“Statt Wasserfallmethodik scheint vielmehr eine iterative Umsetzung und der Einsatz agiler Methoden für Planung, Entwicklung und Einführung angezeigt. Anders als Axel Oppermann glaube ich durchaus, dass hier Design Thinking greifen kann. Immerhin hilft die Methode dabei, die Mitarbeiter als eigentliche Adressaten der Workplace-Modernisierung schon während der Design-Phase in den Fokus zu rücken sowie im Rahmen eines interdisziplinären Austausches relevante Use Cases zu identifizieren”, schreibt Stiehler im QSC-Mittelstandsblog Digitales Wirtschaftswunder.

Die durch Oppermanns Kritik ausgelöste Diskussion um den Digital Workspace müsse geführt werden. Allerdings sollten die hier angesprochenen IT-Verantwortlichen die Kritikpunkte nicht zum Anlass nehmen, nur vom Kollaborations-Hype auf den Automatisierungs-/AI-Hype umzuspringen.

In Abgrenzung zur Position von Oppermann muss ich noch anfügen, dass es kein Naturgesetz in der Ökonomie gibt, das zu seinem Szenario führt. Da kann er noch so viele Studien zitieren. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können. Was kann man ändern jenseits der Erbsenzählerei, die sich in Algorithmen, ceteris paribus-Formeln und sonstigen von Menschen gemachten Rechenexempeln und Methodiken verstecken?

Der Mensch ist viel mehr als die Summe von Daten, die die Wirklichkeit gewichten und somit manipulieren. Es gibt in der Ökonomie keine störungsfreie Laborsituation.

„Die Wirklichkeit wird durch qualitative Entscheidungen bestimmt“, sagt der Naturwissenschaftler und ZDF-Moderator Harald Lesch.

Mit den Methoden der Himmelsphysik, wo im luftleeren Raum alles funktioniert, kommen wir in Wirtschaft und Gesellschaft nicht weiter. Jeder ist gefordert, seine Entscheidungen zu begründen und sich nicht hinter Formeln, Managementmoden, Studien, Methoden, Kennzahlen, Rankings, aufgeblähten Umsätzen und Renditen zu verstecken. Technokratische Metaphern und Begriffshubereien sind ein bequemer Ersatz für das Denken.

Wir sollten viel mehr darüber reden, was für qualitative Ziele wir erreichen wollen. Danach können wir über Werkzeuge, Mittel und Methodiken sprechen. Es sind Wertentscheidungen, die wir treffen. Es gibt keinen Determinismus im wirtschaftlichen Kontext. Die Debatte wird also fortgesetzt, Andreas Stiehler.