CIO Kurator 

E-Government: Wann kommt der digitale Staat?

Behördengänge kosten uns Bürger meist viel Zeit, Geduld und Nerven. Abgesehen von den sehr eingeschränkten Öffnungszeiten hat wohl kaum ein Erwerbstätiger die Muse, ein bis zwei Stunden für ein Anliegen auf dem Amt zu warten. Fast alle Deutschen wünschen sich, in Zukunft Behördengänge online abwickeln zu können. Die Realität sieht allerdings leider ganz anders aus.

Digitale Transformation der Verwaltung

Der E-Government Aktionsplan der EU folgt der Devise „Digital First”: Das heißt, öffentliche Verwaltungen sollen ihre Dienstleistungen vorzugsweise digital erbringen. Kein Nummern-Ziehen mehr, keine lästigen Wartezeiten, keine rigiden Öffnungszeiten. Zur „Digital First“-Strategie gesellt sich das “Once-Only”-Prinzip, nach dem Daten ausschließlich einmalig an die Behörden übermittelt werden sollen und dann mehrfach verwendet werden können. Dass die deutschen Behörden im Gegensatz zu Österreich und der Schweiz leider noch sehr viel Aufholbedarf haben, zeigt sich auch in diesem Jahr wieder in der Umfrage des E-Government-Monitors. Die digitalen Angebote des Staates hinken hinter den sich weiterentwickelnden Nutzenerwartungen her.

So berichtet Klaus Vitt, Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik und Staatssekretär im Bundesministerium des Innern:

„In den letzten Jahren sind viele Anstrengungen zur Modernisierung der Verwaltung unternommen worden, aber nicht flächendeckend und nicht konsequent genug. Das bestätigen auch die diesjährigen Zahlen des eGovernment Monitor zur Akzeptanz und Nutzung von digitalen Behördenleistungen. Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich sogar ein leichter Rückgang der Nutzung feststellen. Die Barrieren für E-Government werden offensichtlich zu schleppend abgebaut. Das wollen wir ändern.“

Ergebnisse der Befragung zum E-Government

Die Deutschen wollen endlich ein funktionierendes E-Government, tatsächlich nutzen tun es momentan allerdings nur 41 Prozent. Damit ist die E-Government-Nutzung in Deutschland sogar rückläufig. Zu diesem Ergebnis kam die jährlich durchgeführte Umfrage des E-Government-Monitors, bei der 3.000 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden. Zum Vergleich: In Österreich verwenden bereits 74 Prozent Digitale Verwaltungsdienstleistungen.

Die vorhandenen Angebote im Bereich E-Government können in keinem der Länder mit den Bedürfnissen der Bürger Schritt halten: Nur noch knapp die Mehrheit ist in Deutschland mit dem aktuellen Angebot zufrieden. In Österreich und der Schweiz ist die Zufriedenheit knapp höher als in Deutschland.

Der E-Government Monitor kam außerdem zu dem Ergebnis, dass den Onlinern eine schnelle Reaktionszeit am wichtigsten erscheint: Je nach Anliegen sollen Anträge innerhalb von ein bis drei Tagen erledigt werden. Auf Rang zwei folgt die Möglichkeit einer Online-Terminvergabe und dadurch die Vermeidung von Wartezeiten auf dem Amt. Platz drei belegt die Existenz einer einzigen Anlaufstelle im Internet, beispielsweise im Sinne eines zentralen Portals.

In punkto Datenschutz und Datensicherheit bestehen immer noch große Bedenken: Mangelnde Sicherheit bei der Datenübertragung (55 Prozent), Befürchtungen im Hinblick „gläserner Bürger“ (55 Prozent) und Angst vor Datendiebstahl (54 Prozent) halten die Befragten von der Nutzung von E-Government-Diensten ab. Insgesamt nehmen die Bedenken wieder zu, jüngere Bürger zeigen sich allerdings offener, Daten preiszugeben.

Ein funktionierendes E-Government könnte den deutschen Bürgern 84 Millionen Stunden Zeit sparen. Aber nicht nur die Zeitersparnis ist immens, sondern auch die Kostenersparnis: Laut einer bisher unveröffentlichten Studie von PwC, die das Handelsblatt zitiert, könnten Unternehmen pro Jahr eine Milliarde Euro Verwaltungskosten sparen. Die Verwaltungen selbst könnten 3,9 Milliarden Euro jährlich sparen.

Verwaltungen aller Länder, digitalisiert euch!