“The key to management is to get rid of the managers”

“The key to management is to get rid of the managers”

via Is the age of management over? | World Economic Forum

So zitiert Andrew Chakhoyan auf dem World Economic Forum Ricardo Semler, dessen TED Talk sich rasant verbreitet und Begriffe wie “Industrial Democracy” and “Corporate Re-engineering” geprägt hat. Zwar sei für die Mehrzahl der Arbeit immer noch die traditionelle Organisationsstruktur am besten, jedoch könnten die neuen High Tech-Unternehmen in der heutigen VUCA-Welt (Volatility = Unbeständigkeit, Uncertainty = Unsicherheit, Complexity = Komplexität und Ambiguity = Mehrdeutigkeit) die Vorreiter eines nicht hierarchischen Modells werden.

Zwar müsse man weiter inkrementale Fortschritte erzielen, sich laufend verbessern und Prozesse optimieren, doch dies genüge im Zeitalter der Disruption nicht mehr. Hier brauche es das, was er “Intrapreneurship” nennt, Ideen die in und aus der eigenen Organisation generiert werden. Dem stünden jedoch oft die eigenen Strukturen und der Komplexität entgegen, gerade wenn ein Unternehmen erfolgreich gewachsen sei. Ich würde hinzufügen: Gerade wenn ein Unternehmen einmal erfolgreich war, sich Hierarchien, Strukturen und formale Prozesse gebildet haben, die mit Händen und Füßen verteidigt werden, hat man dieses Problem.

Patty McCord von Netflix wird zitiert:

“Over the years we learned that if we asked people to rely on logic and common sense instead of on formal policies, most of the time we would get better results, and at lower cost.”

via Is the age of management over? | World Economic Forum

Management heute wird – so Chakoyan – als der Prozess beschrieben, Dinge und Personen zu kontrollieren. Leute zu kontrollieren, sei aber absolut kontraproduktiv, wie auch Steve Jobs schon festgestellt habe:

“It doesn’t make sense to hire smart people and then tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.”

Nun ja, ob Steve Jobs wirklich so hierarchiefrei gemanagt hat, sei einmal dahingestellt. Die generelle Herausforderung bleibt aber.

In unserer vierten industriellen Revolutuon werde die Arbeit, die früher so gerne überwacht wurde, immer mehr an Algorithmen und Roboter übertragen. Die nicht-standardisierbare, kreative und experimentelle Arbeit auf der anderen Seite, sei nicht unbedingt “managebar” und kontrollierbar, so Chakoyan. Das bisherige Strategie-Verständnis sei im Zeitalter von ständiger Unsicherheit und latentem Wechsel und Wandel veraltet. Jeder Pfeiler der traditionellen Organisation sei in Bewegung, wie es Tanmay Vora visualisiert hat:

Der Status Quo werde verteidigt, was sich schon am Vokabular zeige: Direktoren geben Direktiven, Präsidenten präsidieren und Manager managen. Nur bringe dies nicht mehr den alten Mehrwert (Ich füge hinzu: So es jemals großen Mehrwert hatte). Es wundert nicht, dass auch Chakoyan die derzeit oft diskutierten Ansätze von Design Thinking bis zu der Notwendigkeit, multidisziplinärer Ansätze und agiler Teams zitiert.

Chakoyan führt dann den neuen Manager ein, der ein “Context Curator” sein müsse. Seine Aufgabe sei nicht das traditionelle Kontrollieren der Mitarbeiter, sondern eher ein Coaching und Motivieren der Teams. Er müsse den Geschäftskontext  und das Umfeld schaffen, in dem die kreativen Geister wirken können.

Meine 2 Cents: Hehre Worte, die ich voll unterschreibe. Und das mag in kleineren Unternehmen auch einfacher zu realisieren sein. In gewachsenen Unternehmen, wo jeder Manager sein Position und sein Macht mit Händen und Klauen verteidigt, dürfte das bis auf wenige Kreativinseln schwer zu realisieren sein. Welche Unternehmen schaffen es schon, bestehende Hierarchiestufen wirklich abzubauen? Nichts ist beständiger wie Controlling, Reporting und Manager, die sich darüber definieren und ihren Job darüber verteidigen.

Der CIO wird sich jedoch aus meiner Sicht mit dieser neuen Art zu managen befassen müssen, denn er braucht in der digitalen Transformation mit den entsprechenden Projekten und Technologien genau die beschriebenen multidisziplinären, hierachiefreieren Teams, um wirklich und schnell erfolgreich sein zu können und der digitalen Geschwindigkeit des ständigen Wandels Stand halten zu können.

(Stefan Pfeiffer)

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