Gartner 2020 Vorhersage : Künstliche Intelligenz schafft Jobs … und ergänzt menschliche Arbeit und Intelligenz

Als ob es abgesprochen gewesen wäre. Am gestrigen Tag habe ich zum Thema künstliche Intelligenz, Automatisierung und potentielle Arbeitsplatzverluste geäußert. Und gestern ist dann auch eine Pressemitteilung zum Thema erschienen. Ich fasse einige Kernaussagen zusammen:

  1. 2020 wird das entscheidende Jahr für KI-bezogene Einflüsse auf Arbeitsplätze und künstliche Intelligenz wird neue Jobs “motivieren”.
  2. Der Einfluss variiert je nach Industrie: Das fertigende Gewerbe wird es am härtesten treffen, während im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst und in der Bildung neue Arbeitsplätze entstehen werden.
    [Man mag mir hier einen skeptischen Blick verzeihen. Gerade in diesen Bereichen herrscht ja eher Jobkürzeritis.]
  3. Eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in mittleren und unteren, meist standardisierbaren Tätigkeiten wird wegfallen. Dagegen werden viele neue Jobs entstehen, die eine gute Ausbildung und tiefes Wissen erfordern.
    [Und hier sind wir wieder beim Thema Bildung, Weiterbildung und Qualifizierung, wo ich persönlich trotz manches Möchtegern-Digitalexperten in der Politik – man ahnt, wen ich meinen könnte – Deutschland noch nicht wieder auf einem guten Weg sehe.]
  4. Es wird zu sehr schwarz-weiß gemalt. Es geht nicht ausschließlich um den Wegfall von Arbeitsplätzen. Es geht oft darum, dass künstliche Intelligenz bestehende Tätigkeiten und Jobs anreichert und erleichtert. Nicht nur Gartner nennt das AI Augmentation oder Augmented Intelligence, wie es Ginni Rometty definiert hat
  5. Svetlana Sicular, Research Vice President bei Gartner, stellt fest: “Unfortunately, most calamitous warnings of job losses confuse AI with automation — that overshadows the greatest AI benefit — AI augmentation — a combination of human and artificial intelligence, where both complement each other. … For the greatest value, focus on augmenting people with AI. Enrich people’s jobs, reimagine old tasks and create new industries.”
  6. Bis 2022 werden einer von fünf Beschäftigten, man könnte vielleicht auch Knowledge Worker schreiben, sich auf künstliche Intelligenz in der Erledigung von Aufgaben verlassen. Hier sind wir beim Thema persönliche Assistenten, das wir schon öfters behandelt haben – und auf das viele von uns sehnsüchtig warten. Craig Roth, Research Vice President bei Gartner: “Companies are just beginning to seize the opportunity to improve nonroutine work through AI by applying it to general-purpose tools. Once knowledge workers incorporate AI into their work processes as a virtual secretary or intern, robo-employees will become a competitive necessity.”
  7. AI Augmentation, die Ergänzung menschlicher Arbeit durch künstliche Intelligenz, wird laut Gartner 2021 $2.9 Milliarden an Geschäftswert generieren und 6.2 Milliarden Arbeitsstunden ersetzen. Gartner rät dazu, bestehende Tätigkeiten nicht einfach durch künstliche Intelligenz zu ersetzen oder zu automatisieren, sondern die Chance zu nutzen, wie sich Mensch und Maschine sinnvoll(er) ergänzen, die jeweiligen Stärken betonen und Schwächen ausmerzen können.

Meine 2 Cents: Man braucht kein Prophet – oder Gartner-Analyst 😉 – zu sein, um vorherzusagen, dass die Diskussion um Automatisierung und künstliche Intelligenz intensiv weiter geführt werden werden. Die beiden Themen hängen schon sehr oft eng zusammen. Dabei sollten wir auch im Auge behalten, dass wir uns immer noch in der frühen Phase künstlicher Intelligenz befinden. Die Erwartungshaltung vieler Unternehmen ist enorm hoch, auch wegen des Marketings der Hersteller. Dabei wird zu oft die technische Komplexität – man nehme nur Spracherkennung (Dialekte, Aussprache, Anzahl der Sprache etc.) -, aber auch der notwendige Aufwand, Systeme der künstlichen Intelligenz zu trainieren, mehr oder weniger bewusst übersehen. Von nix kommt nix. Nur mit “guten Daten” gefütterte gut trainierte Systeme werden wirklich Nutzen generieren. Eines ist aber klar: Der Zug ist nicht mehr aufzuhalten und man sollte drin sitzen. Ob in der 1. oder 2. Klasse oder sogar im Führerhaus sollte die bewusste Entscheidung des jeweiligen Unternehmens sein und das basierend auf einer realistischen Nutzenabschätzung.

(Stefan Pfeiffer)

Kommentare sind sehr willkommen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.