Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung versus Fachkräftemangel und ständige Weiterbildung

Die Übernahme von immer mehr Tätigkeiten durch Roboter und künstliche Intelligenzen und die Notwendigkeit zur Automatisierung werden heutzutage allenthalben – auch hier auf dem CIOKurator – diskutiert. Die Boston Consulting Group stellt in ihrer Analyse zur schönen neuen Arbeitswelt zur Situation Deutschland fest:

Computer und Maschinen werden in Zukunft 40 Prozent aller heutigen beruflichen Tätigkeiten in Deutschland verrichten können. Das bedeutet, dass bis zum Jahr 2025 die Stellen von 7,7 Millionen Beschäftigten von Automatisierung betroffen sind. Das entspricht etwa jedem fünften Arbeitnehmer. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um Geringqualifizierte: Mehr als 60 Prozent der Betroffenen sind Fachkräfte.

via BCG-Studie: Automatisierung betrifft jeden fünften Arbeitnehmer

Kein Wunder, dass vielerorts damit die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes einher geht. Auf der anderen Seite klagen wir aber gerade auch hier in Deutschland über den Mangel an Fachkräften. Die Boston Consulting Group kommt in besagter Analyse zum Schluss, dem deutschen Arbeitsmarkt bis 2030 insgesamt rund sechs Millionen Arbeitskräfte fehlen könnten.

Ginni Rometty, CEO der IBM, hat es auf der Dreamforce so auf den Punkt bringt:

„It has happened if every era of Technology. Some jobs go away and new ones enter. So we just did a study with MIT just finished on average one estimate 10% of jobs go away, but a hundred percent will change because of this era. A hundred percent will change meaning that’s that men and machine working together.“

via Ginni Rometty auf der Dreamforce zu Technologie: “It is our job to ensure, that it’s ushered in in the right way.” –  CIO Kurator 

Manche Jobs werden verschwinden und wegrationalisiert. Aber ganz sicher wird sich jeder Job durch die neuen Technologien verändern. Die Konsequenz ist nur zu logisch, auch wenn sie den Abschied von alten Gewohnheiten und Bequemlichkeiten bedeutet und oft eine neue Dynamik erfordert. Das oft zitierte lebenslange Lernen, Aus- und Weiterbildung, fortlaufende Qualifizierung, vor allem aber die Fähigkeit, Veränderungen konstruktiv anzunehmen, sind mehr denn je gefordert.

Tätigkeiten, Berufsbilder und Berufe haben sich immer geändert. Doch zwei vergleichsweise neue Aspekte kommen ins Spiel: Die Geschwindigkeit, mit der sich eine Arbeit ändert, ist schneller denn je und das stellt sicher eine große Herausforderung an jeden Mitarbeiter dar. Es ist bequemer, im Status Quo zu verharren, statt ständig weiter zu lernen und sich immer wieder neu anzupassen.

Und diesmal betrifft die Automatisierung auch die besser Qualifizierten, ja sogar die Chefetage. Laut McKinsey können Maschinen um die 25 Prozent der Tätigkeiten von CEOs (besser) übernehmen. Es wird besonders interessant sein zu verfolgen, wie die Managementebene(n), genau diejenigen, die ihren Mitarbeitern ja immer die Notwendigkeit zur Automatisierung und Rationalisierung näher zu bringen versuchten, selbst mit der Veränderung ihres eigenen Jobs und dort stattfindender Automatisierung umgehen werden.

Und der Trailer zum Charlie Chaplin-Trailer muss natürlich an dieser Stelle mal wieder sein.

(Stefan Pfeiffer)

8 comments

  • Der massive Wegfall von Arbeitsplätzen fällt derzeit noch nicht richtig auf, weil Automatisierung als Antwort auf den demografischen Wandel positiv besetzt wird. Nur irgendwann sich die menschlichen Jobs weg und die Umgestaltung der Arbeit an sich macht bei den übrigen den Roboter/die KI zum Kollegen bzw. zur Kollegin. 😉

    • Drei Variablen spielen derzeit eine Rolle: Automatisierung, Fachkräftemangel und demographische Entwicklung. Obwohl die Situation derzeit – wenn man die Boston Consulting Group-Zahlen nimmt – vergleichsweise entspannt erscheint, werden wir uns um die Rolle und das Verständnis von Arbeit Gedanken machen müssen.

      • Lieber Stefan,

        ein paar Fragen (anstelle einer Antwort) aus meinen letzten Vorträgen [und auch aus unseren gemeinsamen Diskussionen … 😉 ]:

        – Was ist Arbeit?
        Wir müssen die Frage “was ist überhaupt Arbeit” bereits heute beantworten, denn im nächsten Kondratjew-Zyklus vegetieren Zahllose auf ihren Sofas (bei bedingungslosem Grundeinkommen, Chips und freier Brot-und-Spiele-Fernseh-Beschallung?) vor sich hin. Und sehr viele Menschen definieren sich über ihre Arbeit, ihren damit verbundenen Status, quasi als Sinn ihres Lebens. Von den Abgehängten bei uns und in den anderen Welten, die keine Arbeit oder Beschäftigung haben, mal ganz zu schweigen.
        > Also, [1] wie müssen wir Arbeit neu definieren, wenn wir sie schon mit softwaregestützten Lösungen teilen oder ganz an sie abgeben müssen?

        – Was ist, wenn alles digitalisiert ist?
        Schon heute sind wir in einer 100% Abhängigkeit von Verfügbarkeit und Richtigkeit elektronischer Information. Digitalisierung läuft seit Erfindung des Computers und wir nehmen sie erst jetzt verstärkt wahr, weil das Marketing zugeschlagen hat und wir eine ungeheure Beschleunigung der mit einander verwobenen komplexen Entwicklungen erleben. Dabei werden wir von unnützem Krams überrollt. “Fake”-Informationen gibt es auch innerhalb der Unternehmen, da heißen sie ROT. Und wenn kein Strom da ist, sitzen wir alle richtig im Dunkeln (die Digitalisierung treibt den Strombedarf auf die Spitze – z.B. ein BITCOIN = 3000 $ in Strom – und dann kommen noch die anderen Stromfresser wie E-Autos, E-Rückenmassagekissen usw.
        >> Also, [2] was ist der nächste Hype nach der “Digitalisierung”?

        – Was ist eine Fachkraft?
        Der Fachkräftemangel wird auch gern gestresst. Ausbildungsberufe und Studie kommen fachlich mit der Entwicklungsgeschwindigkeit nicht mit. Und Weiterbildung bleibt auf der Strecke, wenn man erstmal im Stress steckt. Jeder muss eine Art Information Professional sein (oder werden – das hatte ich auch in mehreren Vorträgen, Artikeln und Posts gestresst; https://plus.google.com/u/0/+UlrichKampffmeyer/posts/2qLZmT36idp). Aber reicht das? Alle reden von Digital Natives und setzen große Hoffnungen in die kommende Generation. Aber ist diese Hoffnung nicht vergeblich, wenn diese nur mal eben die Geräte bedienen können, aber nicht wissen was dort eigentlich passiert?
        >>> Also, [3] ist “Wischer” (also auf dem Display rumwischen können) ein Qualifikation, die die Person zur “Fachkraft” erhebt?

        – Lässt sich die künstliche Intelligenz bändigen?
        Werden die asimovschen Computergesetze unlöschbar in die Hardware-Chips kodiert? Können Menschen die von selbstlernenden Systemen (ML Machine Learning) selbst geschaffenen Lösungen überhaupt verstehen und kontrollieren? Software funktioniert anders als menschliche Gehirne (weshalb der Begriff “Intelligenz” in KI/AI auch nicht so ganz passend erscheint). Die Maschinen werden sich selbst optimieren und automatisieren – keine Frage. Auf die Auswirkungen sind wir weder kulturell noch ethisch eingerichtet. Auch das Thema demografischer Wandel wird sich durch immer Älter-werden der Menschen und immer längere Lebensarbeitszeit verändern.
        >>>> Also, [4] kann Software, oder besser, muss Software “human” sein (und auf uns “Rücksicht” nehmen)?

        Eine schöne stressfreie Adventszeit,

        Uli

      • Lieber Uli, lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ist doch mal Zeit für ein Live-Gespräch (oder eine Serie) mit Gunnar Sohn zum Thema bzw. zu den einzelnen Aspekten. Vielleicht ein Vorhaben für das neue Jahr? Dir eine gute Zeit und alles Gute

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  • Ich denke die Variable “Zeit“ spielt noch eine bedeutende Rolle. Wird ein Sachbearbeiter nach 30 Jahren Berufstätigkeit nochmals Elektroniker? Benötigen wir anstatt einer BU Versicherung zukünftig eine “Umschulungsversicherung“?

  • Pingback: THINK: CIO soll Automatisierung treiben - Neue Einheit IBM Automation will mit Services und Software helfen -  CIO Kurator 

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