Deutschland noch im Blockchain-Winterschlaf – 2018 wird sich das ändern #MünchnerKreis

Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial neben dem Finanzsektor auch eine Vielzahl von anderen Branchen zu revolutionieren. Aus diesem Grund befasste sich der MÜNCHNER KREIS auf einer Fachkonferenz mit diesem Thema.

„Da sich Deutschland momentan noch im Blockchain-Winterschlaf befindet, wollten wir mit dieser Konferenz einen Weckruf starten. Die Erforschung von Use Cases, der Austausch von Erfahrungen und das Dazulernen sollen die Müdigkeit vertreiben,“ so Professor Helmut Krcmar, Vorsitzender des Forschungsausschusses des MÜNCHNER KREIS.

Der Hype um Blockchain werde in echte Begeisterung für die Technologie umschlagen und das Jahr 2018 zum Blockchain-Jahr werden. Einig waren sich die Konferenzteilnehmer, dass die Blockchain-Technologie gekommen ist, um zu bleiben, aber dennoch kein Allheilmittel ist und ihre Anwendung wohlüberlegt sein sollte. Blockchain sei wie eine Feier, zeichnete Jonas von Malottki, Daimler AG, ein treffendes Bild, denn je mehr Leute daran teilnehmen, desto besser wird sie.

Im #ChiefTechTalk sieht es Andrea Martin ähnlich:

Doch was ist Blockchain eigentlich genau? Bei Blockchain handelt es sich um ein verteiltes Netzwerk aus Rechnern ohne zentrale Kontrollstelle oder Autorität. Sie sind in einer Blockchain nicht notwendig, da das verteilte Netzwerk die durchgeführten Transaktionen selbst verifiziert. Dies gilt als zentrale Innovation der Blockchain-Technologie. Wenn eine Transaktion im Netzwerk zwischen zwei Parteien erfolgen soll, konkurrieren die Knoten im verteilten Netzwerk, um einen mathematischen Beweis zu lösen, der diese Transaktion auch im Transaktionsregister aller Knoten im Netzwerk speichert. Eine Transaktion kann anschließend nicht mehr aus dem Transaktionsregister gelöscht oder zurückgenommen werden. Der Verzicht auf eine zentrale Kontrollstelle im verteilten Netzwerk bedeutet eine radikale Umstellung auf
direkte Transaktionen zwischen Nutzern ohne Intermediäre oder Vermittlungsdienste.

Zusammengefasst muss zwischen der Blockchain als Datenstruktur und dem zugehörigen Verwaltungssystem unterschieden werden. Die Datenstruktur einer Blockchain entspricht einer Datenbank, die Einträge in Blöcken gruppiert, welche in chronologischer Reihenfolge über eine kryptographische Signatur miteinander verknüpft sind. Die Blöcke enthalten eine Kopie der letzten Transaktionen seit dem Hinzufügen des letzten Blocks. Somit handelt es sich bei einer Blockchain um ein dezentrales, nicht reguliertes und offenes Transaktionsregister. Das Verwaltungssystem einer Blockchain entspricht einem verteilten Konsenssystem. Da eine Blockchain über keine zentrale Autorität verfügt, muss stets Konsens zwischen den Akteuren im System über den validen Zustand der Blockchain herrschen. Für die Verifikation der Blockchain können unterschiedliche Konsensmechanismen verwendet werden, welche auf Peer-to-Peer Technologien und Verschlüsselung basieren.

Volle Transparenz, die Unabhängigkeit von Intermediären wie Banken, Regierungen oder Notaren und dadurch entstehende Kosteneinsparungen sowie beschleunigte Geschäftsabwicklungen sind die stärksten Argumente für eine Anwendung der Blockchain-Technologie. Darüber hinaus bietet die Technologie eine außerordentlich hohe Sicherheit, die durch Verschlüsselung und dezentrale Archivierung erreicht wird. Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Transaktionen schaffen ein ungemeines Vertrauen in die Innovation Blockchain.

Michael Reuter, Gründer & CCO der Datarella GmbH, stellte ein Blockchain-Pilotprojekt vor, das in Kooperation mit dem World Food Programme (WFP) erarbeitet wurde. Hierbei werden täglich mehrere Tausend Kauf-Transaktionen im Supermarkt eines Flüchtlingscamps in Jordanien über eine Blockchain abgewickelt.

Alles was die Bewohner benötigen ist ein einfaches Feature-Phone, mit dem sie Textnachrichten empfangen können. Mittels einer Identifizierung über einen Iris-Scan kann der Stand ihres Kontos bei WFP geprüft, die Einkäufe direkt damit verrechnet und auf der Blockchain aufgezeichnet werden. So können die Zahlungen viel besser nachverfolgt werden als mit herkömmlichen Gutscheinsystemen und gleichzeitig erhalten die Flüchtlinge Autonomie über die Geldverwendung.

Weitere Anwendungsbeispiele aus der Praxis zeigten, wie vielfältig die BlockchainTechnologie eingesetzt werden kann. Der Energiesektor verändert sich massiv und entwickelt sich vom Monopol hin zu einem demokratischen, dezentralen System, in dem Individuen die Energie produzieren – also vom „Consumer“ zum „Prosumer“ werden – und die selbst erzeugte Energie in einem virtuellen Microgrid-System handeln können. Christoph Schaefers, Robert Bosch GmbH, zählt Blockchain sogar neben künstlicher Intelligenz, Cloud Computing und IoT-Netzwerken zu den vier Technologien, die das „Internet of Things“ (IoT) auf das nächsthöhere Level bringen werden.

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