Über Echtzeit-Diagnostik für chronisch Kranke #CIOKuratorLive

Welche technologischen Möglichkeiten gibt es bei der Echtzeit-Diagnostik für chronisch Kranke? Das erläutert Bernd Altpeter, Gründer und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG), im #CIOKuratorLive Gespräch.

„Die Technik bietet heute Möglichkeiten, Versorgungslücken bei der Patientenbetreuung zu schließen. Wenn der Hausarzt der ländlichen Gegend eine Meinung hat und noch gerne eine fachärztliche Meinung dazu holen würde, dann muss er den Patienten nicht irgendwo hinschicken, über 70 oder 100 Kilometer weit, sondern er kann sich telemedizinisch austauschen, indem Daten transferiert und auch Dialoge zwischen Arzt, Patient und Facharzt organisiert werden. Das sind Themen mit denen wir uns befassen, wir bieten eine technologische Infrastruktur und organisieren über Plattformen den Austausch von Informationen“, so Altpeter.

Das zweite große Thema sei die Betreuung.

„Es geht um Therapie, um Therapieverbesserung, um Adhärenz. Der Patient kann sehr zeitnah darauf hingewiesen werden, wenn er etwas falsch macht. Wenn er beispielsweise nicht konsequent den Blutzucker misst, dann wird das transparent. Dieses konsequente Blutzuckermessen hat zwei Effekte. Der Blutzucker hängt sehr stark mit Ernährung und Bewegung zusammen, diese Kausalität braucht der Patient im Kopf. Wenn man eine Tafel Schokolade isst und anschließend den Blutzucker misst, dann sieht man welchen Effekt das hat und dass man es vermeiden sollte. Der Arzt kann zeitnaher die Therapie anpassen, das ist fast noch entscheidender. Nehmen wir mal das Thema Übermedikation: Der Patient bewegt sich mehr, isst gesünder, bleibt aber bei der gleichen Medikation, dann hat er eine überhöhte Dosis an Insulin, die er gar nicht mehr braucht. Das ist etwas, was die Menschen nicht wollen, es ist auch kontraproduktiv, weil es zu gesundheitlichen Schäden führen könnte. So kann das immer sofort gesteuert werden und damit sind wir besser in der therapeutischen Leistung als wir es noch vor vier Jahren waren“, erläutert Altpeter gegenüber CIO-Kurator.

In der Diagnostik könne man durch Datenanalytik immer weiter nach vorne rücken.

„Da, wo ein normaler Arzt das gar nicht identifizieren kann, können wir über mathematische Ableitungen Risiken und Wahrscheinlichkeiten errechnen. Wir können in einer Dimension unterstützen, wie es der einzelne Arzt gar nicht leisten kann“, betont der DITG-Chef.

Digitale Assistenzsysteme im deutschen Gesundheitswesen leiden nach Auffassung von Altpeter immer noch an steinzeitartiger Infrastruktur.

„Da wird zwar dran gearbeitet, aber bevor wir das nicht haben, müssen wir immer noch zumindest einen Plan B in der Schublade haben. Das muss alles Hand in Hand gehen.“

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