#ChiefTechTalk Blockchain revolutioniert die Ökonomie – Neue Videokolumne mit CTO Andrea Martin

Geschäfte über das Internet abzuwickeln, ist ohne Vertrauensvorschuss praktisch unmöglich. Eigentlich eine profane Erkenntnis. Früher reichte der Handschlag und die Bekanntschaft zum Geschäftspartner. Im Netz sieht das etwas anders aus. Das beschreiben Dan und Alex Tapscott in ihrem Opus „Die Blockchain-Revolution“. Da es der Infrastruktur an der dringend benötigten Sicherheit fehle, haben wir oft keine andere Wahl, Mittler einzuschalten – also Intermediäre.

Im Jahr 2008 war die weltweite Finanzkrise ein günstiger Zeitpunkt für eine Initiative unter dem unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, um ein neues Protokoll für ein Peer-to-Peer-Zahlungssystem unter Verwendung einer Kryptowährung namens Bitcoin vorzustellen.

„Kryptowährungen (also digitale Währungen) unterscheiden sich dadurch von herkömmlichen Fiatwährungen, dass sie nicht von Staaten eingeführt und kontrolliert werden. Das neue Protokoll stellte in Form dezentraler Berechnungen Regelsätze auf, um die Datenintegrität der zwischen Milliarden elektronischen Endgeräten übermittelten Daten sicherzustellen, ohne dass ein vertrauenswürdiger Dritter vonnöten war“, schreiben Don und Alex Tapscott.

Alle zehn Minuten werden alle durchgeführten Transaktionen verifiziert, freigegeben und in einem Block abgespeichert, der sich an den vorausgegangenen Block anschließt, sodass eine Kette entsteht.

„Jeder Block muss sich auf den vorherigen Block beziehen, ansonsten ist er ungültig. Mit dieser Struktur ist dafür gesorgt, dass jeder Wertaustausch dauerhaft mit einem Zeitstempel versehen und gespeichert wird, was erfolgreich verhindert, dass das Hauptbuch geändert werden kann. Wer eine Bitcoin-Einheit stehlen will, müsste ihre gesamte Historie in der Blockchain unter aller Augen neu schreiben und das ist praktisch unmöglich. Somit ist die Blockchain ein dezentrales Hauptbuch, das für einen Netzwerkkonsens über jede einzelne Transaktion steht, die je erfolgt ist.“

Das dezentrale Hauptbuch kann jeder herunterladen und nutzen. Das System ermöglicht den Abgleich digitaler Datensätze über alles Mögliche und das auch noch in Echtzeit. Und es ist unendlich kombinierbar. Etwa mit Sensortechnik und dem Internet der Dinge.

Blockchain ist ein neues, dezentrales und sicheres Betriebssystem für Transaktionen und wird die Ökonomie revolutionieren. Davon ist Andrea Martin, Chief Technology Officer (CTO) von IBM DACH, überzeugt.

„Es ist eine verteilte Technologie, wo jeder, der teilnimmt, auf die gleichen Daten schaut. Das ist etwas Neues, weil bisher jeder seine eigene Datenhaltung in einem Transaktionsnetzwerk hatte“, so Martin in der ersten Folge ihrer monatlichen Videokolumne unter dem Titel #ChiefTechTalk.

Dadurch würden sich neue Geschäftsmodelle, verbesserte Prozesse und ein reduziertes Risiko in der Zusammenarbeit ergeben. Man bekommt im Netz wieder mehr Hoheit über die Daten, eine sichere Verschlüsselung des Datenverkehrs und koppelt sich von den Intermediären ab.

Interesse für dieses Thema entsteht allerdings nur über Use Cases, so Martin. Wie kann man in die Technologie einsteigen?

„Eigentlich gibt es nur einen einzigen Use Case. Mehrere Parteien arbeiten in einem Netzwerk zusammen, um Assets gleichen Typs hin und her zu transferieren.“

Die Kombinatorik und der unterschiedliche Kontext führen zur Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten nach der immer gleichen Logik. Eine Spedition könne beispielsweise in der Liefer- und Kühlkette auf Daten von Sensoren, GPS und anderen Quellen zurückgreifen und genaue Aussagen über Transportbedingungen, Wegstrecke, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vieles mehr machen. Das könnte bei Haftungsfragen relevant werden und auch für die Preiskalkulation interessant sein.

„Ich kann die Lieferung von Ersatzteilen überprüfen und die Echtheit der Ersatzteile feststellen. Everledger sagt mir, wo der Diamant herkommt und wo her hingeliefert wird. Kauf und Verkauf werden transparent und nachvollziehbar bis hin zur Betrugsprävention, der Hinzuziehung der Polizei und Interpol sowie der Beachtung von Menschenrechten“, erklärt Martin im #ChiefTechTalk.

Gleiches gelte bei Medikamenten oder Lebensmitteln. Alle genannten Beispiele seien schon Realität, auch wenn das die breite Öffentlichkeit vielleicht noch nicht mitbekommen hat. Walmart und Co. setzen Blockchain bereits ein.

„Den Tipping Point für diese Technologie hat man schon erreicht“, resümiert Martin.

Ob das die Intermediäre wie Amazon und Co. dauerhaft erfreuen wird, sei dann eine andere Frage. Aber bislang sei jeder disruptive Player irgendwann selbst disruptiert worden. So ist das Leben.

Siehe auch:

Mit Blockchain Lebensmittel sicherer machen – und Leben retten

3 Kommentare

  • Was passiert, wenn eines Tages die Blockchain infiltriert wird? Der Angriff besteht durchaus darin, dass Tausende von Servern mit der gleichen falschen Information versorgt werden. Ein hinreichend mächtiger Apparat kann damit extremen Einfluss auf die gesamte Volkswirtschaft nehmen – es reicht eine entsprechenden (rechtsverbindlich anerkannten) Eintrag in der Blockchain zu erzeugen und die Enteignung eines Individuums ist politisch korrekt erfolgt.
    Wer das für „unmöglich“ hält, hat schon verloren bevor er den Satz zu Ende spricht – genau dies passierte seinerzeit auf die Ethereum Blockchain durch einen Insider (siehe auch).
    https://www.btc-echo.de/trotz-ethereum-hard-fork-weitere-blockchain-angriffe/
    https://www.btc-echo.de/the-dao-ether-hack-analyse/
    http://www.coindesk.com/ethereum-executes-blockchain-hard-fork-return-dao-investor-funds/

    • Um Volkswirtschaften ins Wanken zu bringen, reichen ja schon die grauen Finanzmärkte und undurchsichtige Transaktionen von institutionellen Anlegern aus – haben wir ja 2007 erlebt. Auch das von Dir genannte Beispiel ist bekannt und wird regelmäßig zitiert. Nichts Neues. Unmöglich sollte man gar nichts halten, das wäre naiv. Der Sicherheitsaspekt wäre ein Thema für eine ganze Sendung. Bitcoin und Blockchain-Technologie könnten Kriminelle auch abschrecken. Auch diese dunklen Mächte müssen ihre Bitcoin-Transaktionen in der Blockchain öffentlich machen. Die Strafverfolgungsbehörden können Zahlungen in Bitcoin daher leichter nachvollziehen als Bargeldströme, die noch immer das wichtigste Zahlungsmittel für Ganoven sind. Der alte Watergate-Spruch „folge dem Geld“, wenn du den Gangster finden willst, ist in der Blockchain sogar leichter zu befolgen als bei anderen Zahlungsmethoden. Und welchen mächtigen Apparat meinst Du denn? Greife das gerne auf für weitere Beiträge. In den von Dir benannten Fachbeiträgen haben ja einige Experten ein paar wichtige Anmerkungen zu den Ursachen der Sicherheitsschwächen gemacht. Brauche ich jetzt nicht wiederholen.

    • Und dann noch eine Frage, die Du mir vielleicht beantworten kannst, Lutz. Wer ist einfacher und mit größerer Schadensbilanz angreifbar? Zentralistisch organisierte Intermediäre oder dezentralisierte Systeme?

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