Spiel doch mit den Schmuddelkindern: Box und seine KI-Liaisons mit Google, Microsoft und IBM

Im Segment für Collaboration-Lösungen gibt es neben den etablierten Playern aus meiner Sicht derzeit vor allem zwei Stars: Slack und Box. Es überrascht mich immer wieder, dass die beiden Unternehmen trotz aller hier und da aufkommenden Gerüchte noch immer eigenständig sind. In früheren Jahren – als ehemaliger FileNet-Mitarbeiter weiß ich, wovon ich schreibe – wären sie wohl schon lange geschluckt worden. Die Oracles, IBMs und Microsofts scheinen nicht mehr wie zur damaligen Zeit den großen Appetit zu haben oder aber ihre Mittel woanders zu investieren.

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolge ich Box, da die IBM die Produkte ja wieder verkauft und das Unternehmen es versteht, geschickt Aufmerksamkeit erzeugt und mit den großen Playern wie Google, Microsoft und eben IBM im Bereich künstliche Intelligenz anbandelt. Interessante Liaisons oder Techtelmechtel des Unternehmens, das nach eigenen Angaben von 56% der Fortune 500-Unternehmen, von über 55 Millionen Anwendern und über 75.000 Unternehmenskunden benutzt wird. Besonders die angeblich 100.000 Entwickler große Community wird sich für die neuen Box Skills Set interessieren wird:

Fundamentally, Skills takes advantage of the massive amount of work being done in artificial intelligence and machine learning by IBM Watson, Microsoft Azure, and Google Cloud Platform and puts their APIs to work on enterprise data.

via Box ‘Skills’ will use AI to turn your files into workflows and drive automation – TechRepublic

Über die APIs sollen Funktionen wie Image Intelligenz, Video Intelligenz, Audio Intelligenz – im oben zitierten Artikel wird ein Beispiel mit den IBM Watson Audio Transcription Skill erwähnt – Themenextraktion, Sentimentanalyse, Handschriftenerkennung, intelligente Sicherheit, Entity-Analysen und einiges mehr möglich sein.

Box positioniert sich prominent im Markt, den wir einmal Enterprise Content Management genannt haben und den Gartner jetzt als Content Services Platform Services “umbenannt” und neu definiert hat:

In other words, Content Services Platforms (CSP) are the new ECM, according to Gartner.

The analysts defined a CSP as “a set of services and microservices, embodied either as an integrated product suite or as separate applications that share common APIs and repositories, to exploit diverse content types and to serve multiple constituencies and numerous use cases across an organization.”

via Gartner Ditches ECM, Names 3 Content Services Platform Leaders

Gartner ordnet Microsoft, OpenText und Hyland in seinem Leader-Quadranten ein, IBM in den Challenger-Quadranten. Box ist unter den Visionären zu finden. Aufgemerkt; Der Anbietermarkt ist auf jeden Fall in Bewegung, auch weil traditionelle Anbieter wie Documentum (erneut) übernommen wurden und durchaus Fragen nach einer Documentum Exit-Strategie gestellt werden.

Ist Box dabei gar eine valide Alternative für manche Documentum-Anwendung? Eine Frage, die eher Marktauguren beantworten können. Ab 13. November wird Box Relay, ein mit IBM entwickeltes Workflow-Produkt auf den Markt kommen, mit dem man einfache dokumentenorientierte Geschäftsprozesse automatisieren kann. Für 2018 sind sowohl Box Graph – die Fähigkeit die Beziehungen, zwischen Inhalten und Personen darzustellen – und die oben erwähnten Box Skills angekündigt. Aaron Levie, CEO von Box, gibt die folgende Einschätzung zum Entwicklungsstand und zur Zukunft seines Unternehmens ab:

There’s a certain inflection point on the product side — we’re becoming a multi-product company and we’re building on a much broader platform. …

So I think for the next year it’s really about bringing these two things together. How do you bring the product innovation and product development, and align it with the go-to-market and scaling out our ability to reach customers all around the world and then help them through this journey. I think that’s the big operational opportunity for us.

via At BoxWorks with CEO Aaron Levie as Box doubles down on content

Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung von Box zu verfolgen.

(Stefan Pfeiffer)

 

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