Die Misere von NewWork – Neu heißt nicht machen

Puh, da sind wir wieder. Die schöne Welt der Schlagwörter und guten Ratschläge. Ich komme gerade mit dem Kopf aus dem recht alten Artikel des Handelsblatts: “Neue Arbeitswelt? Fehlanzeige!” Was da nicht alles passiert. Da werden mal alle Begrifflichkeiten so richtig in einem wundervollen Feuerwerk unter die Leser gebracht. Und was bringt es außer dem kurzem Licht am Firmament? Richtig Brände. Brände und seltsame Einschätzungen, die auch wirklich gar nichts bewirken, außer, die Verwirrung zu schüren, die schon da ist.

Doch der Reihe nach. Selbstverständlich ist es gut, wenn die Medien auch mal ein bisschen mit den Innovationen und Veränderungen der Unternehmen spielen und sich mit diesen auseinandersetzen. Man kann das auch unter der Kategorie Open Space, SCRUM, Design Thinking machen aber dann sollten man auch klarmachen, worauf man sich denn nun bezieht. Geht es nun um agile Arbeitsweisen oder die Gestaltung es modernen Arbeitsplatzes oder doch um Innovationsmethoden?

Wenn man sich einmal die Mühe machen würde und wenigsten die Begrifflichkeiten klar trennt, dann würde der Gedanke auch nicht aufkommen, alles über einen Kamm zu scheren. Aber sei es drum, es geht ja um die Betrachtung von NewWork. Der Begriff scheint sich als Sammelsurium für unklare Begrifflichkeiten gut zu machen. Agil! Ja, was ist das eigentlich? Stimmt so ein Ding von der NewWork.

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Sicherlich: Viel Wort, wenig Tat

Die Betrachtung, dass die neuen Methoden nicht in den Unternehmen ankommen, ist in diesem Sinne nicht wirklich neu. Kann sich jemand erinnern, wann Management by Walkaround so richtig Fahrt aufgenommen hat und sich als die Top Management Tour durchgesetzt hat? Nicht so wirklich, oder? Grundsätzlich ist dieser Ansatz jedoch ein sehr guter, hat sich aber nicht etabliert.

Vielleicht ist es sinnvoller die Umsetzungen von NewWork auch dort zu suchen, wo sie Sinn machen. SCRUM als eine Vorgehensweise im Spektrum von Agile findet in vielen Projekten und Schaffensprozessen als etablierte und vor allem sehr effiziente Form der Teamarbeit statt. Design Thinking wird vor vielen Projekten und Großprojekten schon von vielen Unternehmen eingesetzt und mit Erfolg in das SCRUM Rahmenwerk überführt. Also finden diese Methoden Anwendung und Umsetzung.

Schaue wir doch einmal auf andere agile Methode. Working out Loud erfährt im Moment eine große Bewegung in den Unternehmen. Sie reist viele Mitarbeiter mit und zeigt was alles in der digitalen Transformation für den einzelnen, sein Team und das Unternehmen möglich ist. NewWork findet statt aber vielleicht nicht so wie es uns alter Blick gerne sehen möchte.

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Rollen statt Positionen

Das Leben von NewWork umfasst nicht nur die einzelne Umsetzung von einem Schlagwort oder das Kennen der Begrifflichkeit. Vor allem ist es das Praktizieren und das Anwenden von dem, was viele Kennen oder meinen zu kennen. Und wir wissen ja, dass meinen nicht immer gleich Wissen ist.

Ich musste mich bei der folgenden Aussage schmunzeln:

“…42 Prozent der Führungskräfte bereits von Scrum gehört.”

Denn das ist tatsächlich, dass was viele als Wissen zu SCRUM etc. haben. Wer von diesen 42% hat sich denn schon mit den Strukturen und Methoden wirklich auseinandergesetzt bzw. die Zeit dazu gefunden. Vermutlich wirklich nur ein kleiner Teil. Dieses Hören-Sagen gilt aber noch lange nicht als Wissen und sollte auch so klargestellt werden.

Doch hier mal ein anderer Dreh auf die Betrachtung. Müssen denn die Führungskräfte NewWork machen? Hier meine klare Ansage: Nein. Sie müssen es nur verstanden haben und sich entsprechend positionieren. Führung ist zur Zeit der Digitalisierung schon lange kein Thema der Position mehr. Eigentlich sollten sich Positionen schon längst in Rollen aufgelöst haben. Das Verständnis dafür, dass Rollen aber dynamisch sind, dass muss eine Führungskraft aufbringen und leben. Die Führung muss zum Befähiger werden. Wie sie dies tun, ist nicht von agilen Methoden abhängig.

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Absurdität: Fehlende Kommunikation und Kultur

Der letzte Abschnitt kommt mir dann ein bisschen wie das Placement für Beratung vor. Die übliche Floskel: “Zur Einführung agiler Methoden braucht es vor allem die richtige Haltung. Viel und ständige Kommunikation zwischen allen Hierarchiestufen.” Stimmt, hat ja auch bei allen anderen Maßnahmen und Vorhaben funktioniert. Mir scheint, dass wir immer wieder in die Falle tappen, dass wir vorgeben müssen und motivieren können und die großen Anleiter sind. Ich bin mal so frei und überlasse diesem Post hier: Hört auf von Kulturveränderung zu sprechen.

Die Kommunikation findet statt und spätestens dann, wenn alles nicht richtig läuft. Die Leute reden miteinander, aber nicht zwangsweise auf den Kanälen, die wir für sie vorsehen. Aber die Kommunikation findet statt.

Eine kleine Spitze zum Schluss: Wenn ich nach den Umsetzungen für NewWork suchen und sie auch sehen will, dann gilt folgendes:

  • Auseinandersetzen mit dem Gebiet und klare Klassifikation
  • die eigene Gedankenwelt verlassen und die Welt der Machenden betreten und teilen
  • die klassischen Modelle der Organisation und Unternehmen verlassen
  • die eigene Disruption anstreben und dann nach ähnlichem suchen
  • Für die Medien empfehle ich immer die Geschichte von Medium

Also vor dem nächsten Schlagwortfeuerwerk Ordnung und Klarheit schaffen, dann klappt es auch mit der NewWork.

Kommentare sind sehr willkommen