heise: Niederländischer Datenschützer prangern Datenschutz in Microsoft Windows 10 an

Die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens (AP) klagt Microsoft an, gegen europäisches Datenschutzrecht zu verstossen, berichtet heise. Microsoft informiere die Anwender nicht klar, welche Daten für welchen Zweck erfasst und genutzt werden, stellen die Niederländer nach Prüfung verschiedener Versionen von Windows Home und Pro. Es gebe keine klare, durchsichtige OptOut-Möglichkeit für Anwender.

“Aufgrund von Microsofts Vorgehensweise haben Nutzer keine Kontrolle über ihre Daten”, bilanziert die Behörde. Der stellvertretende niederländische Datenschutzbeauftragte Wilbert Tomesen sagt: “Es stellt sich heraus, dass Microsofts Betriebssystem jeden Schritt, den du an deinem Computer machst, verfolgt. Das mündet in ein intrusives Profil deiner selbst.” Tomesen verlangt daher: “Microsoft muss Nutzer eine faire Möglichkeit geben, selbst darüber zu entscheiden.”

via Niederländischer Datenschützer: Microsoft bricht mit Windows 10 Datenschutzrecht | heise online

Schon in in früheren Windows-Versionen habe Microsoft Privacy-Einstellungen nicht “respektiert”. Auch die europäischen Datenschutzbehörden prüfen derzeit verschiedene Microsoft-Produkte. Pikanterweise kam die bayerische Datenschutzaufsicht – dort scheinen besonders gute Beziehungen zu Microsoft zu herrschen – im September nach der Prüfung von Windows 10 Enterprise zu der Auffassung, dass ein Einsatz wohl rechtskonform sei, obwohl sie zugeben musste, dass sie selbst noch nicht restlos alle Datenflüsse unterbinden konnte:

Dem Vernehmen nach hielten andere europäische Aufsichtsbehörden die Bewertung von Windows 10 Enterprise als “rechtskonform” durch die Bayern für verfrüht, da Microsoft noch keine Gruppenrichtlinie vorgelegt hat, mit der das System vollständig rechtskonform gestaltet werden kann.

via Niederländischer Datenschützer: Microsoft bricht mit Windows 10 Datenschutzrecht | heise online

Die niederländischen Datenschützer gingen wohl im Gegensatz zu den deutschen Behörden von einem Privacy by Default-Ansatz aus, der eigentlich – so sehe ich es zumindest – gerade im Behördenumfeld eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Die auf heise zitierten Bedenken, dass die öffentliche Verwaltung Europas immer abhängiger von Microsoft werde, was die Cybersicherheit und Innovation gefährde, haben wir hier schon berichtet. Erstaunlich, wie wenig unsere Parteien und sogenannten Digitalexperten – da gab es doch eine Partei, die Digitalisierung ganz groß im Wahlkampf raushängen lies – auf diese Bedenken öffentlich reagieren. [Falls ich es übersehen und überlesen habe sollte, bitte ich um Kommentierung.] Zum Thema Open Source, Lobbyismus und dem Trauerspiel rund um LIMUX und Open Source in der öffentlichen Verwaltung haben wir hier auch bereits berichtet.

(Stefan Pfeiffer)

One comment

Kommentare sind sehr willkommen