Der CIO der Zukunft ist Moderator und Brückenbauer – Interview mit Dr. Andreas Rebetzky, CIO der Firma Sto

Die Digitalisierung ist eine Aufgabe des ganzen Unternehmens. Für Dr. Andreas Rebetzky, CIO der Sto SE & Co KGaA und Präsidiumsmitglied von VOICE – Bundesverband der IT-Anwender, kommt es darauf an, das Zusammenspiel zwischen IT und den Fachbereichen zu verbessern.

„Die IT ist alleine nicht in der Lage, die Digitalisierung für das Unternehmen umzusetzen. Wenn die Fachbereiche nicht mitziehen, scheitert das“, warnt Rebetzky im CIO-Kurator-Interiew.

Bei diesem Zusammenspiel gibt es immer noch Friktionen.

„Die meisten Unternehmen sehen die IT nur als Dienstleister für PCs, SAP und Drucker“, so Rebetzky.

Die Digitalisierung gehe aber weit über diese Thematik hinaus. In allen Köpfen sei das angekommen – auch im Management. Es reiche aber nicht aus, das auf die Agenda zu setzen und mit dem CIO zu reden.

„Wenn wir nicht eine vernünftige Gesprächsebene zwischen der IT und den Fachbereichen finden, dann redet die IT zwar über Digitalisierung, das kann die recht gut, aber auf der anderen Seite versteht man es nicht“, betont Rebetzky.

Deswegen gebe es in seinem Unternehmen seit einigen Jahren entsprechende Initiativen, um auf Augenhöhe miteinander zu reden.

„Dafür muss man das digitale Skill-Level der Fachbereiche anheben. Wenn die Produktion denkt, der Abnehmer ist die Logistik, und die Logistik denkt, der Abnehmer ist der Vertrieb, und der Vertrieb liefert es dann an den Kunden, dann greift das zu kurz. Die Digitalisierung muss Transparenz über diese Wertschöpfungskette hinweg schaffen. Das bekommt man nur hin, wenn jeder Bereich sein Silodenken aufgibt“, sagt Rebetzky.

Umgekehrt gebe es auch Fälle, wo die IT die Digitalisierungswünsche der Fachbereiche ausbremst und sich Schatten-IT-Entwicklungen ausbreiten. Die IT habe nicht nur glänzende Experten für die Digitalisierung an Bord. Da gebe es auch Verwalter, die mit den Freestyle-Aktivitäten in anderen Abteilungen nicht viel anfangen können. Dabei könnte auch mit der Schatten-IT positives entstehen. Man könne solche Lösungen ins eigene Rechenzentrum ziehen.

„Da hilft nur der Dialog. Alle haben ja das Ziel, bestimmte Prozessthemen zu verbessern. Das geht nur gemeinsam. Wir veranstalten jährlich einige Workshops, um solche Grenzen aufzuheben. So sehe auch die Rolle des CIOs in der Zukunft. Er ist Moderator und Brückenbauer. Wir müssen heute nicht mehr Experte sein in einem Unix-Betriebssystem. Wir werden viele Leistungen quasi aus der Steckdose beziehen“, erläutert Rebetzy.

Die Betriebssicherheit müsse er gewährleisten. Aber die Bereitstellung der IT stehe nicht mehr im Vordergrund. Es gebe mittlerweile viele CIOs, die ihre Rolle redefinieren. Sie würden wissen, dass die Digitalisierung weit über die IT hinausgeht. Es gehe um die Transformation des gesamten Unternehmens und das könne man mit dem alten Rollenverständnis der IT nicht bewältigen.

In der Software-Entwicklung stecke der Hebel, um sich im Wettbewerb abzuheben. „In Deutschland haben wir gute Kompetenz von der Entwicklung bis zum Vertrieb. Das geht in die Tiefe, was im Silicon Valley nicht so gut beherrscht wird. Schnell ausprobieren und auch mal auf die Nase fallen, das können wir nicht so gut. Da könnten wir uns einiges abschauen von den Startups und großen Unternehmen in Kalifornien“, so der Rat des CIOs von sto. Etwa über die Gründung von Innovation-Labs.

Nachholbedarf sieht er zudem bei den analytischen Fähigkeiten, große Datenmengen zu verarbeiten. Hier sei eine Methodik vonnöten, die sich von den tradierten Modellen deutlich unterscheidet. Die klassischen Algorithmen seien mit den Standard-Programmierwerkzeugen erstellt worden.

„Da werden Maxima gesucht und Zeitreihen für das klassische Reporting gebildet. Zukünftig wird ein System Anomalien erkennen, programmiert mit einer Meta-Logik. Das klassische Controlling wird durch ein analytisches Controlling ersetzt. Dann wird es spannend“, resümiert Rebetzky.

Das Interview für unterwegs als Podcast:

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