Big Business & Big Data: Bestes Gesetz nutzt nichts, wenn man ignorant mit eigenen Daten umgeht

Auf der Webseite des World Economic Forums setzen sich Vasudha Thirani und Arvind Gupta mit dem so wichtigen Thema Daten, wem gehören, wie sind die Positionen, Vor- und Nachteile von Unternehmen und Verwaltung auseinander. De Autoren machen mit Datenleck bei Equifax auf, von 128 Millionen Personen betroffen sind. Dies ist sicher ein Aufsehen erregendes Beispiel. Viel interessanter dürfte sein, wenn Daten implizit und explizit genutzt werden und es nicht so auffällt

The individuals, who generate the bulk of the data, and are its rightful owners, end up sharing it, sometimes with explicit consent and many times with implied, but uninformed consent. Individuals trade their private data in the digital economy for more tailored choices – goods and services, free applications and software, but don’t reap any monetary benefits from this exercise.

via The value of data | World Economic Forum

Wer profitiert? Nicht nur nach Ansicht der Autoren sind dies Unternehmen wie Alphabet (Google), Apple, Facebook, Amazon und Microsoft mir ihren Plattformen, über die sie Daten aggregieren und verwerten. Verkauf und Werbung spielen hierbei sicherlich eine zentrale Rolle, denn diese Unternehmen können Marketingabteilungen wertvolle Informationen liefern, mit denen sie gezielt bestimmte Segmente adressieren, Influencer beeinflussen (schöne Wortkombination: Beeinflusser beeinflussen) und intelligente, dynamische Preisangebote machen können. Ist dies vielen Anwendern bei Amazon oder auch Google noch gegenwärtig.

Daten nutzen, um zu beeinflussen und zum Kauf anzuregen

Bei einer Microsoft fällt dies weniger auf, obwohl diese mit LinkedIn einen riesigen Pool geschäftlicher Daten „besitzt“, die nun nach und nach mit den Microsoft-Geschäftsanwendungen verwoben werden. LinkedIn als das globale Verzeichnis von Geschäftsadressen, das mehr und mehr auch in Unternehmen zur Identifikation genutzt werden soll, wenn man sich die aktuellen Ankündigungen der Microsoft Konferenzen richtig deutet. Welche Rolle LinkedIn dann noch als Content-Plattform bei der Beeinflussung von Geschäftsentscheidungen im B2B-Umfeld spielen kann, wäre auch noch zu diskutieren. Aber gab es zum Thema LinkedIn und Microsoft schon eine größere öffentliche Diskussion?

Doch dies ist für mich nur ein Beispiel, wie wenig ernst das Thema Datenhoheit und Datenverwertung offenbar genommen wird. Bei LinkedIn geht es um Daten nicht nur aber vor allem im geschäftlichen Umfeld. Bei Google erkaufen wir uns eine freie, leistungsfähige Suche durch unsere Bewegungsdaten im Netz und werden quasi nebenbei mit Anzeigen angefüttert. Mal Hand aufs Herz: Wer kennt und nutzt schon die neuen Data Privacy-Einstellungen von Google? Bei Amazon, Facebook und Apple – obwohl man Apple wohl etwas differenzierter sehen muss – ist es ähnlich. Wir tauschen Komfort und Service gegen unsere Daten. Fragt sich nur, wer davon mehr profitiert.

Machen wir uns nichts vor, hier geht es um Big Business:

According to the European Commission, by 2020 the value of personalized data will be 1 trillion euros, almost 8% of the EU’s GDP. As this trend grows, there will be increasingly growing conflict between the value of data and individual privacy and consent.

via The value of data | World Economic Forum

Nicht nur die Autoren vom World Economic Forum sollten die Frage stellen, wer die Daten besitzt und die intellektuellen Rechte daran hat. Daten haben unterdessen einen enormen wirtschaftlichen Wert, denn sie können benutzt werden, um individuelles Verhalten und Entscheidungen zu verstehen, vorauszusagen und zu beeinflussen. Genau deshalb ist eine Diskussion und Sensibilisierung zu dieser Thematik unbedingt notwendig.

Datenschutz: Ignoranz, Desinteresse, Unwissen

Oft scheint derzeit noch Ignoranz, Desinteresse am Thema Datenschutz zu herrschen. Man kennt die Thematik nicht. Oder aber man ist zu bequem, sich mit damit auseinanderzusetzen. Betrifft mich doch nicht. Und genau darauf bauen auch viele der oben genannten Konzerne. Leider oft zu Recht. Sicherlich gehört Datenschutz auch nicht zu den Themen, die ganz oben auf den Lehrplänen von Schulen, Universitäten und Volkshochschulen stehen, obwohl dies dringend notwendig wäre. Übrigens auch ein Thema, das in einer deutschen Digitalisierungs-Initiative mit abgedeckt werden müsste.

EU-DSVGO als Chance für Unternehmen und Anwender

Nun gibt es ja neue gesetzliche Verordnuungen wie GDPR beziehungsweise deutsch die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSVGO), die ab 18. Mai 2018 Unternehmen scharfe Regeln vorschreiben, wie sie mit Daten umzugehen haben und dass sie Daten auf Anforderung der betroffenen Person löschen können müssen. Die Compliance-Beauftragten und auch die IT-Abteilung stöhnen, denn das zu gewährleisten, ist bei den verschiedenen Datentöpfen, die in Unternehmen Realität sind, bestimmt nicht einfach. Auf der anderen Seite kann man auch als CIO als Chance sehen, wie es Cristina Cabella, Chief Privacy Officer der IBM formuliert hat:

“I wouldn’t deny that there is complexity around the implementation of GDPR, but I truly believe it is an opportunity because the world is built and fuelled by data. So, we must find ways to have an enhanced level of accountability and responsibility for the processing of the data.”

via GDPR als Chance : Chief Privacy Officer Cristina Cabella –  CIO Kurator 

Compliance-Beauftragte und IT werden sich also mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Interessant wird aber vor allem auch sein, wie viele Konsumenten, Kunden, Anwender und Unternehmen dann auch wirklich die Rechte wahrnehmen werden, die sie durch die EU-DSVGO erhalten. Wenn man weiterhin derart ignorant mit seinen eigenen Daten umgeht, dann nutzt auch das beste Gesetz nichts.

(Stefan Pfeiffer)

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