Wer hat die Datenkompetenz im Unternehmen? Gespräch mit Otto Schell #CIODebatte

Sind die CIOs bereit für die digitale Revolution? Das könne noch nicht so richtig beantwortet werden, sagt Otto Schell von der DSAG im CIOKurator-Gespräch. Häufig werde Digitalisierung verwechselt mit „Technologie zur Verfügung zu stellen“. Viele IT-Führungskräfte könnten noch nicht sagen, was das für ihre Geschäftsmodelle bedeutet. Die neuen Themen wie Data Sciences, Internet der Dinge oder Plattformen seien ein hartes Brot für die etablierten CIOs.

„In der Presse und in den Fachgremien habe ich keine Berufsgruppe in den vergangenen Jahren erlebt, die sich immer wieder wie die ITler neu erfunden hat. Sie sind rausgegangen und haben gesagt, dass sie Business-Prozesse verstehen würden. Das größte Dilemma besteht in den Diskussionen der anderen Fachbereiche in den Unternehmen, die zur Zeit überlegen, wo die Reise hingeht und dann schnelle IT-Applikationen einfordern.“

Das gehe von App-Implementierungen bis zu APIs, um beispielsweise schnell an Lösungen von Startups heranzukommen.

„Die Fachbereiche haben Appetit bekommen und die ITler, die bislang ihre Governance-Modelle aufgebaut haben, sind nicht vorbereitet auf neue Strukturen“, so Schell.

Zudem kommen sie nach Einschätzung von Schell mit der Geschwindigkeit nicht klar, die die Fachbereiche jetzt brauchen, um neue Geschäftsmodelle auszuprobieren und um Relevanz auf dem Markt festzustellen. Gehen die Entwicklungen an den CIOs vorbei? Sie seien sehr damit beschäftigt gewesen, die Schatten-IT im Unternehmen einzufangen.

„Richtige Lösungen sind dabei nicht herausgesprungen, weil man im klassischen Rhythmus weitergearbeitet hat. Bei SAP hat man klassische Release-Zyklen. Projektvorbereitungszeiten und Testphasen bis ein neues Release eingeführt wird. Nur diese Zeiten gibt es heute nicht mehr. Wenn viele von Agilität reden, muss das im laufenden Prozess umgesetzt werden. Kommen Fachbereiche von Kongressen zurück oder schauen auf ihr Smartphone, wo Implementierungen reibungslos verlaufen, dann erwarten sie das auch von ihrer IT-Abteilung“, erläutert Schell.

Da müsse der CIO ganz klar eine Führungsrolle übernehmen und seine Anforderungen sauber strukturieren. Was sei notwendig, um das laufende Geschäft schneller zu machen und was braucht man in der Zukunft, um noch relevant im Markt zu sein. Diese Fragen müssten beantwortet werden, um nicht Ausgaben doppelt und dreifach zu tätigen.

Technologisch werden auch die Nicht-Itler immer stärker.

„Wenn wir über Realtime-Anwendungen reden, über Machine Learning und Künstliche Intelligenz, dann werden wir Systeme haben, wo man Entscheidungen sofort treffen kann. Da beobachte ich Märkte auf einem Dashboard und wenn ich Produkte oder Services anders darbieten will, weiß ich sofort, was das für das gesamte Unternehmen bedeutet. Fachbereiche werden nicht mehr auf die IT zugehen und einen Report anfordern“, sagt Schell.

Solche Daten werden im System ständig und automatisch verfügbar sein. Also steigen die Anforderungen an CIOs noch mehr an. Datenkompetenz eignen sich auch Betriebswirte an.

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