Kollaborations-Lüge oder einfach mal öfters an die eigene Nase fassen?

Der ganz andere Bericht zum Thema Kollaboration, Zusammenarbeit, der schon geraume Zeit in meinen Reader schlummert und jetzt endlich raus geholt werden muss. Markus Albers nimmt in trefflicher Weise das Thema Kollaboration ausführlich aufs Korn. Ich picke einige Kernaussagen heraus und kommentiere, empfehle aber jedem, den Artikel ganz zu lesen.

Wie der geneigte Leser weiß, bin ich ein absoluter Freund und Fan transparenter, offener Zusammenarbeit. Informationen und Wissen gehören geteilt, wenn nötig mit entsprechenden Zugriffsrechten, Kommunikation muss offen und kritisch möglich sein. Der gemeinsame Austausch, das berühmte Brainstorming kann und führt oft zu guten Ergebnissen. Hier haben Kollaboration-Tools an Rechner und Smartphone ebenso ihre Berechtigung wie Treffen vor Ort, wo man – ob agil oder nicht – konzentriert an einem Thema arbeitet. Und das sieht auch Markus Albers so:

Keine Frage: Mehr Austausch erhöht die Innovationskraft, beschleunigt Problemlösungen, verhindert unnötig doppelte Arbeit und sorgt dafür, dass die besten Köpfe auf den jeweiligen Themen arbeiten.

via Digitale Erschöpfung: Die Kollaborations-Lüge | karrierebibel.de

Danach hebt er auf “Collaboration Overload”, auf ein zu viel von Kommunikation und Kollaboration ab, was zu Ablenkung, Unterbrechungen und zu wenig Zeit für konzentriertes, störungsfreies Arbeiten führt. Zustimmung, Euer Ehren. Und ich persönlich habe einige Konsequenzen gezogen: Das Chatprogramm ist jetzt oft geschlossen, nur offen, wenn ich in endlosen Telefonkonferenz mit Kolleginnen und Kollegen lästere. Oh Schreck, was schreibe ich hier. Mein Kopf und mein Kragen.

Die unsäglichen Benachrichtigungen an meinem Mac, auf Smartphone, Tablet und Watch sind auf ein Minimum reduziert. War ja schon wieder ätzend genug, dass ich am Samstag beim Tennis ständig per Apple Watch an die Niederlage meiner Borussia erinnert wurde. Doch man lasse es sich mal auf der Zunge oder im Auge zergehen: Laufendes Pieps, optische Benachrichtigungen und Vibration auf Computer, mobile Geräten und Wearables. Meist noch zum gleichen Thema. Wie krank ist das denn?

Zurück zum Beitrag von Markus Albers. Endgültig “bekommen” hat er mich beim Thema Meetings und Telefonkonferenzen:

Forscher der University of Virginia fanden heraus, dass Wissensarbeiter heute 70 bis 85 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, in Meetings zu sitzen – egal ob physisch in einem Raum oder virtuell, also am Telefon oder in der Videokonferenz –, ihre E-Mails abzuarbeiten, zu telefonieren oder auf sonstige Anfragen zu reagieren.

via Digitale Erschöpfung: Die Kollaborations-Lüge | karrierebibel.de

Später zitiert Albers den Marketing Guru Peter Drucker, der einmal gesagt hat, man könne entweder an Meetings teilnehmen oder echte Arbeit erledigen, aber niemals beides. Und natürlich bekommen auch die Manager in diesem Zusammenhang ihr Fett weg:

Nicht zuletzt lieben Manager es, zu demonstrieren, dass sie nun ja: managen.

Ihr Job ist nicht an der operativen Front, sondern auf einer Meta-Ebene der Flow-Charts und Excel-Tabellen. Und so fühlen sie sich geradezu verpflichtet, die Kalender ihrer Untergebenen mit Statusmeetings und Jour-Fixes zu füllen, …

 

via Digitale Erschöpfung: Die Kollaborations-Lüge | karrierebibel.de

Ich bin der festen Überzeugung, dass Meetings neben den anderen genannten Punkten wie Benachrichtigungen (Notifications) und der Sucht, den E-Mail-Posteingang zu checken, ein der großen Produktivitätsfresser der heutigen Büro- und Wissensarbeit ist. Es fasse sich mal jeder an die eigene Nase:

In wie vielen Telefonkonferenzen und Meeting sitzen wir nutzlos rum, weil wir halt eingeladen wurden? Interpretation: Einladung ist gleich Anwesenheitspflicht.

Wieviele von uns haben den Mut, solchen Meetings fern zu bleiben, weil sie keine aktive Rolle haben oder das Thema irrelevant für uns ist?

Wie viele von uns sitzen in einer Telefonkonferenz (ihre Zeit ab), mit einem halben Ohr zuhörend (was nicht geht), parallel “arbeitend” an E-Mails (was auch nicht wirklich geht, so von wegen Mulittasking) oder wie oben beschrieben am Chatten mit lieben Kolleginnen und Kollegen?

Da können wir von agiler Arbeitsweise und entsprechend produktiver Projektarbeit daher palavern, so oft wir wollen. Solange wir (und unser Management) nicht den Mut haben, unsere eigene Arbeitsweise zu ändern, ist produktives, konzentriertes (Zusammen)Arbeiten Schall und Rauch. Und das ist keine Frage der Collaboration Tools, die ich benutze.

Und zum Thema Telefonkonferenz empfehle ich folgendes Video:

(Stefan Pfeiffer)

5 comments

Leave a Reply