CIOs und Chief Data Officers: Gemeinsamkeiten betonen.

Wenn man Medienberichte über die heutige Rolle der CIOs verfolgt, hat man das Gefühl, dass diese andauernden internen Kämpfen ausgesetzt sind und sie ständig um ihre Rolle im Unternehmen bangen müssen. So kann man es teilweise ja auch hier auf dem CIO-Kurator lesen. Da ist der Kampf innerhalb der C-Level Kolleginnen und Kollegen um Aufmerksamkeit und strategische Bedeutung. Dann wären da die impertinenten Fachabteilungen wie Marketing und HR, die einfach so auf eigene, meist cloud-basierte Plattformen setzen und sich vor der Einführung intern nicht mehr absprechen. Und dann schließlich noch neue Rollen, welche die eigene Position der CIOs einengen könnten. Eine Abkürzung steht dabei für gleich zwei dieser Rollen: CDO. Während damit rund um die Diskussion um digitale Transformation der Unternehmen meistens der Chief Digital Officer gemeint ist, geht es hier um jemand anderen: dem Chief Data Officer.

Die Meisterin oder Meister der Daten in einem Unternehmen hat dabei vor allem die folgende Aufgabe:

„to define a data-management strategy and translate it into tactical, [achievable] steps for the business.”

So heißt es in einer aktuellen Studie zur Rolle des CDO, aus welcher die Plattform DevOps.com zitiert.

Die Analysten von Gartner hatten im letzten Jahr eine erste groß angelegte Studie rund um die Chief Data Officers durchgeführt und einige Bewertungen und Prognosen abgegeben. So geht das Analystenhaus etwa davon aus, dass die Bedeutung der neuen C-Level Executives kontinuierlich steigen wird und bis zum Jahr 2019 mehr oder weniger alle großen Unternehmen eine oder einen Chief Data Officer in seinen Reihen haben wird. Gleichzeitig heißt es jedoch, dass nur die Hälfte dieser neu geschaffenen Positionen erfolgreich sein werden.

Der Analyst Doug Laney gibt in dem oben verlinkten Beitrag Tipps, wie man die Rolle des Chief Data Officers zum Erfolg führen kann:

„CDOs will gain authority when they successfully verify that their organization can own and control its data, and that it has probably future economic benefits. Gartner recommends that CDOs apply the principles for identifying traditional assets (e.g., physical and financial assets) to data in order to lead their organizations in recognizing data as a legitimate, valuable asset.“

Heißt: CDOs müssen das seit Jahren auf vielen Konferenzen wiederholte Mantra „Daten sind das neue Öl“ in konkrete Vorteile ihrer Unternehmen übersetzen und beweisen, dass die Kontrolle über die Daten und die Einblicke in diese tatsächlich so wichtig sind wie es das Öl für viele Branchen immer noch ist.

Doch egal, wie die Verantwortlichkeiten letztendlich verteilt sein werden: Allgemeines Erfolgsrezept für Neueinsteiger in Unternehmen ist sicher die gute Zusammenarbeit mit den Etablierten und da wären wir wieder bei dem Kampf der Rollen. In der oben erwähnten Studie heißt es, dass CIOs die Schaffung einer Chief Data Officer-Rolle befürworten. Die Bezeichnung dieser Position ist dabei leicht irreführend, denn die Mehrzahl dieser C-Level Rollen sind eben – bislang – nicht im Vorstand des Unternehmens angeordnet, sondern berichten eher an die IT-Verantwortlichen, also vor allem die CIOs. Und hier gibt es in der Tat einige Überschneidungen bzw. Herausforderungen, die CIO und CDO gemeinsam angehen müssen: Die Sicherheit und die Qualität der Daten im Unternehmen etwa oder die Frage der Datenverfügbarkeit, also zum Beispiel welche – oder ob überhaupt eine – Cloud-Infrastruktur nötig und sinnvoll ist. Und auch bezüglich der notwendigen Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Fachabteilungen verfolgen IT-Chefs und Verantwortliche über die Daten ähnliche Ziele: Denn letztendlich müssen die Marketing- oder HR-Verantwortlichen die für sie relevanten Daten nutzen können.

Doug Laney hat noch einen weiteren interessanten Vorschlag, wie die relativ neuen Chief Data Officers mehr Bedeutung, also Budgets und andere Ressourcen, in ihrem Unternehmen erhalten. Und zwar plädiert er für die Aufspaltung der IT-Abteilungen in voneinander getrennte I- und T-Abteilungen:

Q: How do CDOs obtain the budget and resources they need to be successful?

A: It has proved difficult for CDOs to get anything other than moderate budgets and limited resources when they report into an existing business unit like IT. Moreover, with only a handful of personnel in the Office of the CDO, the group must operate virtually, tagging onto, and inserting themselves into, existing projects and initiatives throughout the organization. This, of course, is suboptimal.

We recommend that organizations serious about improving the realized value of their information assetsbifurcate their IT department into separate “I” and “T” departments, the former led by a CDO. Budgets and resources can rise to sufficient levels when information is treated as a real enterprise asset, and the CDO is an actual chief who assumes responsibility for all information management (and sometimes analytics, too).

Wie CIOs zu diesem Vorschlag stehen, sollten wir in einem der anstehenden Interviews mit CIOs einmal konkret nachfragen.

Grundsätzlich passt dieses Zitat des Kollegen Sebastian Thielke aus seinem lesenswerten Beitrag zum Stand der Debatte um die digitale Transformation in Unternehmen auch sehr gut zur Einführung neuer Rollen:

„Das egoistische Leitmotiv des eigenen Handelns bezieht sich in vielen Fällen eben nur auf das Ich und nur sehr selten auf das Ich in Bezug auf das Wir. Ellbogen Erziehung und Egoismus schränken somit die Sicht für Neues ein. Ich und nur Ich ist die größte Hemmschwelle, die es in der digitalen Transformation zu überwinden gilt“

 

Kommentar verfassen