Digitale Kompetenzen in der Berufsbildung vonnöten #ZP17

Wer heute Arbeit über eine mechanistische Logik organisiert, darf sich nicht wundern, wenn morgen Künstliche Intelligenz und Robotik diese Tätigkeiten übernehmen.

Wenn man sich Studien zu den Wirkungen der Automatisierung anschaut, wird aber nur dieser Aspekt beleuchtet. Wissenschaft, Politik und auch das Personalmanagement sollten sich eher fragen, welche Fähigkeiten in Zukunft relevant sind, die nicht von Maschinen übernommen werden können. Zu diesem Befund gelangt KI-Analyst Stefan Holtel im CIOKurator-Interview.

Wie muss sich das Arbeitsplatzprofil ändern? Was bleibt auf unabsehbare Zeit für Maschinen nicht machbar? Holtel nennt soziale Interaktion, unstrukturierte und komplexe Umgebungen, etwa Notfall-Ambulanzen und Kreativität. Nicht Standards und 08/15-Leistungen sind relevant, sondern spontanes Handeln, Überraschungen, neue Kombinationen und Individualisierung.

Im Management und in der BWL passiert doch eher das Gegenteil. Unter dem Regime von Kennzahlen, Benchmarks, Standardisierungen und so genannten Prozessoptimierungen marschieren viele in die Falle der Automatisierung. Das fängt schon bei den Stellenanzeigen an.

„Mein Profil passt nirgendwo rein“, so Holtel.

Der erste große Fehler sei das Matching. Da schlagen die gleichmachenden Algorithmen zu. Suche einen Bewerber, der zu meinem Stellenprofil passt. Und schwupp fängt die Monotonie an.

„Die erste Lüge ist schon das Anforderungsprofil. Meistens sollen Bewerber belastbar und kreativ sein. Wenn sie es wirklich sind, werden sie rausgekickt. Offiziell werden Leute gesucht, die ich später gar nicht mehr haben will“, erläutert Holtel.

Professor Tobias Kollmann vom Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundeswirtschaftsministerium fordert eine grundsätzliche Veränderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

„Die Digitalisierung wird viele Arbeitsplätze schaffen und viele vernichten. Das wird sich die Waage halten. Das Problem ist nur, dass vielfach das Anwendungsrüstzeug fehlt, um in neuen Berufsfeldern tätig sein zu können.“

Hier werde in der Bildungspolitik zu wenig getan. Die digitale Kompetenz müsse deshalb ganz oben auf der Agenda stehen.

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