CIO als Möglichmacher für autonome Mobilität in der Logistik #CIOKuratorLive

Wenn sich Konzepte für autonome Mobilität durchsetzen, kommen die Impulse vor allem aus der Logistikbranche und nicht aus dem Privatkundenmarkt über Tesla & Co. Davon ist der CIO Holger Rieth von Stute Logistics überzeugt. Bei den Fahrzeugen gebe es eine extrem hohe Kapitalbindung und begrenzte Fahrzeiten. Zudem seien qualifizierte Fahrer schwer zu finden.

„Der Fachkräftemangel hat gerade erst angefangen“, so Rieth in unserer Interviewreihe CIOKuatorLive.

Das werde sich noch zuspitzen.

Generell sei der Logistiker derzeitig in einer ganz schwierigen Position, wenn es um Planbarkeit geht. Beispielsweise bei der Vorhersage von Ankunftszeiten durch Staus.

„Die Industrie hat hier eine hohe Erwartungshaltung.“

Das alles würde für autonome Mobilität sprechen: Keine Wartezeiten, ständige Verfügbarkeit und Reduktion der Ausfallzeiten. Der Kunde verlange direkt nach der Beauftragung entsprechende Verfügbarkeiten.

„Vor fünf Jahren haben wir das Thema ‚Same Day Delivery’ diskutiert. Heute ist das längst Realität. Da kämpfen wir gegen steigende Kosten.“

Hier sei wieder der Logistiker gefragt, die Versorgung bei Datenströmen und Warenströmen miteinander zu verbinden. Entsprechend hoch sei die Bereitschaft, Ideen wie Schwarm-Mobilität über Plattformen zu organisieren, um die Informationsasymmetrie des Marktes vom Tisch zu bekommen. Echtzeit-Matching ist dabei das Zauberwort.

„Ein Spediteur hat die Fähigkeit, zwischen 20 und 30 LKWs zu disponieren. Die Marktübersicht ist begrenzt. Bei Plattformen ist das nicht der Fall. Bei einer Fracht von München nach Passau hat der Spediteur vielleicht zwei oder drei Optionen. In der Umgebung gibt es aber bis zu vierhundert Fahrzeuge, die diese Fracht optimal transportieren könnten. Auf konventionelle Weise wird man diese Transparenz nie herstellen können“, erläutert Rieth.

Das werde nur eine Plattform mit Künstlicher Intelligenz und Multi-Agenten-Systemen realisieren können. Ein einzelner Spediteur könne mit dieser Netzwerklogik nicht mithalten.

Deshalb ändert sich die Expertise im Logistikgeschäft:

„Wenn es um die technologischen Möglichkeiten geht, um Plattformen, um Künstliche Intelligenz und Data Science, bin ich als IT-Führungskraft gefragt. Der CIO muss diesen Prozess verstehen und vorantreiben“, sagt Rieth.

Der CIO müsse das Matching zwischen Technologie und neuen Geschäftsmodellen organisieren.

Logistik und IT seien daher eine gute Kombination für Studierende.

„In der Ausbildung von Logistikern muss die IT eine viel größere Rolle spielen als es zur Zeit der Fall ist“, fordert Rieth.

Restriktionen für autonome Mobilität sieht er vor allem bei der Stromversorgung. Es müssten noch Milliarden Euro in die entsprechende Infrastruktur für vernetzte Mobilität gesteckt werden. Nach dem Bundesverkehrswegeplan sind dafür bis 2030 nur 500 Millionen Euro vorgesehen. Fast 300 Milliarden gehen in Teer und Beton.

Und was passiert mit den Fahrern? Spielen sie eine ähnliche Rolle, wie die Heizer auf E-Loks? Heizer sind bei Abschaffung der Dampf-Loks noch einige Jahre auf Druck der Gewerkschaften auf E-Loks mitgefahren. Irgendwann war das vorbei. Schon damals gab es personelle Konsequenzen durch disruptive Technologien. Da sieht Rieth die Logistiker gut gerüstet. Ein LKW-Führerschein reiche schon längst nicht mehr aus, um im Frachtgeschäft tätig zu sein.

„LKW-Fahrer gehen durch viele Schulungen von Gefahrgut bis Ladungssicherung. Das ist sehr anspruchsvoll und wird auch in Zukunft so sein“, betont Rieth.

Positiv sieht er das industrielle Umfeld auch in Konkurrenz zum Silicon Valley. Mit den Anwendungen des Privatkunden-Marktes werde man die Logistik nicht revolutionieren. Beim Warehouse Management System gebe es bei den Industriekunden einen individualisierten Anspruch – also einen Engineering-Ansatz, den kalifornische Digitalunternehmen nicht gewöhnt sind. Was aus den USA komme, hilft der Logistikbranche nicht immer weiter. Und selbst in der Lager-Logistik brauche man den Vergleich nicht zu scheuen. Rieth verweist auf Unternehmen wie Zalando, die im internationalen Geschäft gut mitspielen – nicht nur als Logistiker und Händler, sondern als Technologie-Unternehmen:

„Es ist schon sagenhaft, in welcher Höhe Investitionen für neue Technik vorgenommen und Fachkräfte für Künstliche Intelligenz, Data Science und Machine Learning eingestellt werden.“

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