Verpuppen, Verkappen und Verirren – Stadien der digitalen Transformation

Heute möchte ich mich mal nicht dazu auslassen, was man alles anders machen kann und sollte und überhaupt, dass ja nicht die Technologie im Vordergrund steht, sondern der Mensch und die Kommunikation. Nein, heute werfe ich mal einen zusammenfassenden Blick auf sechs Jahre Veränderungen mit Innovationen, Idealen und Methoden. Eigentlich brennt mir diese Betrachtung schon lange auf der Zunge.

Doch worum geht es mir? Eigentlich um was recht Einfaches – die Beobachtung und Feststellung zu Organisationen und Unternehmen und deren Weg sich digital aufzustellen, umzustellen oder gar völlig umzuwandeln. Und mit Verpuppen, Verkappen und Verirren meine ich die Beobachtung doch recht erschöpfend getroffen zu haben. </Arroganz_off>

Digitale Transformation in unterschiedlichen Stadien

Selbstverständlich könnte ich eine fundierte und datenumwobene Klassifizierung der aktuellen Lage der digitalen Transformation gestalten und als Analyst sicherlich recht gut verkaufen, aber darum geht es mir nicht. Ich bringe mit Absicht die subjektive Note meiner Sichtweise in die Betrachtung, denn es ist die Summe meiner Erfahrungen und die sind nun mal subjektiv.

Wenn ich also auf meine kurze Arbeits-, Begleitungs- und Realisierungszeit zurückblicke, dann fallen mir die genannten drei Stadien auf.

Leuchttürme sind verpuppt

Verpuppen

Die Organisation/Unternehmen befindet sich in einem gewagten Umbruch und damit in der Metamorphose zum digitalen Fluginsekt. Es ist eben nicht wirklich erkennbar und absehbar, was nach der Verpuppung aus der Puppe klettern wird. Aber immerhin hat man sich in sich zurückgezogen und den Schritt der Ganzheitlichen Veränderung gewagt. Das ist schon sehr viel als fünf Sechstel bereit sind zu tun.

Oh eine Puppe. Ach mist, doch nur ne Erdnuss.

Verkappen

Eigentlich das schrecklichste Stadium der digitalen Transformation und dennoch das am weiten verbreitetste – Wir tun so als ob schreiben auf jede IT Label Digital drauf und machen noch ein paar öffentlichkeitswirksame Blendlichter an die Raupe dran. Die Beispiele hierfür sind unzählig und vielfältig und durchziehen die Organisationen von Nord bis Süd und Ost bis West. Die beste Darstellung der Verkappung liefert der Beitrag Alles nur eine Farce? Digital Collaboration und NewWork im Wirklichkeitsschock”, denn dieser zeigt, dass die ganzen digitalen Spielwiesen irgendwie nur eine Ablenkung sind ohne Einfluss und Handlungsmöglichkeit. 

Yeah, wir werden alle Agile. Du auch und du auch und du auch. Ich? Nee, lass mal ist mir zu aufwendig, dass macht meine Sekräterin.

Verirren

Ein seltsames Stadium, dass es eigentlich nicht geben sollte aber dennoch eine weite Verbreitung findet. Verirrt scheinen viele Unternehmen zu sein, wenn es um die Organisation des Unternehmens geht und die Verbindung der Organisation mit der digitalen Veränderung. Man möchte ja dem Drang von Markt und Meinung folgen und digital werden aber bitte schnell und ohne Reibung. (Die Fehleinschätzung ist schon hier klar erkennbar) Also werden gängige Projekte schnell mal digital-beschriftet vor allem methodisch. Was kommt dabei raus? Das Unternehmen hat jetzt eine neue Homepage und stellt im Moment auf sagenumwobene ERPs um. (Hatte man schon vorher aber nicht so toll) Die eigentliche Umsetzung zu einem digitalen Unternehmen findet dann aber doch nicht statt. Denn die Trigger-Projekte laufen toll aber die Anstrengungen dafür waren so groß, dass man es der gesamten Organisation nicht zumuten möchte. Man versucht kopflos die Erfolge zu kopieren und eins zu eins auf anderen Bereiche zu übertragen. Was passiert? Richtig, nichts, denn es versandet. Schade eigentlich.

Was hilft? Leiden und Erkenntnis

Als Idealist habe ich versucht meinen Enthusiasmus auf Organisationen und Unternehmen zu übertragen – Beispiele, Anwendungsfälle und Szenarien identifiziert, die geschäftlich wie auch organisatorisch Verbesserungen brauchen und auch bringen. Was war die Regel der Reaktion? Naja, wir fangen mal klein an. Die paar Leute dahinten und die jungen neuen Mitarbeiter kriegen das aber die alten die machen eh nicht mit.

Interessant ist, dass man den Mut für finanzielle attraktive Risiken wie Spekulation, Schummeln und Verkappen hat aber den Mut tatsächlich was zu ändern, dass es besser wird, gar nicht finden möchte.

Hallo das bin ICH, nur ICH. Wer das neben mir ist, dass spielt doch keine Rolle Hauptsache ich bin ICH.

Verantwortung für sich selbst

Wer glaubt, dass die Menschen in Organisationen und Unternehmen emanzipierter sind, der sollte sich umschauen und wird schnell feststellen, dass Save-My-Ass immer noch das Leitmotiv allen Handelns ist. Es ist wirklich schade, denn ich weiß, handle und arbeite nach dem, was die Veränderung mit sich bringt, was das Digitale für alle bereithält.

Das egoistische Leitmotiv des eigenen Handelns bezieht sich in vielen Fällen eben nur auf das Ich und nur sehr selten auf das Ich in Bezug auf das Wir. Ellbogen Erziehung und Egoismus schränken somit die Sicht für Neues ein. Ich und nur Ich ist die größte Hemmschwelle, die es in der digitalen Transformation zu überwinden gilt, und dann haben Organisationen und Unternehmen die Chance, sich nicht nur zu verkappen und zu verirren, sondern sich tatsächlich zu verpuppen.

2 Kommentare

  • Hi Sebastian, dank‘ dir für den kurzen Austausch zu deinem Post eben schon via Twitter. Dank‘ dir ebenfalls für die m.E. treffenden Metaphern in diesem Zusammenhang. Wenn ich eine Hemmschwelle hinzufügen darf, dann wäre das spontan „Meins und nur meins“. Teilen & Transparenz sind zu großen Teilen noch nicht in der Arbeitswelt angekommen. Das Klammern an Hoheitswissen ist an vielen Stellen noch an der Tagesordnung… VG Nicola.

  • Sebastian Thielke

    Hallo Nicola,

    vielen Dank für die Ergänzung der Hemmschwelle.
    Mich würde interessieren, wie man diese Hemmschwellen abbauen kann ohne den Menschen in seiner Persönlichkeit zu verändern. Ich glaube ja, dass das Business Prinzip „Best Practice“ vielen die Chance auf Erfahrung und Fehlschlag nimmt. Wer keine Erfahrungen sammeln kann und nur in der Gummizelle der Vorbestimmung und Anleitung lebt, der wir die Ich-Welt nie durchbrechen, denn das ist die einzige Erfahrungswelt , die dieser Mensch machen konnte. Leider.

Kommentar verfassen