Entlasten statt Entlassen – KI vernichtet nicht Jobs, sondern Tätigkeiten #ZP17 #StudioZ @hr_roundtable

Für Unternehmen bieten hochentwickelte Technologien wie Künstliche Intelligenz, Big Data oder das Internet der Dinge vor allem neue Möglichkeiten zur Steigerung von Effizienz und Produktivität, sagt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017). Recht fantasielos. Beschränken wir uns auf die Betrachtung von Effizienz und Produktivität? Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn folgendes Beispiel Schule macht:

Weitreichende Veränderungen des Arbeitsmarktes lassen sich am chinesischen Unternehmen Changying Precision Technology verdeutlichen. Das Unternehmen ersetzte 90 Prozent der 600 Beschäftigten in ihrer Produktion durch 60 Roboter und erzielte dadurch nicht nur einen Rückgang der Defekte um 80 Prozent, sondern zugleich gar auch eine Produktivitätssteigerung um 250 Prozent.

Oder die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeübten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit.

Brzeski und Burk (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden könnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeübten Berufe einer vergleichsweise hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die „Prognosen“, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die „Forscher“ mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

Der KI-Experte Stefan Holtel erläutert im #CIOKuratorTalk warum man jetzt verstärkt in qualitativen Dimensionen denken muss und warum die quantitative Ausrichtung des Managements in die Irre läuft. Was müssen Vorstände und das Personalmanagement anders machen, um nicht in die Falle der Automatisierung zu laufen? Wie verabschiedet man sich von der alten Effizienz-Logik des Fabrik-Zeitalters? Wie könnten Mitarbeiter befähigt werden, neue Talente im Zusammenspiel mit der KI zu entfalten?

Im StudioZ auf der Zukunft Personal in Köln werden wir das Thema vertiefen. Man hört, sieht und streamt sich am 19. und 20. September in Halle 3.1 Stand F27.

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